Erfolg mit Nebenwirkungen

Das erste Bergrennen in Hemberg nach 22 Jahren ist passé. Während einige OK-Mitglieder und Helfer noch die letzten Aufräumarbeiten verrichten, ziehen sie ein Fazit. Vieles war gelungen, vieles gilt es fürs nächste Mal noch zu verbessern.

Olivia Hug
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Hochbetrieb im Hemberger Dorfzentrum: Über die Dorfkreuzung bewegten sich unablässig Besucher, Rennautos, Helfer und Einsatzkräfte. Zu deren Sicherheit wurde das Bergrennen für ausverkauft erklärt. (Bild: Urs Bucher)

Hochbetrieb im Hemberger Dorfzentrum: Über die Dorfkreuzung bewegten sich unablässig Besucher, Rennautos, Helfer und Einsatzkräfte. Zu deren Sicherheit wurde das Bergrennen für ausverkauft erklärt. (Bild: Urs Bucher)

HEMBERG. Ja, man sei von den vielen Besuchern am Bergrennen überrascht gewesen, obschon man im Vorhinein von rund 10 000 gesprochen hatte. «Wir haben im optimistischen Fall mit so vielen gerechnet», sagt OK-Mitglied Andreas Meile. Letzten Endes waren zwischen 12 000 und 14 000 Zuschauerinnen und Zuschauer vergangenen Sonntag in Hemberg. Einerseits war dies ein Grund zur Freude für die Organisatoren. Andrerseits war es auch Grund dafür, dass die Veranstaltung nahe am Kollaps gestanden hatte und das Dorf für weitere Ankömmlinge gesperrt werden musste. «Ausverkauft!», hiess es kurz nach Mittag.

Massnahmen für die Sicherheit

Den Entscheid, den Zugang nach Hemberg zu schliessen sowie den Shuttlebus nach St. Peterzell aufzuheben, haben die Verantwortlichen auf die Weisung der Polizei hin getroffen. Die Parkplatzsituation in St. Peterzell war ungünstig. Wegen des Regens am Vortag entschied das OK, zugunsten des Bodenschutzes und auf Rücksicht auf die Bauern auf das Parkieren im Wiesland zu verzichten. So stellten die Besucher ihre Autos auf den Strassen und Vorplätzen ab. Darauf konnte nur mit der Einschränkung der Strasse Hemberg – St. Peterzell auf Fussgängerverkehr reagiert werden. «Zudem war in Hemberg ein Besucher-Rückstau ab dem Shuttlebus-Parkplatz zu erwarten», erklärt OK-Präsident Christian Schmid. Angesichts dessen, dass die Dorfkreuzung – Dreh- und Angelpunkt aller Bewegungen der Besucher, Helfer, Zulieferer, Rennwagen und Einsatzwagen – ohnehin bereits überlastet war, wäre im Falle eines Rückstaus auch die Sicherheit nicht mehr gewährleistet gewesen. «Die Sicherheit der Leute, die in Hemberg waren, hatte jederzeit Priorität. Dies ging leider auf Kosten jener, denen der Zugang ans Bergrennen verwehrt wurde», so Vizepräsident Patrick Rutz.

Dass Hemberg topographische Einschränkungen mit sich bringt, war den Organisatoren des Bergrennens bewusst. Nun sollte sich schon bei der erstmaligen Durchführung des Events zeigen, wo die Grenzen liegen. «Da wir nun diese Erfahrungen gemacht haben, können wir darauf reagieren und beim nächsten Mal anders vorgehen», fasst Sponsoring-Verantwortlicher Rolf Schällebaum zusammen.

Logistik verbesserungswürdig

Und genau dies geht das Organisationskomitee als nächstes an: «Wir machen jetzt erst einmal eine gründliche Analyse des ganzen Geschehens», erklärt Christian Schmid. «Dass man gewisse Dinge ändern muss, haben wir alle erkannt. Jetzt gilt es, Varianten zu diskutieren und Ideen zur Optimierung zu finden.» Das Erschliessungskonzept in sämtlichen Belangen, beispielsweise den Zuschauertransporten und -zugängen sowie im Bereich der Gastronomie stehe dabei ganz oben. Denn auch die Getränkenachlieferung vom Lager im Mehrzweckgebäude an die Stände in den Zuschauerbereichen – deren Anzahl in Zukunft erhöht werde müsste – sei suboptimal gewesen, weiss Gastro-Chef Martin Schmid: «Es ist nicht sinnvoll, dabei den neuralgischen Punkt, die Dorfkreuzung, passieren zu müssen.»

Immerhin: Ebendiesen neuralgischen Punkt überquerten an die 12 000 Personen – ohne Vorkommnisse. «Überhaupt darf man hervorheben, dass es zu keinen Zwischenfällen kam. Die Sanität hatte nichts zu tun und die Situation war jederzeit unter Kontrolle», betont Christian Schmid. Einzig die Unfälle auf der Rennstrecke trüben das Bild, doch hierfür sind die Rennfahrer selbst verantwortlich und nicht das OK oder der für den Rennbetrieb verantwortliche ACS Thurgau. «Wir sind zumindest sehr glücklich, dass bei den Unfällen keine Person verletzt worden ist», so der OK-Präsident.

Lob von vielen Seiten

Das gesamte Team scheint sein erstes Bergrennen Hemberg noch nicht vollständig verdaut zu haben. «Es waren anstrengende, emotionale Tage», sagt Christian Schmid. Das sollte sich auch am Sonntag zeigen, als einige OK-Mitglieder dann und wann eine Träne der Freude verdrückten: «Die physische und psychische Belastung in den vergangenen Wochen war so gross, da hat sich an einem Tag alles entladen», erläutert der OK-Präsident. «So etwas in dieser Grössenordnung haben wir alle noch nie erlebt.»

Noch sind Helfer und OK-Mitglieder daran, die letzten Aufräumarbeiten auf dem Gelände abzuschliessen. Feedbacks von allen Seiten stürzen auf die Organisatoren ein. Positive wie negative. «Wir haben viel Lob seitens der Behörden, der Zuschauer, der Einwohner oder des Verkehrsvereins erhalten», fasst Christian Schmid zusammen, «aus der Kritik werden wir lernen.» Insgesamt lasse sich sagen, dass das Bergrennen ein Erfolg für die Region gewesen ist, an dem letztlich rund 400 Helferinnen und Helfer im Einsatz waren. Der Kassenstand werde nach Abrechnung höchstwahrscheinlich eine schwarze Zahl aufweisen. Und 2013? «Darüber haben wir noch nicht entschieden. Erst einmal steht die Analyse bevor», sagt Christian Schmid.