Erdbeben in Presselandschaft

Damals

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Vor 100 Jahren

3. November: Nesslau. Am Sonntag zog der Sticker Jakob Scherrer aus, um im Wolzenwald Holz zu besichtigen und ist seither nicht mehr zurückgekehrt. Holzer fanden zufällig auf ihrem Wege zur Arbeit den Verunglückten im Schattenlochwald tot unter einer Tanne, wo er wahrscheinlich Schutz vor dem tobenden Schneesturm gesucht und von einem Schlage betroffen wurde. Scherrer ist Vater von acht unmündigen Kindern. Erst vor einigen Monaten ist er von Ennetbühl nach dem Bühl übersiedelt. Das Bedauern um den erst 43 Jahre alten rüstigen Mann ist allgemein, gross der Schmerz von Frau und Kinder um den treubesorgten Vater und Ernährer.

3. November: Wattwil. Durch grossen Alarm wurden in der Nacht 10 ? Uhr die Einwohner aus dem ersten Schlafe geweckt. Beim Neubau der Firma Schwegler war eine Baubaracke in Brand geraten, wodurch eine Bretterwand beschädigt wurde und ein Sachschaden von ca. 50 Fr. entstand. Das Feuer konnte gelöscht werden, bevor die Feuerwehr auf dem Platze erschien.

3. November: Regierungsratsverhandlungen. Dem grossen Rate wird mittelst Botschaft der Antrag auf Verwendung des Alkoholzehntels pro 1917 unterbreitet. Demnach erhalten u.a.: die Besserungsanstalt Oberuzwil 3000 Fr., die Besserungsanstalten Widen-Balgach, Burg-Rebstein, Grabs, Hochsteig-Wattwil, Thurhof-Oberbüren und Langhalden-Abtwil, sowie das Fürsorgeheim Waldburg-Tablat und das ländliche Heim für Jugendliche in Winkeln 3900 Fr.; die Waisenanstalt «Iddaheim» in Lütisburg 1000 Fr.; die beiden Anstalten Bildung schwachsinniger Kinder in Neu St. Johann und Marbach 5000 Fr.; ausserordentlicher Beitrag an diese beiden Anstalten je 500 Fr.

Vor 50 Jahren

3. November: Aus dem mittleren Toggenburg. Der 17. Oktober 1967 war ein schwarzer Tag für die Kreistelefondirektion St. Gallen. Bei privaten Grabarbeiten für eine Wasserleitung wurde das Fernkabel St. Gallen–Wattwil mit einer Grabenfräse durchschnitten. Leider war dies nur ein von total vier, kurz aufeinanderfolgenden Kabelschädigungen im Gebiet der KTD St. Gallen. Am gleichen Tag wurden noch die beiden Bezirkskabel Weinfelden–Bissegg und Wattwil–Unterwasser, unterbrochen und zwar ebenfalls infolge Tiefbauarbeiten. Von vier Kabelunterbrüchen am gleichen Tag sind diese drei Beschädigungen auf Fahrlässigkeit bei Tiefbauarbeiten zurückzuführen und hätten vermieden werden können, wenn sich die betreffenden Unternehmer gewissenhaft nach dem Verlauf der Telephonkabel beim Baudienst der Kreistelephondirektion erkundigt hätten.

3. November: In Hemberg sind eine Frauenriege und ein Männerturnverein ins Leben gerufen worden. Zur Präsidentin der Frauenriege wurde Frau Rösli Keller-Nef gewählt, während der Männerturnverein von Posthalter H. Schläpfer betreut wird. Die Turnstunden leitet bei den Frauen Frl. Elisabeth Bernegger und bei den Männern Gust. Hager. Nach 53 Jahren, die seit dem Eingehen des Turnvereins Hemberg verflossen sind, hat nun die körperliche Ertüchtigung in Hemberg wieder Einzug gefunden.

Vor 20 Jahren

5. November: Erdbeben in der Ostschweizer Presselandschaft – was passiert im Toggenburg? Die Appenzeller Zeitung und das Appenzeller Tagblatt (Splitausgabe des St. Galler Tagblatts) werden auf den 1. April zusammengelegt: Die Redaktion der Appenzeller Zeitung in Herisau wird einen Lokalteil für Ausserrhoden und Innerrhoden herstellen und den überregionalen Teil vom Tagblatt übernehmen. Die Ostschweiz wird vom Tagblatt per 1. Januar 1998 übernommen. In eigener Sache: Die geplante Zusammenarbeit des «St. Galler Tagblatts» und der «Appenzller Zeitung» hat auch für den «Toggenburger» Auswirkungen. Das Appenzeller Medienhaus – mit 40 Prozent am Aktienkapital der Buchdruckerei Wattwil AG beteiligt – hat in den letzten Jahren die Mantelseiten für uns hergestellt. Mit diesem Wegfall muss sich «Der Toggenburger» nach einem neuen Medienpartner umsehen. Verschiedene Gespräche mit Verlegern von diversen Zeitungen fanden bereits statt. Bisher aber ohne konkrete Ergebnisse.

Vor 10 Jahren

5. November: Brunnadern. Der Umnutzung von Häusern in der Landwirtschaftszone steht das Raumplanungsgesetz im Weg. Und eine «Mentalität der Verhinderung» im kantonalen Bauamt, kritisiert die FDP. Sie fordert eine Lockerung und will das Thema zum Wahlkampfschlager machen. Vor allem im Toggenburg ärgern sich Gemeinden und private Investoren seit Jahren, dass die Bewilligungspraxis für das Bauen ausserhalb der Bauzone im Kanton St. Gallen zu restriktiv sei. Leerstehende Bauernhäuser, die dem Strukturwandel in der Landwirtschaft zum Opfer gefallen sind, sollen darum einfacher zu zeitgemässen Wohnhäusern umgebaut werden können, fordert die FDP. Vreni Wild hat eine entsprechende Motion im Kantonsrat für eine Standesinitiative eingereicht. Eine Aussprache der Gemeindepräsidenten mit dem Baudepartement hat offenbar die Differenzen nicht bereinigen können. «Einmal Wohnraum – immer Wohnraum», das ist darum die zentrale Forderung von Vreni Wilds Motion. Die Forderung tönt moderat: Der ursprüngliche Charakter der Wohngebäude in der Landwirtschaftszone soll gewahrt bleiben, Raumgrösse, Fenster oder Aussenanlagen sollen aber den aktuellen Wohnbedürfnissen angepasst werden können. Der Departementschef habe die Gemeindepräsidenten auf die Bundesebene verwiesen, der Kanton halte sich nur an das nationale Raumplanungsgesetz.