Er trainiert, wenn andere schlafen

Der Ultra-Triathlet Dani Meier trainiert regelmässig im Toggenburg. Die Strecke von Winterthur via Wil nach Wildhaus bezeichnet er als ideal für ein Ausdauertraining und legt sie rennend zurück.

Martin Knoepfel
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Dani Meier trainiert oft im Toggenburg. Oberhalb Wattwil bevorzugt er die Strasse via Scheftenau. (Bild: Martin Knoepfel)

Dani Meier trainiert oft im Toggenburg. Oberhalb Wattwil bevorzugt er die Strasse via Scheftenau. (Bild: Martin Knoepfel)

WATTWIL. Dani Meier trägt im Training einen Rucksack, seit er einmal in Dietfurt rasten und aus dem mitgebrachten Bidon trinken wollte – allein, das Wasser war zu Eis gefroren, und in der Nacht hatte kein Lebensmittelladen oder Tankstellenshop offen.

Dani Meier hat sich dem Ultra-Triathlon (siehe Kasten) verschrieben und joggt regelmässig vom Wohnort Winterthur nach Wildhaus. Toggenburger – von Ultra-Nachtschwärmern mal abgesehen – bekommen das allerdings nicht mit, denn Dani Meier startet bevorzugt zwischen Mitternacht und 2 Uhr morgens.

Via Sirnach geht es nach Wil und dann das Toggenburg hinauf. Etwa zehn Stunden später trifft er bei der Mutter in Wildhaus ein, wo er verköstigt wird und regenerieren kann. «Das ist wie Ferien», schwärmt er.

Und die Toggenburger Seite der Churfirsten gefällt ihm entschieden besser als die Walensee-Seite. Das hat er am Sonntag beim Training am Walensee festgestellt. Zuerst hatte er auf den Speer joggen wollen, doch das wäre wegen des Schnees und wegen unpassender Schuhe unpraktisch gewesen. Der Umfang des Trainings variiere stark übers Jahr, sagt er, von drei Stunden die Woche bis fast zwei Tage am Stück.

«Ideal für Ausdauer»

«Die Strecke nach Wildhaus ist ideal für ein Ausdauertraining, da sie immer steiler wird», sagt Dani Meier. Vor einiger Zeit entdeckte er die Strasse, die von Wattwil via Scheftenau nach Ebnat-Kappel führt. «Diese Strasse ist idyllischer als die Hauptstrasse oder der Radweg und passt mit den Auf- und Abstiegen besser ins Toggenburg.» In der Nacht zu rennen sei sicherer. «Man sieht die Autos kommen, und ich bin gut ausgerüstet». Unliebsame Begegnungen mit Wildtieren oder Bauernhof-Hunden hat er bisher keine gehabt.

Dani Meier startete vor 20 Jahren mit dem Triathlon-Sport. Nach Hawaii wollte er allerdings nicht – «ich wäre für Hawaii zu langsam», räumt er ein – und suchte etwas anderes. Er hat nach der Ironman-Distanz mit einem dreifachen Triathlon begonnen. «Ich habe bis jetzt vier zweifache, fünf dreifache, einen fünffachen, zwei Deca-Triathlons und einen 21-Fachen gemacht.» Doch wo liegt der Reiz des Ultra-Triathlons? «Ich betreibe diesen Sport, solange ich glücklich dabei bin.» Und «brutal faszinierend» findet er es, wenn man die richtige Entscheidung fällen muss, obwohl Müdigkeit, Kälte oder Schmerzen das klare Denken behindern. «Dann muss man einfache Fragen stellen. Ist es gefährlich, weiterzumachen? Drohen bleibende Schäden? Helfen andere Massnahmen als mentale Stärke?» Mit solchen Fragen finde man den Weg aus der Krise am ehesten, ist Dani Meier überzeugt. Er betont, er habe einmal einen Wettkampf verletzt aufgeben müssen, und er gehe weniger zum Arzt als andere Menschen. «Jeder muss seinen Körper und seine mentalen Fähigkeiten gut kennen. Wir sind nicht daran interessiert, uns kaputt zu machen. Wir sind keine Verrückten», sagt er geradezu leidenschaftlich.

Vor dem Marathon Velo fahren

Neben Sport und Arbeit hat Dani Meier keine Hobbies, ausser dem Garten. Dort pflanzt er Gemüse und Kräuter wie das Johanniskraut, aus dem er Tee gewinnt, der bei Motivationsproblemen hilft. Apropos Motivation: Hat sich Dani Meier auch schon die Frage gestellt, weshalb er sich all das antut? «Im Wettkampf nicht, denn dann ist man fokussiert und hat Kollegen, die in der gleichen Lage sind. Im Training habe ich mich das auch schon gefragt, wenn es regnete und ich in der Nacht hinausmusste», räumt Dani Meier ein.

Pro Jahr bestreitet Dani Meier zwei oder drei Ultra-Triathlons. Dazu kommen Wettkämpfe, die er als Training ansieht. Etwa den Marathon von Zürich, wobei er in der Nacht vorher noch einige Stunden Velo fährt. «Ein Deca-Triathlon kostet mich ungefähr 10 000 Franken, ohne den Einnahmenausfall», sagt er. Persönliche Sponsoren hat er keine.

Rechnung mit Toggenburg offen

2016 findet ein Ultra-Triathlon in Buchs statt. Führt der Parcours ins Toggenburg? Dani Meier winkt ab. «Von der Landschaft her wäre das wunderbar. Aber nach zehn oder zwanzig Triathlons ist jeder Meter Steigung einer zu viel, und für den Wettkampf brauchen wir stabiles und warmes Wetter. Einige Starter kommen aus warmen Gegenden wie Mexiko», sagt Dani Meier.

Mit dem Toggenburg hat er noch eine Rechnung offen. Letztes Jahr wollte er an einem Tag zweimal über die Churfirsten joggen. Beim zehnten Abstieg vom Brisi überraschte ihn jedoch die Dunkelheit. Er trug den Akku für die Stirnlampe nicht bei sich und musste abbrechen. Ein weiterer Versuch ist geplant, «doch nur bei gutem Wetter».

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