Er sieht sich als Vertrauensperson

Stefan Müller sieht sich als Vertrauensperson für Landwirte. Jetzt will er seinen abtretenden Chef beerben und neuer Landeshauptmann von Appenzell Innerrhoden werden. Die Kritik, ein «Schreibtisch-Bauer» zu sein, weist er zurück.

Roger Fuchs
Drucken
Teilen
Landeshauptmann-Kandidat Stefan Müller erachtet es als zentral, dass die Bauern mit einem Bauern in der Standeskommission vertreten sind. (Bild: rf)

Landeshauptmann-Kandidat Stefan Müller erachtet es als zentral, dass die Bauern mit einem Bauern in der Standeskommission vertreten sind. (Bild: rf)

APPENZELL. Wenn Bauern Fragen haben, weiss Stefan Müller Rat. Seit 2007 arbeitet er beim Kanton Appenzell Innerrhoden als landwirtschaftlicher Berater. Nun jedoch habe ihn der Ehrgeiz gepackt, beruflich einen Schritt weiterzukommen, sagt der 43jährige vierfache Familienvater. Zudem unterstreicht er seine Liebe zu Land und Leuten. Und drittens biete ihm das Amt als Landeshauptmann von Appenzell Innerrhoden – notabene einem Halbamt – die Möglichkeit, wieder vermehrt auf seinem Hof in Weissbad tätig zu sein. Müllers heutige Anstellung beim Kanton umfasst 100 Prozent, den Landwirtschaftsbetrieb führt er zusammen mit seiner Familie.

Neu geschaffene Stelle

Stefan Müller ist ausgebildeter Meisterlandwirt und hat den Hof einst von seinen Eltern übernommen. Seine berufliche Laufbahn nahm verschiedene Kurven. Ursprünglich lernte er Zimmermann. 2003, während der Ausbildung zum Meisterlandwirt, trat er die Stelle bei einem im landwirtschaftlichen Zentrum Salez angegliederten bäuerlichen Treuhandbüro an. Parallel dazu unterrichtete er angehende Meisterlandwirte in den Bereichen Versicherung und Steuern. 2007 erfolgte schliesslich der Wechsel zur heutigen Tätigkeit beim Kanton – einer damals neu geschaffenen Stelle. Anliegen, mit denen die Bauern auf ihn als landwirtschaftlichen Berater zukommen, gibt es viele, angefangen bei der Tier- und Pflanzenproduktion über Finanzierungsfragen, das Pacht- und Bodenrecht bis hin zu Fragen des Gewässerschutzes. «Zudem sehe ich mich auch als Vertrauensperson, die bei sozialen Problemen beisteht», sagt Müller.

Die in Innerrhoden zu hörende Kritik, Stefan Müller sei primär ein «Schreibtisch-Bauer», weist er zurück. «Ich kenne die Praxis durchaus», sagt er und beweist dies derzeit an den Landsgemeinde-Vorversammlungen. Ruhig und sachlich beantwortet er die Fragen.

Zweifelsfrei mache er mehr Büroarbeit als andere, letztlich sei es aber so, dass die administrativen Belange für Landwirte zugenommen hätten. Stefan Müller findet, dass diesbezüglich ein Schritt zurück gut wäre. Vieles allerdings werde vom Bund gesteuert. Immerhin: Appenzell Innerrhoden hat eine schlanke Verwaltung, was der Kandidat unbedingt beibehalten will.

Gegen «Wohnen für alle»

Politisch engagiert sich Müller seit 15 Jahren im Bezirksrat von Schwende, seit fünf Jahren ist er stillstehender Hauptmann. Unter anderem leitete der Parteilose jene Arbeitsgruppe, welche im Inneren Land die neu geschaffene zentrale Baukommission auf die Beine gestellt hat. Nebst der funktionierenden Landwirtschaft und Wirtschaft ist ihm Innerrhoden als Wohnkanton ein grosses Anliegen. Die SP-Initiative «Wohnen für alle», die heuer ebenfalls vor die Landsgemeinde kommt, unterstützt er aber nicht. Zu radikal sei diese, sagt er. Vor allem hinterfragt er, ob für den Betrieb einer Genossenschaft, welche für günstigen Wohnraum sorgen soll, einzig und allein der Staat in die Pflicht genommen werden kann.

Sollte Stefan Müller gewählt werden, will er parteilos bleiben. Wichtiger als die Partei ist ihm die Nähe zu den Bauern und zum Innerrhoder Volk. «Und es ist zentral, dass diese Bauern in der Standeskommission Einsitz haben», unterstreicht er seine Motivation. 16 Prozent der Innerrhoder Bevölkerung sei dem landwirtschaftlichen Sektor zuzuordnen.

Aktuelle Nachrichten