Er kippte das Hallenbadgeschäft

Die ersten Wochen nach der Innerrhoder Landsgemeinde 2015 waren für die Familie von Maurizio Vicini bedeutend herausfordernder als für ihn selber.

Monika Egli
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Maurizio Vicini Schulpräsident von Appenzell und Landsgemeinderedner (Bild: apz)

Maurizio Vicini Schulpräsident von Appenzell und Landsgemeinderedner (Bild: apz)

Die ersten Wochen nach der Innerrhoder Landsgemeinde 2015 waren für die Familie von Maurizio Vicini bedeutend herausfordernder als für ihn selber. «Ich erhielt und erhalte sogar jetzt noch sehr viele positive Rückmeldungen von Einzelpersonen, im Laufe des Jahres sogar von Mitgliedern des Grossen Rats, die sich mir gegenüber selbstkritisch äusserten. Das hat mich bestärkt», schaut er auf eine bewegte Zeit zurück.

Aufsichtsbeschwerde

Maurizio Vicini war nicht der einzige Redner, der sich an der Landsgemeinde gegen den Kredit für ein neues Hallenbad äusserte. Dem Schulpräsidenten von Appenzell wurde im nachhinein aber zugeschrieben, dass er mit seiner rhetorisch einwandfreien Rede ohne Angriffe jener war, der das Geschäft zur Überraschung praktisch aller politischen Akteure zum Kippen gebracht hatte: Eine klare Mehrheit lehnte den Kredit ab. Im Nachgang musste Maurizio Vicini über die Medien viel Kritik einstecken. Zwar habe er deutlich betont, seine Meinung als Privatperson zu äussern. Er wurde trotzdem von vielen als Schulpräsident wahrgenommen, der – so einer der Vorwürfe – im Vorfeld genügend Zeit gehabt hätte, seine Bedenken zu äussern. Es wurde sogar eine Aufsichtsbeschwerde wegen «Verletzung der Treuepflicht» eingereicht; die Standeskommission wies diese jedoch ab.

Weiterhin gutes Verhältnis

Mit einigen Monaten Abstand kann er heute feststellen, dass sein Auftritt auf dem «Stuhl» seinen innerrhodischen Geschäftsbeziehungen nicht geschadet hat. «Und als Schulpräsident von Appenzell schätze ich es, dass das Verhältnis zu den Verantwortlichen des Erziehungsdepartements sowie zu den anderen Schulrätinnen und Schulräten weiterhin ein sehr gutes ist.»

«Unbehagen im Volk»

Auch im Wissen um all die unerfreulichen Vorfälle sagt Maurizio Vicini heute: « Ich würde das gleiche Votum wieder vor die Landsgemeinde bringen. Es ist ein urdemokratisches Recht, dass jeder das Wort ergreifen und zu seiner Meinung stehen darf.» Dass eine so deutliche Mehrheit seinem Antrag auf Rückweisung folgte, wertet er als «grosses Unbehagen, das im Volk schon vor meiner Rede vorhanden war». Es habe offensichtlich nicht nur ihm vor allem an Informationen gefehlt. Er verweist auf einen vorgängigen Informationsanlass im Schulhaus Gringel. «Dort stellte ich die gleichen Fragen wie an der Landsgemeinde, erhielt aber keine Antworten.»

Bestätigungswahl im März

Am 18. März 2016 findet die Schulgemeinde Appenzell statt. Ob sein Landsgemeinde-Auftritt bei der jährlichen Bestätigungswahl Auswirkungen hat, weiss Maurizio Vicini natürlich nicht. «Als Schulpräsident habe ich mir nichts vorzuwerfen», sagt er. Es ist ihm aber auch bewusst, dass es bei durchschnittlich 150 Anwesenden von insgesamt rund 5000 Gemeindemitgliedern möglich ist, für oder gegen eine Wahl zu mobilisieren. «Ich vertraue darauf, dass die Appenzellerinnen und Appenzeller zwischen Amt und Privatperson differenzieren können.»

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