In vierzig Jahren an jeder Gemeinderatssitzung

Walter Buff ist seit vier Jahrzehnten Gemeindeschreiber in Hundwil. Nun rückt seine Pensionierung näher.

Nadine Küng
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Dem Gemeindeschreiber Walter Buff ist Hundwil über die Jahre ans Herz gewachsen.

Dem Gemeindeschreiber Walter Buff ist Hundwil über die Jahre ans Herz gewachsen.

Bild: Nadine Küng

Vom Kopieren mit Matrizen bis zu fast vollständig digitalen Arbeitsprozessen hat Walter Buff alles miterlebt. Seit vierzig Jahren ist er Gemeindeschreiber in Hundwil. Sein Beruf hat sich in diesem Zeitraum in vielerlei Hinsicht verändert. Was geblieben ist, ist Buffs Freude an seiner Arbeit.

Aufgewachsen ist Walter Buff in Urnäsch, wo er die Lehre auf der Gemeinde absolvierte. Später arbeitete er beim Kreiskommando und auf dem Grundbuchamt in Herisau und liess sich dort zum Grundbuchverwalter ausbilden. Am 1. Januar 1980 trat er mit 24 Jahren die Stelle als Gemeindeschreiber in Hundwil an. Ein Bewerbungsgespräch zusammen mit seiner Frau vor allen neun Ratsmitgliedern war vorangegangen. Buff sagt:

«Es war ein Traumjob»

Trotzdem habe er bestimmt nicht damit gerechnet, dass er so lange bleiben würde. An seinem erstem Arbeitstag gab es weder eine grosse Gesamtübergabe – «der damalige Gemeindepräsident brachte mir am Morgen die Schlüssel vorbei» – noch jemanden, der ihn einarbeitete. Er musste sich alles für den Beruf Nötige selber aneignen.

Bestätigung durch Wiederwahlen

Die Stimmbürgerschaft habe ihn alle vier Jahre neu gewählt, mit Ausnahme des Jahres 2019, nachdem diese Wiederwahl abgeschafft wurde. Das bestätigte ihm jeweils, dass er seine Arbeit gut machte.

«Ob meine Berufswahl heute wieder gleich ausfallen würde, weiss ich nicht», sagt Buff. Der Beruf des Gemeindeschreibers hat sich während seiner Jahre im Amt sehr stark gewandelt. Doch er übt ihn immer noch gerne aus:

«Zu keinem Zeitpunkt habe ich meine Entscheidung bereut.»

Zu Beginn waren Buffs Arbeiten noch viel allgemeiner: «Ich war ein Generalist.» Lohnabrechnungen, Betreibungen, das Zivilstandsamt und noch mehr fielen zusätzlich zur Buchhaltung in seinen Aufgabenbereich. Das habe ihm gefallen. Heute sei alles zentralisiert, er sei eher Planer und Statistiker. Es gebe mittlerweile so viele Vorschriften, dass er gar nicht mehr alle kennen könne. «Meine Arbeit hat sich stark verändert. Vielfältig ist sie aber nach wie vor.»

Arbeit durch Digitalisierung erleichtert

Über andere Entwicklungen ist der Hundwiler froh, da sie die Arbeit massiv erleichtern. «Geschrieben wurde anfangs noch auf der Schreibmaschine, kopiert mit Hilfe eines Matrizendruckers», erinnert er sich. Da sei es heute schon wesentlich einfacher, Fehler zu korrigieren.

Geblieben sei die Dankbarkeit, die ihm zahlreiche Rats- und Kommissionsmitglieder sowie die Bevölkerung entgegengebracht hätten. Diese Dankbarkeit kommt nicht von ungefähr, Buff setzt sich stets für die Gemeinde ein. Er «opferte» während der vierzig Jahre jedes Abstimmungswochenende, um dabei zu sein und mitzuhelfen. Er nahm an allen Sitzungen teil, es musste nie ein Stellvertreter hingehen. Nur:

«Einmal war ich wirklich krank. Der Gemeindepräsident kam vorbei, die Sitzung wurde verschoben.»

Anfangs wohnte Buff im Gemeindehaus. Wer etwas brauchte, klopfte auch spätabends oder am Wochenende bei an, er sorgte sich um das Problem. «Sobald meine Frau und ich in ein eigenes Haus gezogen sind, hat sich das aber geändert», sagt er.

Im September wird Walter Buff pensioniert. Ob er sich direkt von den Arbeiten in der Gemeinde verabschiedet, ist noch ungewiss. «Wir stecken mitten in der Grundbuchbereinigung. Das Grundbuch stammt aus dem Jahr 1894 und ist noch in alter Schrift verfasst. Es muss neu formuliert und digital erfasst werden», so Buff. Je nach dem Stand der Entwicklungen könne es möglicherweise noch eine Übergangszeit bis Ende Jahr geben.

Vorfreude auf den Ruhestand

Obwohl er seine Arbeit nach wie vor gerne verrichtet, freut sich Walter Buff auf seinen wohlverdienten Ruhestand: «Ich habe genug geleistet. Es wird mir sicher nicht leicht fallen, zu gehen, doch ich mache Platz für Leute, die nach den heutigen Begebenheiten arbeiten.» Nach der Pensionierung möchte er mehr Zeit mit seiner Frau Heidy und den vier Grosskindern sowie in der Natur verbringen. Alles andere lässt er auf sich zukommen. «Im Moment mache ich mir diesbezüglich nicht zu viele Gedanken. Ich bin schliesslich noch nicht pensioniert.»