Er ist ein vielseitiger Pianist, Handorgler und Cellist: Die Feier für die Kompositionen von Karl Fuchs fällt nun aber wegen Corona aus

Die zweite Coronawelle bringt das gesellschaftliche und kulturelle Leben im Appenzellerland zum Erliegen. So kann die für Freitag geplante Feier zu Ehren von Karl Fuchs im Roothuus Gonten nicht stattfinden. Der Appenzeller ist eine bekannte Grösse in der Volksmusikszene.

Hans Hürlemann
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Im gemütlichen Musikzimmer an der Herisauer Oberdorfstrasse sind die Werke von Karl Fuchs entstanden.

Im gemütlichen Musikzimmer an der Herisauer Oberdorfstrasse sind die Werke von Karl Fuchs entstanden.

Bild: Hans Hürlemann

Am kommenden Freitag, 30. Oktober, hätte im Roothuus Gonten, dem Zentrum für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik, die feierliche Einweihung der neusten Musiknotensammlung von Karl Fuchs, Herisau, stattfinden sollen. Daraus wird nichts, denn die beschränkten Platzverhältnisse im ehrwürdigen Roothuus von 1764 lassen in der Zeit der Coronapandemie keine grösseren Veranstaltungen zu.

Deshalb wurde im Roothuus beschlossen, auch auf das Schülerkonzert der Musikschule Appenzell und die anschliessende Stobede vom 6. November zu verzichten, ebenso auf die Stobede vom 13. November mit Simon Lüthi aus Ebnat-Kappel. Die Hauptversammlung des Gönnervereins des Roothuus Gonten vom 20. November wurde abgesagt. Die statutarischen Geschäfte werden auf dem Korrespondenzweg erledigt.

Eine einzige Veranstaltung wird durchgeführt – sofern sich an den coronabedingten Voraussetzungen nichts Wesentliches ändert: Das Zither-Weihnachts-Tagesseminar vom 11. und 12. November mit Erika Koller kann durchgeführt werden, denn es sind nur wenige Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die schon im Voraus bekannt sind.

Ein vielseitiger Pianist, Handorgler und Cellist

Karl Fuchs ist eine bekannte Grösse in der Appenzeller Volksmusikszene, unter anderem auch deswegen, weil er vielseitig einsetzbar ist, als Pianist, mit Cello und Kontrabass, ganz besonders auch mit der Handorgel. Als Jugendlicher spielte er vorwiegend mit Josef Dobler, Hornsepp, mit Franz Manser, Baazli, später mit Hans Dörig, Ursele Hans, im Trio Valotti, mit den Kapellen Alpegruess Gonten und Waldstättergruess, mit der Original-Streichmusik Edelweiss Herisau und als Duo Erwin und Karl.

Als Komponist ist er weniger aufgefallen, einerseits wegen seiner Bescheidenheit und anderseits, weil er wie etliche andere Volksmusikanten keine Musiknoten beherrscht. Er hat seine musikalischen Ideen in seinem gemütlichen Musikzimmer an der Oberdorfstrasse in Herisau elektronisch aufgezeichnet und von versierten Notenschreibern unter seinen Kollegen aufschreiben lassen, vor allem von Willi Valotti, Jakob Alder (1915–2004) und Guido Minicus.

Die drei realisierten eine erste Sammlung von handschriftlich festgehaltenen Musikstücken unter dem Titel «Ein Leben voll Musik», erschienen 1988. Zum 70. Geburtstag publizierte Karl Fuchs 2010 seine zweite Sammlung von 75 Eigenkompositionen für Akkordeon und Klavier. Beide Ringhefte vertrieb er im Eigenverlag. Bereits für diese zweite Publikation hat Stefan Düsel die handgeschriebenen Musikstücke auf dem PC neu geschrieben und harmonisiert, wie sie jetzt vorliegen. Er ist ebenfalls zusammen mit Georg Kegel zuständig für die aktuelle Ausgabe.

Das neuste Werk ist also Karls opus 3

Die neuste Publikation des Zentrums für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik ist eine Sammlung von 49 Kompositionen, vor allem Walzer, Schottisch Polka und Märsche, aber auch Mazurka, Ländler, Zäuerli und Jodellieder. Als einziger Exot kommt ein Tango vor mit dem Titel «Il Commodore».

Man fragt sich natürlich, woher denn diese Passion für die Volksmusik kommt. Das hängt offensichtlich mit seiner Herkunft zusammen. Karl Fuchs ist am 7. August 1940 im «Weberelöchli» in Appenzell als jüngstes von sechs Kindern aufgewachsen. Das Hemetli war einfach ausgestattet, ohne Strom und ohne fliessendes Wasser, aber in der Stube stand ein altes Klavier. Von einem alten Grammofon und von seinen älteren Geschwistern übernahm Karl Lieder und Tanzmusik, die er fleissig nach dem Gehör einübte. Alle sechs Kinder spielten ein Instrument, Musikschulen gab es noch nicht, und Noten kannten sie keine – also wurde halt aus dem «Stegreif» gespielt und gesungen. Nachdem er bereits als Achtjähriger an der Appenzeller Viehschau im Restaurant Traube allein Klavier gespielt und dazu gesungen hatte, war der Anfang zu seiner musikalischen Karriere gemacht.

Das neue Werk von Karl Fuchs ist bereits im Roothuus erhältlich bei www.roothuus-gonten.ch oder info@roothuus-gonten.ch.