Dirigent bei elf Blasmusikvereinen: Nun hört Ernst Baumann auf

Ernst Baumann aus Herisau ist Vollblutmusiker. Mit der Musikgesellschaft Hundwil gibt er sein Abschiedskonzert.

Mea McGhee
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Ernst Baumann bereitet sich akribisch auf seine Aufgaben als Dirigent vor.

Ernst Baumann bereitet sich akribisch auf seine Aufgaben als Dirigent vor.

Bild: Mea McGhee

Leben ist Musik – und umgekehrt. «Ohne Musik geht bei mir nichts», sagt Ernst Baumann. Der 72-jährige Herisauer ist Musiker und Dirigent aus Leidenschaft – seit mehr als einem halben Jahrhundert. Der studierte Trompeter und Pianist hat jahrelang den Dirigentenstab geschwungen, gab bei elf Blasmusikvereinen den Takt an. Stets mit dem Ziel, das Beste aus den Musikanten herauszuholen. Seit 13 Jahren ist er bei der Musikgesellschaft Hundwil engagiert und bereitet aktuell sein letztes Konzert als Dirigent vor. «Ich hatte eine schöne Karriere», sagt Ernst Baumann. Voranbringen wollte er alle seine Vereine. «Das ist eine stete Gratwanderung zwischen fordern und überfordern.» Spezielle Erinnerungen verbindet er mit Erfolgen an Musikfesten, etwa dem Sieg in der 4. Spielklasse mit der MG Hundwil am letzten Appenzeller Kantonalmusikfest.

Die Liebe zur Blasmusik hat Ernst Baumann in den Genen. Schon sein Grossvater und Vater spielten Trompete. Im Wohnzimmer hat der gebürtige Zürcher Grossvaters Trompete aus dem Jahr 1850 einen Ehrenplatz gegeben. Einen anderen Berufswunsch als Musiker habe er nie gehabt. Nach dem Musikstudium erarbeitete er das Orchester- und das staatliche Dirigentendiplom. Während zehn Jahren trompetete Baumann im Sinfonieorchester St.Gallen und verlegte daher mit seiner Frau Silvia den Lebensmittelpunkt in die Ostschweiz. Später unterrichtete er an den Musikschulen in Wil und Gossau. Hunderten Schülern hat er das Trompetenspiel beigebracht.

Ernst Baumann hat sein Leben der Blechblasmusik verschrieben. Er präsidierte 14 Jahre lang die Musikkommission im Appenzeller Blasmusikverband, in gleicher Funktion wirkte er während 15 Jahren auch im nationalen Verband. Wer sich so engagiert, wird verdientes Ehrenmitglied. Zwölfmal war er Experte an Kantonalen Musikfesten, sechsmal an Eidgenössischen. «Wenn es die Zeit zuliess, komponierte ich auch gerne», sagt Baumann. Er ist Urheber von mehr als 30 Kompositionen; Märschen, Polkas, Zäuerli. Als Beispiel nennt er den «Hansjörg Walter-Marsch», den er nach dessen Wahl zum Nationalratspräsidenten im Auftrag des Musikvereins Wängi geschrieben hat. Mit Freude und etwas Stolz erzählt er von den Ovationen, die es von den Gästen für die Uraufführung gab.

Der Dirigent koordiniert bis zu 32 Stimmen

Die Partituren und den Dirigentenstab bewahrt Ernst Baumann in einem silbernen Aktenkoffer auf. Akribisch bereitet er sich auf seine Einsätze vor. Bis zu 32 Stimmen koordiniert und kontrolliert der Dirigent, wenn er vor dem Blasorchester steht. Ernst Baumann versteht die Musik als Gemeinschaftswerk. Die Stücke müssten in den Proben reifen. Stets wichtig war ihm auch das Gesellige. So schliesst er nicht aus, dass er künftig beim einen oder anderen Verein als Dirigent einspringen wird. Er sagt: «Langweilig wird mir bestimmt nicht.» Er wird die gewonnene Freizeit nutzen, um Klavier zu spielen, und dabei so manche Idee für weitere Kompositionen niederschreiben.

Musik fürs Herz ausgewählt

Schöne, hörfällige Stücke, die gut zu einem Abschiedskonzert passen, hat Ernst Baumann für seinen letzten Einsatz als Dirigent gewählt. «Musik fürs Herz», wie er sagt: weihnächtliche Stücke, «My Way», «Song of Freedom» oder «Tränen lügen nicht». Ernst Baumann atmet tief durch, und sagt: «Ich werde mit einem lächelnden und einem weinenden Auge aufhören.» Er sei gesund, wolle mit seiner Frau das Leben ohne Verpflichtungen geniessen, begründet er den Entscheid, musikalisch kürzerzutreten. Die Trompete hat Ernst Baumann 2012 mit seiner Pensionierung in Rente geschickt. Nach dem Abschiedskonzert in Hundwil wird auch der Dirigentenstab ruhen.

Am Abschiedskonzert für Ernst Baumann wirken die Musikgesellschaft Hundwil und der Männerchor Hundwil mit. Es findet am Sonntag, 8. Dezember, um 14 Uhr in der evangelischen Kirche Hundwil statt.