Er besuchte fast alle Absturzstellen

Heinz Zwingli sammelt Bestandteile von alliierten Kampfflugzeugen, die im Zweiten Weltkrieg über der Schweiz abstürzten oder eine Notlandung machten. Die meisten Maschinen gehörten zur Luftwaffe der USA.

Martin Knoepfel
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Bild: Martin Knoepfel

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«Ich habe von fast jedem in der Schweiz abgestürzten Bomber ein Stück», sagt der Ebersoler Heinz Zwingli. Begeisterung schwingt in seiner Stimme mit, und seine Augen leuchten. Heinz Zwingli sammelt unter anderem Teile im Zweiten Weltkrieg in der Schweiz gelandeter oder über der Schweiz abgestürzter ausländischer Flugzeuge. «Das Sammeln macht den Reiz aus», sagt er. «Kaufen interessiert mich nicht.» Höchstens wird ab und zu ein Tauschgeschäft mit einem anderen Sammler getätigt. Die Szene sei klein, etwa zehn Personen, sagt er.

Grabung auf dem Winzenberg

52 Abstürze von Kampfflugzeugen in der Schweiz sind dokumentiert. Heinz Zwingli nahm sich vor, alle Absturzorte aufzusuchen. Das hat er auch geschafft. In den USA war er hingegen nie. Zwei Drittel der in der Schweiz abgestürzten Maschinen gehörten zur US-Luftwaffe (USAF), den Rest machten britische und einige wenige deutsche Maschinen aus.

Einige Flugzeuge sind in Seen, etwa den Bodensee, gefallen und versunken. Nach den Wracks tauchen mag Heinz Zwingli nicht, aber für sein Hobby scheut er sonst fast keinen Aufwand. So grub er mit Hilfe eines Schreitbaggers ein auf dem Winzenberg abgestürztes Jagdflugzeug der USAF wieder aus. Das Gleiche hat er übrigens mit einer abgestürzten deutschen Messerschmitt-Maschine vor.

«Es ist ein schönes Hobby», sagt er. «Man ist in der freien Natur und sieht seltene Tiere wie Steinadler, Bartgeier, Gemsen, Murmeltiere oder Schneehasen, denn viele der Absturzstellen liegen hoch oben in den Alpen. Im Mittelland findet man heute nur noch kleine Stücke, da die Flugzeuge auf Kulturland abstürzten, das aufgeräumt wurde. Am ehesten findet man noch etwas, wenn das Land frisch gepflügt wurde. Heute bin ich wählerisch und nehme nur noch Stücke mit, die ich zuordnen kann», sagt Heinz Zwingli. Etwa Schilder der Herstellerfirmen. Oft begleitet ihn einer seiner beiden erwachsenen Söhne bei den Expeditionen.

Seine Besuche dokumentiert Heinz Zwingli in einem Bundesordner. Und der Ebersoler betont, dass er nur mit dem Einverständnis der Landbesitzer suche und grabe. Früher fand er noch grössere Stücke. Die erste Absturzstelle, die Heinz Zwingli besuchte, man schrieb das Jahr 1982, liegt im Val S-charl im Kanton Graubünden auf rund 2800 Metern über Meer. Seither war der Ebersoler sechs Mal dort.

Beim ersten Besuch wanderte er an einem Wochenende mit Ruck- und Schlafsack hinauf, liess sich von einem Einheimischen den Weg zur Fundstelle erklären, übernachtete auf einer Alp in einer Hütte, durch deren Dach der Regen tropfte – und fand an der Absturzstelle der Fliegenden Festung der Flugwaffe der USA noch Motorenverkleidungen und Fahrwerke, die rund 50 Kilo wogen. Die Fahrwerke hatten keine Pneus mehr.

Schon immer für Kampfflugzeuge interessiert

Heinz Zwingli interessierte sich schon als Jugendlicher für die Maschinen der Schweizer Flugwaffe. Massgeblich trug dazu ein flugbegeisterter Lehrer in der Oberstufe bei, der den Jugendlichen die bei der Flugwaffe vorhandenen Typen – Vampire, Venom, Hunter – erklärte. Damals war die Flugwaffe noch erheblich grösser als heute. Zudem war in den 60er-Jahren die Beschaffung der Mirage aktuell. Und als Dachdecker sah Heinz Zwingli häufig Militärflugzeuge, die auf dem Weg ins Übungsgebiet Wattwil überflogen. Das Interesse an den Weltkriegs-Flugzeugen wurde dagegen in einem Antiquariat geweckt. Der Inhaber zeigte Heinz Zwingli Patronen – 12,7 Millimeter für schwere Maschinengewehre –, die dieser vorher noch nie gesehen hatte. Schliesslich kaufte Heinz Zwingli eine Schnalle eines Sicherheitsgurts. Er besitzt sie heute noch.

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