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Enttäuscht in Trogen

Ein Generalunternehmer, ein Gemeinderat und drei Neuzuzüger-Familien – das ist das Personal dieser Geschichte. Sie handelt von «Schlamperei», von Geschäftetreiberei und ziemlich viel Geld.
Guido Berlinger-Bolt

TROGEN. Gegen den Entscheid können sie sich nicht wehren: Der Gemeinderat hat Anfang Februar ihren Rekurs abgelehnt. Unter Protest und mit der Faust im Sack bezahlen fünf Anwohnerinnen und Anwohner der Sonnenhalde in Trogen Kanalisationsgebühren von je 20 000 Franken – Gebühren, die sie freilich ihrem Generalunternehmer bereits einmal bezahlt hatten, wie sie sagen. Daran, so zwei der Hausbesitzer an der Sonnenhalde, sei aber nicht allein ein unfähiger Generalunternehmer schuld; daran sei auch eine «schlampige» Gemeindeverwaltung mitsamt Gemeinderat schuld. – Aber von vorne.

«Nicht in Ordnung»

Ab 2005 entstand unterhalb des Dorfeingangs von Trogen eine Einfamilienhausüberbauung – an bester Lage, ideal für Familien. Um solche, nach Trogen ziehende Familien ist die Gemeinde, die jährlich Einwohnerinnen und Einwohner verliert, noch so froh. Und für sie tut sie viel. Würde man meinen. Indessen: «Wir haben keine guten Erfahrungen mit der Gemeinde Trogen gemacht», sagt Bruno Steiger kurz. Und Tamara Outon sagt: «Die Gemeinde Trogen hat eine Art mit ihren Einwohnerinnen und Einwohnern umzugehen, die nicht in Ordnung ist.»

2006 konnte die Familie von Tamara Outon in eins der ersten fertiggestellten Häuser einziehen. Die Freude daran jedoch währte nicht lange. Die mit der Fertigstellung eines Hauses fällige öffentliche Kanalisationsgebühr habe die Gemeinde Trogen wie üblich direkt vom Generalunternehmer Ralf Risse Baumanagement AG in St. Gallen gefordert. Allerdings tat sie das laut Tamara Outon erst mehr als ein Jahr nach dem Einzug der Familie ins Haus. Die Gebühr habe die Ralf Risse Baumanagement AG nie vollständig bezahlt. Nun bittet die Gemeindeverwaltung Trogen die Outons zur Kasse.

Im Frühling 2007 entschloss sich auch die Familie von Bruno Steiger, fortan in Trogen leben zu wollen. Ort und Architektur des Projekts in der Sonnenhalde habe ihnen gefallen, sagt er heute. Aber auch er sollte enttäuscht werden. Ein Hinweis auf den schlechten Ruf des Generalunternehmers, der sich nach dem ersten Teil der Überbauung nun an den zweiten machte, hätten laut Bruno Steiger die Banken geliefert: Der sei bei drei Regionalbanken bekannt gewesen; die UBS Teufen, die Hausbank der Familie Steiger, sei deswegen zunächst nicht bereit gewesen, die Immobilie zu finanzieren. Schliesslich ging man das Wagnis dennoch ein. Zusammen mit dem Haus der Familie Steiger bewilligte die Gemeinde Trogen fortlaufend die ganze Überbauung – trotz offen bleibender Rechnungen für den Kanalisationsanschluss, wie Bruno Steiger sagt. Die Ralf Risse Baumanagement AG habe sie höchstens teilweise bezahlt. 2009 beliefen sich deren Schulden für den Kanalisationsanschluss für fünf Häuser der Überbauung bei der Gemeinde Trogen laut Outon und Steiger bereits auf 100 000 Franken. Trogen habe trotzdem noch einmal drei weitere Häuser der Überbauung bewilligt. Man ahnt bereits den Fortgang der Geschichte: Ende Mai 2009 wird über die Ralf Risse Baumanagement AG der Konkurs eröffnet; es sei nicht Risses erster Konkurs, sagen Steiger und Outon, den ersten habe er unter seinem wirklichen Namen Ralf Stöckle vollbracht und danach den Namen seiner damaligen Frau angenommen.

Spiessrutenlauf

Mit Risses Konkurs indessen beginnt für die Hausbesitzer an der Sonnenhalde der Spiessrutenlauf erst so richtig: «Die Gemeinde Trogen hat gegenüber dem Generalunternehmer offensichtlich eine nicht nachvollziehbare, inkonsequente Kosteneintreibung betrieben und die Hauseigentümer erst informiert, als es zu spät war», schreiben Tamara Outon und Bruno Steiger zusammen mit einem dritten Rekurrenten, Pero Babic, in einem Brief an die Redaktion der Appenzeller Zeitung. Stimmt nicht, entgegnet Gemeindepräsident Niklaus Sturzenegger (siehe Interview rechts). Die Gemeinde habe die Gebühren «gemäss üblicher Praxis eingefordert». Die grossen Verzögerungen, sagt Sturzenegger, hätten sich durch das Konkursverfahren über die Ralf Risse Baumanagement AG ergeben. Sturzenegger sagt auch: «Die Gemeinde hat diese Firma betrieben.»

Outon, Steiger und Babic beharren jedoch auf ihren Aussagen: «Die Gemeinde hat zu den betroffenen Rechnungen im 2008 nichts unternommen. Es wurden Zahlungsvereinbarungen mit Herrn Risse vereinbart, die er nicht einhielt, und von der Gemeinde wurde dies ohne Mahnungen und Betreibungen akzeptiert. Der Zahlungsbefehl von Haus 9 und 15, Betreibung 121567, ist datiert mit 15.Mai 2009, also kurz vor der Konkurseröffnung vom 28. Mai desselben Jahres – viel zu spät.»

Erfolglose Verhandlungen

Im Juli 2009 informiert die Gemeinde die fünf Hauseigentümer erstmals über die Höhe der offenen Kanalisationsrechnungen. Das Konkursverfahren über das Generalunternehmer zieht sich derweil in die Länge: Erst Anfang 2011 erhält die Gemeinde laut Bruno Steigers, Tamara Outons und Pero Babics Brief einen Verlustausweis über ungedeckte Forderungen an die Ralf Risse Baumanagement AG: mehr als 100 000 Franken. Nach geltendem Recht müssen dafür nun die Hausbesitzer aufkommen. Outon, Steiger und Babic verlangen von der Gemeinde Trogen aufgrund ihrer Versäumnisse, diese Summe zur Hälfte mitzutragen. Die Gemeinde stellt den fünf Parteien nach einer gemeinsamen Besprechung, an der neben Gemeindepräsident Niklaus Sturzenegger auch Baupräsident Jens Weber und als Protokollführer Bausekretär Marcel Tanner teilnehmen, eine Rechnung der Kanalisationsgebühren aus und offeriert darin 25 Prozent Rabatt. «Dies wohl im Wissen um die unprofessionelle und fahrlässige Handhabung», wie Outon, Steiger und Babic in ihrem Brief schreiben. Ihr Rekurs gegen diese Rechnung wird vom Gemeinderat nicht gutgeheissen. Man bezahlt die erste Hälfte der geforderten 20 000 Franken und fordert in einem Schreiben an Gemeindepräsident Niklaus Sturzenegger noch einmal den Verzicht der Gemeinde auf den Rest. Auf das Schreiben reagiert die Gemeinde erst ganze drei Wochen später. – Natürlich in negativem Sinn.

Die Krönung

Übrigens: Ralf Risse baut, nunmehr als Privatperson, an der Sonnenhalde ein weiteres Einfamilienhaus – die Gemeinde habe, wie Tamara Outon und Bruno Steiger sagen, nichts dagegen unternommen. Die beiden nennen das eine «unglaubliche und unprofessionelle Geschäftsführung der Gemeinde Trogen».

Die Gemeinde könne, entgegnet Niklaus Sturzenegger, gar nichts dagegen unternehmen. Dagegen spricht tatsächlich das Prinzip der Gleichbehandlung aller juristischen und natürlichen Personen. Allerdings hat die Gemeinde Trogen aus der Geschichte gelernt: Sie verlangt bei der Baueingabe eines Projekts seit kurzem eine Depotleistung für die Kanalisationsgebühren.

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