Entfesselte Leidenschaft

Im Rahmen des Konzertzyklus Pro Wattwil erklang in der Aula der Kanti ein einzigartiges Kammerkonzert. Der organisierende Konzertzyklus Pro Wattwil führte vorgängig seine Jahresversammlung durch, bei der bekannt wurde, dass die Präsidentin Marianne Bischoff zurücktritt.

Peter Küpfer
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WATTWIL. Der Jahresrückblick von Präsidentin Marianne Bischoff belegte einmal mehr die Vielfalt des Wirkens des Vereins Konzertzyklus Pro Wattwil. Die Bandbreite reichte auch im vergangenen Jahr weit. Sie reichte von Konzerten mit der Big Band Kanti Wattwil, mit dem Oboisten Isaac Duarte, der Weiterführung der Tradition «Musik im Klösterli» bis zum begeisternden Belcanto-Konzert vom vergangenen November. Höhepunkt des musikalischen Jahres war das Festkonzert zum 40jährigen Bestehen des Vereins mit der Aufführung von Mozarts «Requiem». Die Jahresrechnung präsentierte sich ausgeglichen, der leichte Verlust war schon im Budget ausgewiesen. Trotzdem bleibt der Mitgliederbeitrag unverändert.

Rücktritt der Präsidentin

Präsidentin Marianne Bischoff tritt wegen Wohnsitzwechsels zurück. Die bisherigen Vorstandsmitglieder sowie die Rechnungsrevisoren wurden in corpore und mit kräftigem Beifall wiedergewählt. Am Schluss der offiziellen Traktanden würdigte Vorstandsmitglied Hermann Ostendarp die Verdienste der scheidenden Präsidentin. Er hob ihre Umsicht und Tatkraft in der Führung des Vereins und der Organisation der vielen anspruchsvollen Konzerte hervor. Immer wieder habe Marianne Bischoff der Arbeit im Vorstand wertvolle Impulse gegeben.

Begeisterndes Konzert

Im Anschluss an die Versammlung erklang in der Aula der Kantonsschule ein einzigartiges Kammermusikkonzert unter dem Titel «Folk Tunes». Dabei handelte es sich nicht um trendige keltische Volksmusik, sondern (zumindest im ersten Teil des Konzerts) um die Umsetzung von Motiven der irischen Volksmusik in anspruchsvolle klassische Musik aus der Hand des Schweizer Komponisten Frank Martin mit dem Titel «Trio über irländische Volkslieder». Als zweites Werk erklang das Klavierquartett g-Moll Nr. 1 (op. 25) von Johannes Brahms. Der Komponist hatte es bereits 1855, noch in jungen Jahren geschrieben. Er sprengte damit den Rahmen der von Mozart vorgegebenen Gattung mit ihrem «orchestralen und symphonischen Zündstoff», wie das Programmheft anmerkte.

Die das Konzert bestreitenden Musikerinnen und Musiker, Elisabeth Harringer-Pignat (Violine), Karen Foster (Viola), Claudia Dischl (Klavier) sowie Alexander Neustroev (Violoncello) zogen die Zuhörer gleich mit den ersten Klängen in ihren Bann. Sie blicken auf ganz verschiedene musikalische Werdegänge zurück. Die Österreicherin Elisabeth Harringer-Pignat ist erste Geigerin im Tonhalle-Orchester Zürich. Die Kanadierin Karen Foster ist Solobratschistin im Zürcher Opernhausorchester. Dort wirkt als stellvertretender Solocellist auch Alexander Neustroev. Schliesslich Pianistin Claudia Dischl mit Wurzeln in der Region: Die ehemalige musikbegeisterte Schülerin der Kanti Wattwil tritt neben ihrem musikpädagogischen Wirken an der Kantonsschule Wattwil und am Lehrerseminar Rorschach regelmässig in verschiedenen Kammermusikformationen und als Solistin mit Orchester auf.

Anhaltender Applaus

Die vier Musikerpersönlichkeiten rissen das Publikum von Anfang an durch ihre Virtuosität, ihr leidenschaftliches Spiel und ihr sensibles Zusammenwirken mit. Dabei überzeugten sie auch in den zahlreichen lyrischen und liedhaften Passagen beider Werke. Frank Martins Trio über irländische Volkslieder (entstanden 1925) ist eine stellenweise fast rauschhafte Huldigung an die stetig wechselnden Rhythmen der keltischen Volksmusik. Im virtuosen Wechselspiel der drei Instrumentalisten sah man vor dem inneren Auge Röcke wirbeln, hörte Absätze stampfen, den Wind durch die Bäume rauschen und Gischt aufschäumen. Vor anderem Hintergrund, aber geprägt mit derselben musikalischen Leidenschaft war auch Brahms Klavierquartett. Es begeisterte das Publikum in allen vier Sätzen, in seiner Melancholie, seiner liedhaften Wehmut, auch in seiner entfesselten, fast exzessiven Leidenschaft. Der Konzertzyklus Pro Wattwil bescherte seinem Publikum mit diesem Konzert einmal mehr ein musikalisches Erlebnis.

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