Entfesselte Flöte im Konzert

Im Frühlingskonzert von vergangenem Samstag präsentierte das Toggenburger Orchester unter dem Titel «il cucù. Klassik und Comedy» mit Solist und Musikartist Gabor Vosteen einen ganz besonderen Gast.

Peter Küpfer
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Gabor Vosteen als Solist in Bastons Konzert für Blockflöte und Orchester. (Bilder: Peter Küpfer)

Gabor Vosteen als Solist in Bastons Konzert für Blockflöte und Orchester. (Bilder: Peter Küpfer)

WATTWIL. Der Blockflötenvirtuose Gabor Vosteen brillierte nicht nur als Solist, sondern auch als clownesker Musikartist. Mit Johann Christian Bachs Sinfonie Nr. 18, Nr. 4 war im Frühlingskonzert musikalischer Glanz vorprogrammiert. Er wurde vom Orchester auch eingehalten. Die schöne Akustik des Saals im Thurpark begünstigte das Vorhaben. Das Toggenburger Orchester zeigte sich in diesem Konzert einmal mehr in Hochform.

Heiteres Programm

Heiter war das Programm, heiter die Musik und Heiterkeit lag auch auf den Zügen jedes einzelnen der über 40 Musikerinnen und Musiker. Die sensible und quasi einander zuhörende Vortragsweise des in langen Jahren des gemeinsamen Spielens zusammengeschmiedeten Ensembles bewährte sich einmal mehr. Mit Mozarts Ballettmusik «Les petits riens» ging es ebenso glanzvoll weiter, man hätte so noch lange weiterhören wollen. Das ging aber nicht, weil sich inzwischen Solist und Musikartist Gabor Vosteen immer ungeduldiger gemeldet hatte. Er wurde durch den unerbittlich auf sein Programm pochenden Dirigenten vorerst noch daran gehindert, beim drittenmal fast physisch. Mit wenig Erfolg. Als Johann Straussens Krapfenwaldl-Polka mit dem Kuckucksschlag als Echo ertönte, machte dieses sich auch in charakteristischer Weise bemerkbar. Nur woher die Töne kamen, blieb unerfindlich. Irgendwie von oben.

Akrobatische Flöte(n)

Das Rätsel löste sich bald. Oben in der Decke öffnete sich eine Luke, ein Seil kam herunter und daran schwebte, eifrig spielend, unser Virtuose. Einmal am Boden, gab es kein Halten mehr. Gabor Vosteen malträtierte sich zunächst mit seiner sonst eher harmlos-biederen Blockflöte gleich selbst. Er stiess sich das Instrument durch den Schlund wie ein orientalischer Säbelschlucker, von oben nach unten, so dass die Spitze erst im Schritt wieder sichtbar wurde. Gleich schonungslos ging er auch mit anderen Körperpartien um, ohne dadurch Schaden zu nehmen. Denn sofort ging es auch musikalisch weiter. Der musikalische Artist konnte seiner Flöte nicht nur durch die Nasenlöcher Töne entlocken, er spielte auch drei Blockflöten auf einmal. Und dann vier. Und dann, glauben Sie's oder nicht: gleichzeitig auch fünf, in Mozarts kleiner Nachtmusik schwelgend. Seinen Soloauftritt benutzte der Blockflötenvirtuose auch dafür, Zuhörer aus dem Publikum auf die Bühne zu nötigen. Ganz gleich, ob sie je eine Blockflöte zwischen den Zähnen gehabt hatten: am Schluss bliesen sie als hübsches Quintett im Takt.

Den Schluss machte der Gast als Solist in John Bastons Konzert für Blockflöte und Orchester Nr. 2. Das liebliche Barockwerk erklang in seinem vollen Jubel und Glanz, von den warmen Tönen der Konzertflöte umschmeichelt.

Da passte alles zusammen

Es war Musik, die aus einer anderen Welt herzurühren schien. Der Schalk, der dem Musikclown vorher in den Augen sass, wurde jetzt Hingabe und Zelebration. Das Publikum war begeistert. Es erhob sich beim Schluss geschlossen und spendete üppig rhythmischen Applaus. Es stimmt, was Solist und Dirigent nach dem Konzert gegenüber dieser Zeitung sagten: Da passte alles zusammen.

Heiterkeit war auch im Orchester angesagt. (Bild: alttoggenburger)

Heiterkeit war auch im Orchester angesagt. (Bild: alttoggenburger)

Das Toggenburger Orchester präsentierte sich am Konzert in Hochform. (Bild: alttoggenburger)

Das Toggenburger Orchester präsentierte sich am Konzert in Hochform. (Bild: alttoggenburger)