ENNETBÜHL: Nur Laufen reicht ihr nicht

Die 50-jährige Monika Schumacher hat nach 2014 und 2015 in diesem Jahr zum dritten Mal den Frauenfelder Waffenlauf bestritten. Sie bezeichnet sich selber als Bewegungsmensch.

Beat Lanzendorfer
Merken
Drucken
Teilen
Zum dritten Mal am Start: Monika Schumacher benötigte für die 42 Kilometer von Frauenfeld nach Wil und zurück 4:46 Stunden.

Zum dritten Mal am Start: Monika Schumacher benötigte für die 42 Kilometer von Frauenfeld nach Wil und zurück 4:46 Stunden.

Unten im Tal ist es nach dem Schneefall mittlerweile wieder grün. Oben im Dorf Ennetbühl auf rund 900 Meter Höhe, das zur Gemeinde Nesslau gehört und an der Strecke zur Schwägalp liegt, hat der Winter hingegen Einzug gehalten. Zumindest auf der Terrasse von Monika Schumacher und Edi Hutter. Dort ist das Weiss beim Besuch noch omnipräsent. Die 50-Jährige, sie wohnt seit vier Jahren mit Lebenspartner Edi Hutter im 400-Seelen-Dorf, schätzt solche Verhältnisse und ist glücklich: «Ich liebe den Winter, zudem wohnen wir da, wo andere Ferien machen. Es ist ein Traum. Kaum aus dem Haus, ist die Natur allgegenwärtig.»

Das Leben im vermeintlichen Paradies hat allerdings auch Nachteile: Monika Schumacher arbeitet als Gesundheitsmasseurin mit eigener Praxis in Oberbüren und hat Teilzeitjobs in Abtwil und Neu St. Johann. «Den relativ langen Anfahrtsweg zur Arbeit nehme ich gerne in Kauf, das Leben hier wiegt die Nachteile bei Weitem auf».

Schnapsidee gab den Ausschlag

Angesprochen auf den Frauenfelder lacht sie: «Der erstmaligen Teilnahme ging eine Schnapsidee voraus, vielmehr war es eine Glas-Wein-Idee. Auf einem Maiensäss von Freunden im Bündnerland vor ein paar Jahren unterbreitete ich Edi den Vorschlag, einmal gemeinsam einen Waffenlauf zu bestreiten.» Dazu muss man wissen: Edi Hutter war in den 70er- und 80er-Jahren, als der Waffenlauf noch boomte und das Fernsehen regelmässig übertragen hat, ein erfolgreicher Waffenläufer. «Edi hat eingewilligt, auch darum, weil wir uns für den Frauenfelder entschieden haben und die 42 Kilometer nach Wil und zurück in seiner Waffenlauf-Statistik bisher keine Erwähnung finden.» Die geplante Premiere viel allerdings ins Wasser – vorerst. «Wir wollten im November 2013 gemeinsam an den Start, kurz zuvor zog ich mir eine Bänderzerrung zu und musste passen. Dafür hatte ich Zeit, Edi an der Strecke zu unterstützen, denn er bestritt den Lauf trotzdem.»

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Monika Schumacher holte Verpasstes ein Jahr später nach und benötigte für die 42 Kilometer vier Stunden und 46 Minuten. Das Waffenlauf-Fieber war nach diesem Erlebnis definitiv ausgebrochen. Beim 83. Frauenfelder Waffenlauf am 19. November war sie schon zum dritten Mal dabei und gehörte zu den 17 Frauen, welche sich den verdienten Applaus beim Zieleinlauf bei der Frauenfelder Altstadtkaserne abholten.

Die Szene ist wie eine Familie

Auf die Beweggründe angesprochen, weshalb sie sich solchen Strapazen unterzieht, beginnen ihre Augen zu leuchten: «Es ist wie eine Familie, man kennt sich. Zudem ist es schön, dass wieder Junge hinzugekommen sind. Sie beleben die Waffenlaufszene.» Monika Schumacher ist nicht immer nur mit Ballast und im «Tenü grün» unterwegs. Auf ihrem Datasport-Konto finden sich seit 2002 49 Einträge von Laufveranstaltungen. So hat sie mehrfach den Grand Prix von Bern, den Greifenseelauf, den Gossauer Weihnachtslauf und diverse Marathons in den Füssen. Mit dem Burgdorfer (16 Kilometer) ist auch ein weiterer Waffenlauf aufgeführt, bei dem sie mit Platz 3 sogar auf dem Podest stand.

Apropos Marathon: Als Mitglied der «Plauschjogger Oberbüren» gehört sie einer kleinen Gruppe an, die in den letzten Jahren an Marathons in europäischen Städten teilgenommen hat. «Wir waren unter anderem in München, Berlin, Wien, Salzburg, Köln, Freiburg oder Dresden.» Und weil Lebenspartner Edi Hutter in seiner Freizeit ehrenamtlicher Wander- und Schneeschuhleiter der St. Galler Wanderwege ist, begleitet Monika ihn häufig auf seinen Touren. «Wir sind auch gerne mit dem Velo unterwegs und machen jährlich eine grosse Velotour, die uns schon nach Barcelona, Wien, Venedig, Berlin und in die Toskana geführt hat. Die Reisen sind so geplant, dass wir innerhalb von einer Woche wieder zurück sind.» Mit dem beginnenden Winter stehen aber vorerst die schon bereitgestellten Schneeschuhe im Mittelpunkt. «Der Start ist natürlich direkt ab Haustüre», sagt Monika Schumacher beim Abschied mit einem Augenzwinkern.