ENNETBÜHL: Heilwasser sprudelt wieder

Eine Männergruppe hat sich auf freiwilliger Basis vorgenommen, der Schwefelquelle im Rietbad wieder Leben einzuhauchen. Jetzt fliesst wieder Heilwasser vom Fusse des Stockbergs.

Olivia Hug
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Nach der Arbeit haben sie sich eine Wurst verdient: Hans Brunner (links) und Heinz Oswald. (Bilder: Olivia Hug)

Nach der Arbeit haben sie sich eine Wurst verdient: Hans Brunner (links) und Heinz Oswald. (Bilder: Olivia Hug)

ENNETBÜHL. Einst war das Rietbad weitherum bekannt als Kurort mit Mineralheilbad, das gegen allerlei Krankheiten und Beschwerden nützlich war. In den vergangenen drei Jahrzehnten geriet die Schwefelquelle fast in Vergessenheit.

Von dem einst blühenden Ort blieben nur die Quellfassung, kaputte Leitungen und ein tröpfelnder Holzbrunnen im Wald erhalten. Wanderer im Gebiet Stockberg-Lutertannen konnten nur erahnen, wie einst Hunderte Menschen hier Gesundheit und Erholung fanden.

Generalüberholung nötig

Nun soll das Rietbad wieder Bekanntheit erlangen. Zwar nicht als Kurort mit Hotelanlage, dafür soll das mineralhaltige Heilwasser wieder einfach zugänglich sein.

Vor fünf Jahren hatte Hans Brunner, der unweit von der Quelle entfernt im Ortsteil Rietbad wohnt, die Idee, den Brunnen an der Hauptstrasse wieder zum Sprudeln zu bringen. Mit dem Eigentümer des Grundstücks handelte er einen Vertrag aus. Bis er das Vorhaben jedoch umsetzen sollte, verging einige Zeit. Im Frühling dieses Jahres fasste sich Hans Brunner ein Herz. «Jetzt packe ich es an», sagte er sich, «wenn es sein muss, allein und aus dem eigenen Sack.» Hans Brunner wollte eigentlich nur die Leitung von der Quellfassung ins Tal herunterziehen. Wie er so an der Arbeit war, bot ihm Heinz Oswald, pensionierter Bauer aus dem Züribiet, der seit der Hofübergabe an seinen Sohn im Rietbad lebt, Hilfe an.

Und sogleich setzte er diese in die Tat um: Zumeist barfuss und mit blosser Manneskraft. Es gab viel zu tun: Der Ort rund um die Quelle, die etwa sechs Meter im Boden gefasst wird, machte einen verwahrlosten Eindruck. Die Fassung musste saniert werden. Das schief am Bord stehende Bänkli lud nicht gerade zum Verweilen ein. Das Häuschen, das die Fassung deckt, war morsch, von Moos bewachsen, und die Seitenwände wurden von der Kraft der Wurzeln der angrenzenden Bäume nach innen gedrückt. Selbst der Wanderweg verlief unscheinbar entlang des Baches. Der Brunnen im Tal an der Hauptstrasse, verwuchert und stellenweise kaputt, hatte eine Generalüberholung nötig.

Hierfür stellte sich der pensionierte Maurer-Polier Ruedi Brunner zur Verfügung, der den Brunnen fachmännisch und mit den ursprünglichen Steinen von der Schwägalp restaurierte. Die Leitungen, die das Schwefelwasser von der Quellfassung in einen Schacht führten und von dort einerseits in Richtung Tal und andererseits zu einem kleinen Holzbrunnen bei der Quelle, waren kaputt und verstopft. «Ganz zu schweigen davon, dass wir sie erst haben suchen müssen», erzählt Hans Brunner.

Ein Platz zum Sein

Für das Verlegen der Leitungen holte Hans Brunner Erwin Stauffacher ins Boot, der nur unweit entfernt eine Bauunternehmung führt. Die Männer staunten nicht schlecht, als sie die alten Leitungen begutachteten.

So waren diese bereits vor Jahrzehnten wohlweislich aus Reinaluminium gefertigt worden, damit sie nicht vom Schwefel zerstört werden. Besonders am Verteilerstück nahe der Quelle, das dazu diente, den Holzbrunnen sowie die Leitung ins Tal zu bedienen, fanden die Männer Gefallen: «Das Kontergefälle ist raffiniert», schwärmt Heinz Oswald. Während Hans Brunner sich «nur als Initiant» bezeichnet, sei es vor allem der pensionierte Bauer gewesen, der Hand angelegt habe. Er hat das Dach des Häuschens wieder instand gesetzt und die alte Stütze, die völlig morsch war, ersetzt. Das Bänkli hat er versetzt und eine Grillstelle angelegt.

Das Holz von den Bäumen, die gefällt wurden und nun wieder den Blick auf den Säntis freigeben, hat er fein säuberlich zu einer Scheiterbeige gestapelt. Jetzt ist ein schönes Fleckchen zum Grillieren entstanden.

«Es ist so schön hier», schwärmt Hans Brunner, als er die Feuerstelle eröffnet, «das war es mir wert.» Noch ist das Projekt nicht abgeschlossen. Hans Brunner will noch Proben des Wassers machen lassen, um die Inhaltsstoffe zu analysieren. Bei der Quelle würde er gerne einen Trinkwasserbrunnen errichten, und ausserdem hätte die Malerei an der Innenwand des Häuschens, welche das System der Quellfassung beschreibt, einen neuen Anstrich nötig. Ein Grillrost sowie Tisch und Bank unter Dach würden das Erlebnis abrunden, meinen die Männer.

Brunnen für die Badekur

Da nun aus dem grossen Brunnen im Tal endlich Wasser sprudelt – er ist so gross, dass man auch darin baden kann – ist das wichtigste Anliegen umgesetzt. Die Heilkraft des Wassers als Bade- oder Trinkkur übrigens wurde nebst verschiedenen Ärzten schon von Vadian festgehalten: So soll es unter anderem den Magen und die Nieren stärken, das Blut reinigen, bei einer Geschwulst und offenen Wunden helfen und «Schwein- und Lungensüchtige» heilen.

In der «Krone» Ennetbühl steht ein Sparschwein. Damit das Projekt weiter unterstützt werden kann.

Das Plätzchen rund um die Quelle lädt wieder zum Verweilen ein. (Bild: Olivia Hug)

Das Plätzchen rund um die Quelle lädt wieder zum Verweilen ein. (Bild: Olivia Hug)

Der Holzbrunnen bei der Quelle. Das Wasser riecht unverkennbar nach Schwefel. (Bild: Olivia Hug)

Der Holzbrunnen bei der Quelle. Das Wasser riecht unverkennbar nach Schwefel. (Bild: Olivia Hug)

Ruedi Brunner restauriert den alten Brunnen an der Hauptstrasse. (Bild: Heinz Oswald)

Ruedi Brunner restauriert den alten Brunnen an der Hauptstrasse. (Bild: Heinz Oswald)

Leitungen werden gelegt. (Bild: Heinz Oswald)

Leitungen werden gelegt. (Bild: Heinz Oswald)

Die Stütze war schadhaft. (Bild: Heinz Oswald)

Die Stütze war schadhaft. (Bild: Heinz Oswald)

Die Zeichnung im Inneren des Hüttchens. Sie könnte saniert werden. (Bild: Olivia Hug)

Die Zeichnung im Inneren des Hüttchens. Sie könnte saniert werden. (Bild: Olivia Hug)