Engagement damit es weiter quakt

In diesen Wochen kriechen sie aus ihrem Winterunterschlupf – die immer seltener auftretenden heimischen Amphibien-Arten. Wegen der hiesigen Klimaverhältnisse sind schon länger immer weniger von ihnen vorhanden, einige sind sogar akut vom Verschwinden bedroht.

Stefan Feuerstein
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Die Grasfrösche sind als erste Amphibienart des Toggenburgs nach dem Winter auf Wanderschaft. Ihr Ziel: Die Laichgewässer. (Bild: René Güttinger)

Die Grasfrösche sind als erste Amphibienart des Toggenburgs nach dem Winter auf Wanderschaft. Ihr Ziel: Die Laichgewässer. (Bild: René Güttinger)

TOGGENBURG. Mit der Einkehr des Frühlings kehren auch die Frösche, Molche, Salamander und andere im Toggenburg lebende Amphibien-Arten in ihre Gewässer zurück. Sodann beginnt bei vielen von ihnen die Paarungszeit und munteres Quaken erklingt, um die Weibchen anzulocken – beim Tier des Jahres, der Geburtshelferkröte, erinnert dieser Laut aber mehr an ein anderes Tier: «Wenn ein paar Männchen gleichzeitig rufen, klingt dies von Weitem wie Kälberglocken – deswegen ist die Geburtshelferkröte hier auch als Glögglifrosch bekannt», erklärt Jonas Barandun, Mitarbeiter des Naturmuseums St. Gallen und Verantwortlicher für die regionale Koordination des Amphibienschutzes. Mit der Ernennung der Art zum Tier des Jahres wolle Pro Natura auf einen Problemkreis aufmerksam machen – das Verschwinden heimischer Amphibien-Arten aufgrund der Zerstörung ihrer Lebensräume.

Akute Gefährdung

Laut Jonas Barandun war der Glögglifrosch im Toggenburg in der Vergangenheit wohl weit verbreitet. Hier profitierte er von guten Lebensbedingungen durch Hangrutsche bei Fliessgewässern. Mit der Stabilisierung der Hänge wurde das Überleben der Geburtshelferkröte in der Region aber schwierig. Heute kommt sie im Toggenburg lediglich noch an vereinzelten Standorten vor. Ein ähnliches Schicksal trifft viele der anderen heimischen Amphibien. «Die Populationen der Geburtshelferkröte sind zwar regelrecht zusammengebrochen, aber auch die Kreuzkröte, der Laubfrosch und die Gelbbauchunke sind akut gefährdet. Teilweise leben bloss noch letzte Relikte im Toggenburg», sagt Jonas Barandun.

«Lediglich der Grasfrosch, die Erdkröte und der Bergmolch kommen häufiger vor und werden auch in absehbarer Zeit noch oft anzutreffen sein.» Die Gründe für die Rückgänge seien indes schwierig auszumachen. Die meisten Amphibien-Arten bevorzugen warme Temperaturen und kommen entsprechend in der Schweiz eher in tieferen Lagen vor. Hinzu kommt, dass die Ufer vieler Fliessgewässer verbaut, Feuchtgebiete trocken gelegt und Kiesgruben aufgegeben wurden. Nicht zuletzt werden dadurch für viele Amphibien die Wege zur ihren Laichstellen deutlich länger und entsprechend auch gefährlicher. Die sich verändernden Umstände und ihre Auswirkungen auf die Tierarten beobachtet auch der Nesslauer Biologe und Naturfotograf René Güttinger: «Das Problem des Rückgangs von Amphibien-Populationen hängt vor allem mit dem Verschwinden von Kleingewässern zusammen. Für viele Arten ist eine Dynamik, in der Flüsse entstehen und wieder verschwinden, von entscheidender Bedeutung.» Um die Arten längerfristig wieder anzusiedeln, wurden im Kanton Thurgau bereits entsprechende Massnahmen ergriffen. Mit diesen habe man gute Erfahrungen gemacht, wie Jonas Barandun weiss. In St. Gallen sei die Nutzung entlang der Flüsse zurzeit aber noch zu intensiv, es herrsche Handlungsbedarf. Aus diesem Grund sind gerade im Toggenburg Naturschutzvereine aktiv, die sich unter anderem mit der Erhaltung der Lebensräume von Amphibien beschäftigen. In den vergangenen Jahren erzielten der Verein Nathur Wattwil, Lichtensteig, Krinau sowie der Naturschutzverein Ebnat-Kappel und Nesslau-Krummenau dabei auch schon erste Erfolge. «In Ebnat-Kappel konnten wir durch Arbeiten in einem Steinbruch erreichen, dass der Glögglifrosch wieder vermehrt vorkommt – und auch an anderen Standorten trafen wir durch unsere Arbeiten wieder häufiger auf diese Art. Die Geburtshelferkröte braucht jedoch spezielle Lebensbedingung. Es ist von daher nötig, dass wir uns weiterhin damit beschäftigen, so dass Teiche nicht zuwachsen oder Pflanzen an Hängen zu buschig werden», berichtet Andreas Hnatek, Präsident des Naturschutzvereins. «Wichtig ist auch eine gute Zusammenarbeit mit den Besitzern von betroffenen Liegenschaften. Der Glögglifrosch kann zwar rufen, sich aber nicht wehren – nur gemeinsam können wir uns dafür einsetzen, dass er längerfristig nicht verstummt.»

Dem Glockenklang auf der Spur

Auch für weitere Interessierte bietet sich die Möglichkeit, direkt in der Natur mehr über die Geburtshelferkröte zu erfahren. So lädt der Verein Nathur Wattwil, Lichtensteig, Krinau am Freitag, 24. Mai, ab 19 Uhr zu einer Exkursion ein – der Vorstand des Vereins zeigt dabei verschiedene von ihm betreute Biotope mit aktiven Glögglifröschen. Auch der Naturschutzverein Ebnat-Kappel und Nesslau-Krummenau hat bereits eine Veranstaltung zum Thema geplant. Am Mittwoch, 12. Juni unternimmt Präsident Andreas Hnatek ab 19.30 Uhr mit Interessierten eine Abendwanderung auf den Spuren der Geburtshelferkröte.

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