Endspurt im «Bären» Gonten

Vor einem knappen Jahr ist der «Bären» in die Hände des Appenzeller Unternehmers Jan Schoch übergegangen. An Ostern wird der über 400 Jahre alte Gasthof nach einer Totalrenovation wiedereröffnet.

Karin Erni
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Gastgeber Raphaël Brunner zeigt die Gourmetstube, die bereits für Testessen genutzt wird. (Bilder: ker)

Gastgeber Raphaël Brunner zeigt die Gourmetstube, die bereits für Testessen genutzt wird. (Bilder: ker)

GONTEN. Noch wirbelt Staub durch die Räume und das Kreischen der Säge durchschneidet die Luft. In zwei Wochen sollen im «Bären» Gonten die ersten Gäste bewirtet werden. «Wir sind auf Kurs», versichert Gastgeber Raphaël Brunner. Er führt durch das Gebäude des Gasthauses, dessen Ursprünge im späten 15. Jahrhundert liegen.

Im Untergeschoss soll ein neues Tagesrestaurant mit Bar entstehen. Davon ist aber ausser dem Barkorpus und den WC-Anlagen noch nicht viel zu sehen. Hier wird gutbürgerliche Küche serviert. Es soll ein Treffpunkt für die einheimische Bevölkerung werden. Regelmässig stattfindende kulturelle Anlässe sollen auch ein jüngeres Publikum ansprechen.

Übung macht den Meister

Fertig ist dagegen das Gourmetrestaurant und die dazugehörige Küche im ersten Stock. Beides wird bereits rege genutzt. Die Küchenmannschaft ist seit Anfang Monat daran, die Grundprodukte wie Saucen und Jus herzustellen. «Bei uns werden keinerlei Convenience-Produkte verwendet, sagt Raphaël Brunner. «Alles ist hausgemacht.» Das Servicepersonal erhält intensive Schulungen. Es wurde fast ausschliesslich einheimisches Personal eingestellt. Kein Detail wird ausser Acht gelassen. So liess man extra sechs originale Appenzeller Trachten anfertigen, die an Feiertagen und Banketten vom Servicepersonal getragen werden. Bereits wurden erste Probeessen mit befreundeten Gästen durchgeführt. «Wenn wir eröffnen, muss alles perfekt klappen», sagt Brunner.

Behagliche Gemütlichkeit

Das Restaurant bietet 90 Plätze, die auf drei verschiedene Stuben verteilt sind. Diese tragen Übernamen von Innerrhoder Familien, die mit der Geschichte des «Bären» zu tun haben. So heisst der grösste Raum «Mällis Stube», die Nebenstube ist mit «Hopme Töni» angeschrieben und nach dem ehemaligen Landammann Raymond Broger benannt. Die Einrichtung ist schlicht, aber geschmackvoll. Das Beleuchtungskonzept stammt von der St. Galler Lichtgestaltungsfirma Zwicker. Hier und auf der grossen, nach Süden orientierten Terrasse lässt sich die Küche von Brunners Bruder Daniel geniessen. «Wir wollen schöne Gerichte zu zahlbaren Preisen anbieten», erklärt Raphaël Brunner die Küchenphilosophie. Neben einem täglich wechselnden siebengängigen Menu kann aus der alle drei Monate wechselnden Karte gewählt werden. Ein besonderer Fokus wird auf regionale Produkte wie einheimisches Fleisch gelegt, das in der eigenen Reiferei professionell am Knochen gelagert wird. Jeweils am Montagabend wird auf der Schmitte gegrillt.

Zeugen aus vergangenen Zeiten

Das denkmalgeschützte Haus wurde einer grundlegenden Renovation unterzogen und einige Bereiche der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die ehemalige Schmitte im Erdgeschoss mit der Esse aus dem Jahr 1804 ist neu eine edle Zigarrenlounge. Von hier geht es über einige Treppenstufen in den alten Gewölbekeller hinunter. Dieser wurde mit einem langen Korpus versehen und steht neu für Apéros und Weindegustationen zur Verfügung. Bei der Renovation des gesamten Hauses wurde nach Möglichkeit altes Holz verwendet. «Dieses ist sehr schwierig erhältlich und musste in der ganzen Schweiz zusammengesucht werden», erklärt Raphaël Brunner. Für den Boden des Tagesrestaurants konnte ein Boden aus einem oberen Stockwerk verwendet werden. 85 Prozent der Bauaufträge wurden an einheimische Handwerker vergeben. Nicht vergessen wurde das Personal. Es erhält grosszügige Umkleideräumlichkeiten mit Dusche.

Im ersten Stock ist ab dem 1. Mai auch die Postagentur von Gonten untergebracht. Damit wird an eine alte Tradition angeknüpft, da das Haus in seiner langen, bewegten Geschichte auch wiederholt Poststation war.

Zur Eröffnung hat man sich von Historiker Achilles Weishaupt ein Buch gestalten lassen. Dieses und einige Produkte aus der eigenen Küche können käuflich erworben werden.

Am Gründonnerstag, 2. April, wird der «Bären» eröffnet. Offizielle Einweihung wird mit einem Tag der offenen Tür am 11. April von 10 bis 17 Uhr gefeiert. Die Bevölkerung ist eingeladen, die Räumlichkeiten zu besichtigen und an den verschiedenen Aktivitäten teilzunehmen. In Zusammenarbeit mit dem benachbarten «Rothuus» werden musikalische Leckerbissen angeboten, und auch an die jüngsten Besucher wurde gedacht.

In der neuen Küche werden die Grundsaucen hergestellt.

In der neuen Küche werden die Grundsaucen hergestellt.