Endlich wieder Kampfwahlen in Walzenhausen

Nach Jahren fehlender Auswahl versprechen die diesjährigen Gesamterneuerungswahlen in Walzenhausen Spannung. Obwohl kein Rücktritt aus dem Gemeinderat zu verzeichnen ist, drängen zwei Neue ins Gremium.

Alessia Pagani
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Jahrelang mangelte es in der Gemeinde Walzenhausen an einer Kandidatenauswahl. Nun stehen Kampfwahlen an – sowohl im Hinblick auf den Gemeinde- als auch den Kantonsrat. (Bild: Michel Canonica)

Jahrelang mangelte es in der Gemeinde Walzenhausen an einer Kandidatenauswahl. Nun stehen Kampfwahlen an – sowohl im Hinblick auf den Gemeinde- als auch den Kantonsrat. (Bild: Michel Canonica)

Auswahl in Walzenhausen? Im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen konnte die Vorderländer Gemeinde in naher Vergangenheit kaum eine solche bieten. Oft hiess es für die Stimmberechtigten schlicht und einfach: sich mit den wenigen, meist bisherigen Kandidierenden «abzugeben». Dass die Suche nach gewillten Behördenmitgliedern nicht immer einfach war, zeigte sich auch im Jahr 2007. Damals bestand der Gemeinderat zeitweise nur noch aus dem Präsidenten und zwei weiteren Mitgliedern.

Dieses Jahr sieht die Situation anders aus, die Wahlen vom 17. März versprechen Spannung. Betrachtet man die Ausgangslage, könnte es gar zu Überraschungen kommen, stehen sowohl im Kantons- wie im Gemeinderat Kampfwahlen an. So kandidieren drei Personen um die zwei Kantonsratssitze. Dem Rücktritt von Jürg Wickart stehen zwei Neukandidierende gegenüber. So möchte Markus Pfister (parteilos) den Sprung ins Kantonsparlament ebenso schaffen wie Gemeindepräsident Michael Litscher (PU). Dass der Gemeindepräsident auch im Kantonsrat vertreten ist, hat in Walzenhausen Tradition. Dem nicht genug, wollen sechs Personen einen der vier Gemeinderatssitze ergattern. So drängen die beiden Neuen, Karin Steingruber und Roger Mathys, in den Gemeinderat, die vier Bisherigen möchten verbleiben. Das Gremium wurde von sieben auf fünf Mitglieder verkleinert, weshalb der Rücktritt von Elsbeth Diener nicht aufgefangen werden muss.

«Veränderungen sind manchmal gut»

Wenn nicht jetzt, wann dann – das ist das Credo von Gemeinderatskandidatin Karin Steingruber. Die 53-Jährige ist seit 20 Jahren in der Baubewilligungskommission der Gemeinde Walzenhausen tätig und spricht von spannenden Baugesuchen, die sie und ihre Kollegen in dieser Zeit bearbeitet hätten. «Nun will ich näher an den Kern der Gemeinde heranrücken und hinter die Geschäfte und die Abläufe blicken.» Immer wieder habe sie sich die Frage gestellt, warum sich nicht noch mehr für die Gemeinde einsetzen. «Nun weiss ich, dass es keinen Grund gibt, nicht für den Gemeinderat zu kandidieren.»

Hätte sie es diesmal nicht getan, wäre es in vier Jahren bei den nächsten Gesamterneuerungswahlen zu keiner weiteren Kandidatur gekommen, sagt Karin Steingruber. Nun habe sie die Chance, die sich sonst selten biete, und es sei die richtige Zeit für sie. So würden alle Umstände stimmen. Als Hausfrau und Teilzeitarbeitende könne sie ihre Zeit momentan gut einteilen. «Ich wäre immer einsetzbar und könnte bei Problemen schnell vor Ort sein. Dies ist mir wichtig.» Karin Steingruber ist sich bewusst, dass es für sie, die in der Vergangenheit niemals eine politische Stellung innehatte, nicht einfach wird, sich einzuarbeiten: «Es wird eine Herausforderung für mich.»

Der Grund, weshalb Karin Steingruber sich zur Wahl stellt und damit die Sitze der vier Bisherigen angreift, ist nicht etwa Unzufriedenheit mit den jetzigen Gemeinderäten. «Ich kann nicht sagen, dass sie ihre Arbeit nicht richtig machen. Allerdings tun Veränderungen manchmal gut.» Auch sei die Zusammensetzung des Gremiums wichtig. «Der Gemeinderat soll, im Hinblick beispielsweise auf die berufliche Tätigkeit oder das Geschlecht, durchmischt sein.» Karin Steingruber spricht damit auch den Fakt an, dass das weibliche Geschlecht im Gemeinderat nach dem Rücktritt von Elsbeth Diener nicht mehr vertreten ist.

«An Gesamterneuerungswahlen bietet sich immer und für jedermann die Möglichkeit für Veränderungen.» Sollte sie den Sprung in den Gemeinderat nicht schaffen, wäre es für Karin Steingruber «kein Weltuntergang». Vielmehr würde sie dann einfach wissen, wo sie stehe und würde diesen Wahlkampf als weitere Erfahrung abhaken. «Ich habe positive Rückmeldungen von Bürgerinnen und Bürgern erhalten, von denen ich es nie gedacht hätte», antwortet Steingruber auf die Frage nach ihren Chancen. «Nun soll das Volk entscheiden.» (pag)

«Spannende Projekte stehen an»

«Ich möchte gerne an der Front mitgestalten und nicht mehr im Hintergrund», sagt Roger Mathys. Der 57-Jährige ist seit 2014 Mitglied der Geschäftsprüfungskommission der Gemeinde Walzenhausen und spricht damit beispielsweise die Dorfentwicklung oder die Planung und Umsetzung des neuen Altersheimes an. Spannende Projekte, wie Roger Mathys findet. Und solche, die seine jetzige Kandidatur für den Gemeinderat mitbegründen. «Ich kenne die Hintergründe der Aufgaben, die eine Gemeinde zu meistern hat. Und ich kenne so manch ein Geschäft besser als die jetzigen Gemeinderäte.»

Er kandidiere, weil er die Gemeinde und deren künftige Projekte tatkräftig unterstützen wolle. Roger Mathys spricht vergangene negative Pressemeldungen an, will allerdings nicht vertieft darauf eingehen. Nur soviel: «Die Umstände sind in naher Vergangenheit ruhiger geworden, beispielsweise was die Kommunikation nach aussen betrifft.» Allgemein sei die Lage im Gemeinderat und in der Gemeinde ausgewogener. Roger Mathys bedauert, dass in den vergangenen Jahren dem Stimmvolk keine Kandidatenauswahl präsentiert werden konnte. «Unter anderem ich, kann mit meiner Kandidatur nun eine solche bieten.» Auch wenn eine Wahl nicht gelinge, so habe er es wenigstens versucht, sagt er. Ihm ist bewusst, dass Bisherige meist wieder gewählt werden. Trotzdem schätzt er seine Chancen als intakt ein. «Ich bin noch nicht abgeschrieben.» Dies habe er auch aus der Bevölkerung gespürt.

Sein Ziel als Quereinsteiger sei es nicht, die Wahl auf Anhieb zu gewinnen. «Aber es mindestens im zweiten Wahlgang zu schaffen.» Roger Mathys gehört der SVP an, sieht sich allerdings nicht als Hardliner: «Ich bin am linken Rand des Spektrums zu finden und stimme nicht bedingungslos parteitreu ab.» Vielmehr habe er eine eigene Meinung zu den verschiedenen Abstimmungsvorlagen. Unverblümt offen spricht der gelernte Koch über seine Schwächen: «Ich bin kinderlos und daher sicherlich nicht geeignet für das Ressort Schule.» Viel Vorwissen würde der diplomierte Hotelier indes in den Gebieten Gastronomie, Tourismus sowie wirtschaftlicher als auch strategischer Natur bringen. Zudem bringt er aus den Kommissionen viel Fachwissen in den Bereichen Wasser/Abwasser, Landwirtschaft und Forstwirtschaft mit. Zu seinen Hobbys gehören Tauchen und sein Hund. Zudem kocht Mathys für den Mahlzeitendienst. (pag)