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«En Blääche», der Maurer ist

Emil Streule ist ein «Blääche». Aufgewachsen als Bauernsohn in Brülisau, hat er aber mit dem Beruf einer seiner Vorfahren, nämlich Johann Baptist Streule, der Anfang 18. Jahrhundert Bleichemeister von Appenzell war, nichts gemein.
Rosalie Manser-Brülisauer
Ein aktueller Stammeszweig der «Blääche»: Emil Streule jun. mit Sohn Aurel, Emil Streule sen. und Thomas Streule mit seinen Töchtern Anina, Mirja und Anuba (von links). (Bild: rom)

Ein aktueller Stammeszweig der «Blääche»: Emil Streule jun. mit Sohn Aurel, Emil Streule sen. und Thomas Streule mit seinen Töchtern Anina, Mirja und Anuba (von links). (Bild: rom)

Steinegg. «Blääche» ist ein sehr alter Innerrhoder Spitzname. «Ich habe vor Jahren begonnen, von unserer Familie einen Stammbaum anzufertigen», erzählt Emil Streule. Der pensionierte Maurer, der in Steinegg ein eigenes Geschäft besass, ist ein Sammler. Viele Informationen für den «Blääche»-Stammbaum hat er im eigenen Fundus aufgespürt. So besitzt er jede Ausgabe des Appenzeller Volksfreundes ab dem Jahr 1950 – das dürften inzwischen über 12 000 Exemplare sein. «Zwischen 1900 und 1950 habe ich die Zeitungsausgaben leider nur vereinzelt», bedauert Emil Streule.

Fotograf, Postkartensammler

Doch nicht nur Zeitungen haben es ihm angetan: Schon seit Jahrzehnten ist Streule leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Seine Motive findet er in gewohnter Umgebung, meist in Appenzell. «Am liebsten fotografiere ich Situationen oder Gebäude, die einmalig sind oder vor dem Abbruch stehen», so der 72-Jährige. Nicht selten wird er für Diashows beispielsweise an Jahrgängerversammlungen engagiert. In der Zwischenzeit hat sich Emil Streule mit der Digitalfotografie angefreundet.

Doch nicht nur aktuelle Sujets finden sich in seinem Archiv; Streule ist auch im Besitz von unzähligen alten Postkarten. Die ältesten stammen vom Ende des 19. Jahrhunderts. Insgesamt besitzt «de Blääches Emil» rund 600 alte Postkarten. Eine davon zeigt den Ort, von wo aus sein Spitzname entstanden ist: die Bleiche von Appenzell (siehe Bild).

«Blääche» seit 18. Jahrhundert

Ein Urahne von Emil Streule, Johann Baptist Streule, war Anfang des 18. Jahrhunderts Bleichemeister von Appenzell. In den Appenzellischen Geschichtsblättern von Jakob Signer vom Juni 1949 – auch diese sammelte Emil Streule fleissig und besitzt alle Ausgaben – ist nachzulesen, dass mit besagtem Johann Baptist Streule, der 1733 starb, der Beiname «Bleichers», im Innerrhoder Dialekt «Blääche», aufkam.

Somit gehört dieser Spitzname wohl zu den ältesten im Kanton, die nach wie vor aktiv verwendet werden. Die älteste Tochter von Johann Baptist Streule, Maria Franziska Romana Streule (1717–1772) heiratete mit Carl Anton Manser den beruflichen Nachfolger ihres Vaters. Gemeinsam hatten sie 15 Kinder, darunter Josef Anton Maria Manser, (geb. 21. Mai 1754), der später Landammann, Spital- und ebenfalls Bleichemeister war.

Liegenschaften in Brülisau

Die Bleiche beinhaltete auch eine Wohnung für den Bleichmeister; die Familie Streule zog es aber danach anscheinend nach Brülisau, wo die Grosszahl der verbliebenen «Blääche» heute noch lebt. Diverse Liegenschaften im «Obedorf», wie Brülisau auch genannt wird, tragen immer noch den Beinamen «Bleichers». Angehängt wurde und wird zur Differenzierung zusätzlich der Name des jeweiligen Streules, dem die Liegenschaft gehört oder der sie einst besass.

Stundenlohn: 2.30 Franken

Emil Streule wuchs auf der Liegenschaft Oberbühl in Brülisau als mittleres von insgesamt zwölf Kindern auf. «Da es zu Hause zu wenig Arbeit für mich hatte, begann ich 1957 als Hilfsmaurer bei Appenzeller Baugeschäften zu arbeiten», erzählt er und kramt dabei zwei alte Lohnbriefe hervor. «Ich begann damals für einen Stundenlohn von 2.30 Franken zu arbeiten, das war viel Geld für mich. Fünf Jahre später verdiente ich bereits 3.

85 Franken in der Stunde.» Da Maurer in dieser Zeit dünn gesät waren, entschloss sich Emil Streule 1963, sich selbständig zu machen. Zu Beginn richtete er sich auf der elterlichen Liegenschaft ein. 1967 fand er nach längerer Suche in Steinegg geeigneten Bauplatz für sein Baugeschäft und das private Wohnhaus. 1969 begann sein Bruder Karl die Lehre bei ihm – damals als einziger Maurerlehrling im Kanton. Später gründete dieser ebenfalls ein Maurergeschäft in Brülisau.

Emil Streule gab das Geschäft mit seiner Pensionierung vor sieben Jahren auf. Sein Sohn Thomas hat bei ihm im Betrieb gearbeitet und ist weiterhin in der Baubranche tätig. «Rückblickend darf ich mich glücklich schätzen, dass ich zu einer Zeit selbständig war, in der die Baubranche kontinuierlich wuchs», hält der 72jährige Emil Streule fest.

Die Bleiche in Appenzell auf einer Postkarte aus dem Jahr 1928. Auf der Wiese wurden die Leinentücher ausgebreitet und gebleicht. (Bild: pd)

Die Bleiche in Appenzell auf einer Postkarte aus dem Jahr 1928. Auf der Wiese wurden die Leinentücher ausgebreitet und gebleicht. (Bild: pd)

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