Emotionaler Schlagabtausch um die Zukunft des Schulhauses Dicken

Ein eisiger Wind blies dem Schulrat der Schule Oberes Neckertal vergangene Woche in Dicken ins Gesicht. Er hatte sich den Fragen und Vorwürfen der Dickler Bevölkerung zu stellen, nachdem der Schulrat in einem Schreiben betroffenen Eltern mitteilte, dass eine Schliessung des Schulhauses Dicken nicht mehr auszuschliessen sei.

Urs M. Hemm
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DICKEN. «Als ich von diesem Schreiben erfuhr, war ich nicht nur wegen des Inhalts schockiert», konstatierte Thomas Mutti, Präsident des Verkehrsvereins Dicken. Auch die Tatsache, dass nur die betroffenen Eltern und nicht die ganze Bevölkerung an die darauf folgende Informationsveranstaltung eingeladen worden waren, hätte ihn getroffen. Schliesslich seien alle betroffen, denn am Fortbestehen der Schule hänge auch das ganze Vereinsleben des Dorfes. Aus diesem Grund habe er beim Schulrat interveniert und diese zweite Veranstaltung für die ganze Bevölkerung verlangt. 150 Dicklerinnen und Dickler folgten der Einladung.

Drei Varianten zur Diskussion

Da Gesuche für Sonderbewilligungen für unterdotierte Klassen bis zum 28. Februar beim Kanton St. Gallen einzureichen sind, will der Schulrat bis am 20. Februar eine endgültige Entscheidung über die schulische Situation getroffen haben. Der Schulrat der Schule Oberes Neckertal war vertreten durch dessen Präsidenten Werner Raschle (St. Peterzell), Vizepräsidentin Hedy Hauser (Schönengrund-Wald) sowie durch Tamara Meile (Schönengrund-Wald), Simone Eisert (St. Peterzell), Erika Schlegel (Hemberg) und Andreas Forrer (St. Peterzell). Nicht anwesend war Sybille Altherr aus Schönengrund-Wald.

Die Mitglieder des Schulrates waren bemüht klarzustellen, dass eine Schliessung der Schule Dicken keineswegs entschieden, sondern aus der Sicht des Schulrates eine von drei möglichen Varianten sei, um einerseits auf den seit Jahren anhaltenden Schülerrückgang zu reagieren und andererseits die überdurchschnittlich hohen Kosten zu senken (siehe Kästen).

Die Emotionen zum Kochen brachte vor allem die zweite Option, nämlich die Kinder vom Kindergarten bis zur zweiten Klasse künftig nur noch in St. Peterzell zu beschulen. Denn damit wäre die Schulanlage mit der Mehrzweckhalle in Dicken für den Schulbetrieb in der Schulgemeinde überflüssig und der Schulrat gesetzlich gezwungen, die Gebäude zu veräussern. Dieses Schreckensszenario erhitzte die Gemüter der Dickler Bevölkerung in zweierlei Hinsicht: Einerseits verliere Dicken mit der Schliessung der Schule weiter an Attraktivität für Zuzüger. Andererseits wäre die Stilllegung der Mehrzweckhalle das Todesurteil für die zahlreichen Vereine, welche die Halle als Probe- oder Trainingslokal sowie für Darbietungen und Konzerte nutzen. «Dieser Tatsache sind wir uns bewusst», erläuterte Werner Raschle. Aus diesem Grund sei für den Schulrat eine Lösung, welche die Benutzung der Mehrzweckhalle für die Vereine sicherstelle, sehr wichtig. «Gebt uns mehr Zeit, um diese Lösung zu suchen», forderte Thomas Mutti stellvertretend für die Mehrheit im Saal. «Wir haben damals zugestimmt, als es darum ging, die dritte bis sechste Klasse nach St. Peterzell zu schicken. Dicken hat der Fusion zugestimmt und hat Euch in den Schulrat gewählt. Wir haben Euch einen Finger gegeben, und Ihr wollt jetzt die ganze Hand», hielt Thomas Mutti fest. Jetzt sei es an der Zeit, dass der Schulrat auch einmal ein Zeichen für Dicken setze.

Ein bekanntes Problem

Werner Raschle zeigte zwar Verständnis für die Wut der Dickler Bevölkerung. «Dennoch: Die Problematik sinkender Schülerzahlen und zu hoher Kosten für den Betrieb aller Schulstandorte gibt es nicht erst seit gestern, sondern ist uns allen schon seit Jahren bekannt», sagte er. Doch in der ganzen Zeit sei niemand mit konkreten Lösungsvorschlägen an ihn oder an Kolleginnen und Kollegen aus den ehemaligen Schulräten oder dem neuen Schulrat herangetreten. Es sei an der Zeit, einen Entscheid zu fällen. Welche der drei Varianten – ausser es kämen noch weitere Vorschläge – es schliesslich sein wird, habe der Schulrat noch nicht entschieden. Denn um über Lösungen zu diskutieren, sei der Schulrat an diesem Abend nach Dicken gekommen. «Auch wir sind nicht dumm und haben nach anderen, nicht so einschneidenden Ansätzen gesucht. Wenn wir diese hätten, würden wir diese auch präsentieren», so Schulrat Andreas Forrer, der sich zudem dagegen verwahrte, dass der Schulrat in seiner Entscheidung von den St. Peterzeller Vertretern im Gremium gesteuert und beeinflusst werde. «Wir sind alle eigenständig denkende Menschen und in der Lage, uns unsere eigene Meinung zu bilden», ergänzte Schulrätin Tamara Meile. Auch für sie sei es eine schwierige Situation, «doch auch uns sitzen Leute im Nacken, die auf eine baldige Entscheidung drängen».

Entscheid fällt am 20. Februar

Als nach drei Stunden das Niveau der Debatte abzusacken drohte, beendeten Thomas Mutti und Werner Raschle die Versammlung. Trotz drängender Stimmen aus dem Forum wollte sich Werner Raschle nicht auf eine Vertagung des Entscheids festlegen, obwohl mehrere Dickler ihre Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe mündlich zusicherten, die im Laufe eines Jahres eine Lösung präsentieren werde. «Der Schulrat wird sich wie vorgesehen am 20. Februar treffen und einen Entscheid fällen», teilte Werner Raschle mit.

Der Abend schloss mit den Worten einer Votantin: «Der Schulrat hat jetzt Hilfsangebote aus der Bevölkerung bekommen, um eine Lösung zu finden. Wenn ihr nicht darauf eingeht, habt ihr künftig hier in Dicken mit einem harten Gegenwind zu rechnen.»