Eltern sind in der Verantwortung: Ausserrhoder Kitas schreiben keine Impfungen vor

Eine Zürcher Kita-Gruppe hat für Aufsehen gesorgt, weil sie keine ungeimpften Kinder mehr aufnimmt. Für die Institutionen im Kanton Appenzell Ausserrhoden ist ein Impfzwang keine Option.

Yann Lengacher
Drucken
Teilen
In den Kindertagesstätten im Appenzellerland spielen geimpfte und ungeimpfte Kinder miteinander. (Bild: PD)

In den Kindertagesstätten im Appenzellerland spielen geimpfte und ungeimpfte Kinder miteinander. (Bild: PD)

Vorschriften bestehen keine. Weder auf Bundes- noch auf Kantonsebene. Der Verband Kinderbetreuung Schweiz stützt sich auf die Empfehlung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zur Masernprävention. Richtlinien oder verbindliche Ansagen gibt es aber auch hier nicht. Vergangenes Wochenende hat die Organisation «Bubble Bees» Schlagzeilen gemacht. Sie führt fünf Kindertagesstätten (Kita) in Zürich und je eine in Baden, Frauenfeld und Schaffhausen führt. Laut neustem Reglement nimmt sie nur Kinder auf, die gegen Masern und Keuchhusten geimpft sind.

Nicht in Persönlichkeitsrechte eingreifen

Im Appenzellerland schreiben die Kitas keinen Impfzwang vor. So heisst es in der Kita Waldstatt, dass man auch ungeimpfte Kinder aufnehme. Nadja Steinemann Grünig, Vizepräsidentin des Vereins «Kinderkrippe Teufen - Chäferfäscht», spricht davon, dass ein Impfzwang in die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen eingreife. «Bei uns sind die Impfungen aber ohnehin kaum Thema. Zumindest bin ich seitens Eltern noch nie damit konfrontiert worden.» Sabrina Steingruber von der Kita Rosalie in Urnäsch wurde hingegen schon von Eltern kontaktiert, die gerne Zweitmeinungen zum Impfen eingeholt hätten. «Wir machen aber keine Vorschriften. Es ist die Entscheidung der Eltern, ob sie ihr Kind impfen lassen wollen oder nicht.»

Auch in den «Kita Chinderwelt»-Standorten in Niederteufen, Speicher und Gais spielt eine Impfung der Kinder keine gewichtige Rolle. Die Geschäftsleiterin Sandra Gschwend findet, dass das Thema Impfen, ja oder nein, ein schwieriges sei. Von den Eltern höre man Pro und Kontra. «Bei den Windpocken beispielsweise gehen die Meinungen auseinander. Gewisse Eltern sind froh, wenn ihre Kinder die Krankheit in jungen Jahren einmal haben», sagt Gschwend. Die Eltern werden immer informiert, wenn in einer Kindertagesstätte eine Krankheit grassiert. Das Personal hängt dann jeweils ein Informationsblatt auf. Eine vorgeschriebene Impfung für einen Krippenzugang fände die Geschäftsleiterin nicht richtig: «Wir können die Eltern nicht zwingen, ihre Kinder zu impfen. Dann würden wir sie vor die Wahl stellen, ob sie ihren Nachwuchs in einer Kindertagesstätte abgeben können oder nicht. Solange kein Impfzwang im Bildungsbereich besteht, werden wir bestimmt nicht vorgreifen und uns unnötig eingrenzen», sagt Gschwend weiter. Der letzte bekannte Masernfall im Kanton Appenzell Ausserrhoden stammt aus dem Jahr 2014.