Elsy Lutz-Graf, Grub

Die heimelige Erststock-Wirtschaft «Anker» in Grub war eine Institution mit regionaler Ausstrahlung. Mit Herzblut wurde der Betrieb volle 60 Jahre lang von Elsy Lutz-Graf geführt, die am 24. Oktober unter grosser Anteilnahme zur letzten Ruhe geleitet wurde.

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Elsy Lutz-Graf, 11.12.1923 bis 5.10.2011. (Bild: pe)

Elsy Lutz-Graf, 11.12.1923 bis 5.10.2011. (Bild: pe)

Die heimelige Erststock-Wirtschaft «Anker» in Grub war eine Institution mit regionaler Ausstrahlung. Mit Herzblut wurde der Betrieb volle 60 Jahre lang von Elsy Lutz-Graf geführt, die am 24. Oktober unter grosser Anteilnahme zur letzten Ruhe geleitet wurde.

Jederzeit ein offenes Ohr

1923 im ausserrhodischen Wald geboren und aufgewachsen, übernahm Elsy Lutz im Sommer 1951 gemeinsam mit ihrem aus Oberegg stammenden Gatten Paul den Mehrfachbetrieb «Anker» in Grub, zu dem nebst der Wirtschaft auch eine Bäckerei samt Laden gehörte.

Gefordert wurde Elsy schon bald auch als Familienfrau, wurden doch dem Paar die Kinder Violanda, Hans Jörg und Paul-Otto geschenkt. Mit scheinbarer Leichtigkeit bewältigte Elsy ein enormes Arbeitspensum. Trotzdem aber nahm sie sich schon damals immer wieder Zeit für ihre Kunden und Gäste, für deren Sorgen und Sörgeli sie jederzeit ein offenes Ohr hatte.

Gäste aus allen sozialen Schichten

Nach der Schliessung der Bäckerei und dem Hinschied ihres Gatten dachte Elsy keineswegs ans Aufgeben, und nun wurde der «Anker» im Dorfzentrum erst recht zum beliebten Treffpunkt. Die beiden vom mächtigen Backofen dominierten Stuben füllten sich immer wieder mit Gästen aus allen sozialen Schichten. Hier schien die Zeit stillzustehen, hier konnte locker drauflos palavert, ernsthaft diskutiert und die Welt verbessert werden. Elsy bediente ihre «Gaschtig» und hörte gleichzeitig aufmerksam zu. Und wenn sie sich mit träfen Bemerkungen einmischte, hielt auch die hitzigste Runde inne.

Alle spürten ihre reiche Lebenserfahrung und die Liebe zum Beruf, der längst zur Berufung geworden war. Regelmässig revanchierten sich die Gäste mit Handreichungen und Hilfestellungen aller Art, die die Wirtin mit zunehmendem Alter sehr zu schätzen wusste. Im «Anker» war man längst zur verschworenen Gemeinschaft geworden, deren Wert erst jetzt so richtig eingeschätzt werden kann.

Ein Familienmensch

Elsy Lutz war mit Leib und Seele Wirtin, liess sich aber nie vereinnahmen. Sie wusste um den Wert der nötigen Freiräume. Wichtig war ihr immer auch die Familie. Besondere Freude bereiteten dabei die Kontakte mit den drei Grosskindern Sarah, Tamara und Jessica, die ihre Grossmutter innig liebten. Gerne unternahm die engagierte Wirtin auch Ausflüge und Besuche bei Bekannten, die einen wertvollen Ausgleich zur Arbeit in der Wirtschaft bedeuteten. Müde geworden, übersiedelte sie Mitte Februar dieses Jahres ins Altersheim Eggersriet, wo sich ihr Lebenskreis am 5. Oktober unerwartet schnell schloss.

Im «Anker»» ist es still geworden, die Türe des Hauses ist endgültig geschlossen. Bleiben aber wird die Erinnerung an eine tapfere, liebenswerte und humorvolle Wirtsfrau, deren Tod eine grosse, wohl kaum zu schliessende Lücke in der Dorfgemeinschaft hinterlässt.

Peter Eggenberger