Elf Ausserrhoder Kunstschaffende ausgezeichnet

Die Ausserrhodische Kulturstiftung hat neun Werkbeiträge und zwei Atelierstipendien verliehen.

Claudio Weder
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Erhielten Werkbeiträge und Stipendien: Dario Forlin, Ruedi Tobler, Anna Diehl, Sonja Hugentobler, Pascale Osterwalder, Eva Roth, Bettina Castaño Sulzer, Claude Diallo, Beatrice Dörig, Thomas Stüssi und Caroline Ann Bauer.

Erhielten Werkbeiträge und Stipendien: Dario Forlin, Ruedi Tobler, Anna Diehl, Sonja Hugentobler, Pascale Osterwalder, Eva Roth, Bettina Castaño Sulzer, Claude Diallo, Beatrice Dörig, Thomas Stüssi und Caroline Ann Bauer.

Bild: Claudio Weder

Für Barbara Auer war es das letzte Mal, dass sie als Präsidentin der Ausserrhodischen Kulturstiftung die feierliche Vergabe der Werkbeiträge moderierte: Am Mittwochabend gab sie ihren Rücktritt bekannt, ihr Nachfolger wird alt Regierungsrat Matthias Weishaupt. Umso mehr brachte Auer in ihrer Ansprache ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass der Krombachsaal der Psychiatrischen Klinik Herisau aus allen Nähten platzte. «In den vergangenen neun Jahren habe ich das nie erlebt.»

Alljährlich vergibt die Ausserrhodische Kulturstiftung Beiträge an Kulturschaffende, die in Ausserrhoden wohnhaft sind oder einen besonderen Bezug zum Kanton nachweisen können. In diesem Jahr wurden Werkbeiträge in der Höhe von 90000 Franken überreicht. Der erste Beitrag ging an den in Teufen und Trogen aufgewachsenen Illustrator Dario Forlin. Der 27-Jährige sei kein Kämmerchen-Zeichner, betonte Laudator Johannes Stieger, sondern einer, der immer wieder das Kollektive suche. Nicht zuletzt etwa mit Lika Nüssli, mit welcher er kürzlich einen Comic zur Geschichte der Gleichstellung im Kanton abgeschlossen hat. Laut Stieger schaffen Forlins Zeichnungen eine Verschiebung der heutigen Realität – und sind zudem «nicht nur ironisch oder zynisch, sondern einfach liebevoll und auf die allerbeste Art popkulturell-knorrig».

Lobende Worte gab es in der Sparte Angewandte Kunst und Design auch für die 40-jährige Pascale Osterwalder. Die in Speicher aufgewachsene Illustratorin ist eine Geschichtenerzählerin, sagte Laudatorin Anne Zesiger. Ihre Geschichten, die von alltäglichen Situationen handeln, denen wir meist kaum Beachtung schenken, sollen unterhalten, amüsieren, vermitteln und berühren. Und das sei ihr auf anmutige Art und Weise gelungen, so Zesiger. Osterwalder lebt in Wien, arbeitet als selbstständige Illustratorin, Animationskünstlerin und visuelle Gestalterin. Sie erhielt nach 2009 einen weiteren Werkbeitrag, damit sie ihre Langzeitprojekte – wie etwa ein Kinderbuch – realisieren könne, so Zesiger.

«Ein kühnes Experiment»

Ebenso wenig ein Unbekannter ist der Teufner Thomas Stüssi, der in der Sparte Kunst und Architektur einen Werkbeitrag erhielt – ebenfalls bereits sein zweiter. Stüssi steht seither ständig unter kritischer Beobachtung, sagte Laudator Georg Rutishauser mit einem Augenzwinkern. Und weiter: «Für einen zweiten Werkbeitrag reicht eine konstante Qualität allein nicht aus.» Vielmehr werde eine Weiterentwicklung, Klärung oder Verdichtung erwartet.

Stüssis aktuelles Projekt «Diamonds by Diamonds» erfülle diese Vorgaben. Der 41-jährige Stüssi will aus einem Diamanten einen Bleistift fabrizieren und mit diesem Ikonen herstellen – also Abbilder, die nicht nur Bilder sind, sondern auch das Abgebildete in sich tragen. Danach will er eine Versteigerung organisieren, um zu sehen, wie viel die Ikonen wert sind. Laut Rutishauser ist es «ein kühnes Experiment, das bereits einen überzeugenden Anfang genommen hat».

In der gleichen Sparte wurde auch die 33-jährige, in Teufen geborene Anna Diehl ausgezeichnet. Die Künstlerin schafft Malerei, Objekte und Installationen – und hat in erstaunlich kurzer Zeit eine eigenständige Bildsprache entwickelt, so Laudator Markus Müller. Anna Diehls Kunst habe stets den Anspruch, «einen Bezug zwischen sprachlicher Begrifflichkeit und physischer Sinnlichkeit herzustellen». Als Beispiel dafür nannte Müller nicht nur ihre Malerei, sondern auch ihre Blister, also modellierte Tabletten-Verpackungen, in welchen sie das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft exemplarisch thematisiere.

Auch die in Herisau aufgewachsene Beatrice Dörig hat die Jury überzeugt. Die 51-Jährige «switcht zwischen den Medien, nutzt die spezifischen Möglichkeiten des einen und übersetzt sie in ein anderes», sagte Laudatorin Vera Marke. Dies führe sie von der Fotografie, über Klang zur Malerei, und vom Video zur Zeichnung und wieder zurück. Die Arbeiten seien in den letzten Jahren grösser, mutiger und raumgreifender geworden, so Marke.

Die grosse Welt ins Appenzellerland gebracht

Weiter ging es in der Kategorie Musik. Der erste ausgezeichnete Künstler, Claude Diallo, hat internationales Renommee erlangt. Nach Jahren in den USA und zahlreichen Gastspielen in Asien ist er heute in Trogen wohnhaft. Seit 2018 unterrichtet der 38-Jährige an der Kantonsschule das Fach Klavier. Er sei ein «umtriebiger Jazzpianist, der die grosse Welt zurück ins Appenzellerland bringt», hob Stefan Baumann in seiner Laudatio hervor.

Von Diallos Können konnten sich die knapp 200 Anwesenden am Mittwoch gleich selbst überzeugen. Beim letzten musikalischen Beitrag wurde der Virtuose von Ruedi Tobler begleitet, dem zweiten Werkbeitragsempfänger in der Sparte Musik. Im Gegensatz zu Diallo steht der E-Bassist und Klangtüftler aus Niederteufen weniger im Fokus der Öffentlichkeit. Den Werkbeitrag erhielt er für die Weiterentwicklung seines elektronischen Soloprojekts «playmob.il». Der Name sei Programm, so Laudator Stefan Baumann. «Da wird fleissig gespielt – mit einem ausgetüftelten Set-up aus modifizierten historischen Game-Controllern, welche die Klangmanipulation steuern –, an den Knöpfen gedreht und mit dem Joystick virtuos durch Klanglandschaften geflogen.» Toblers Musik sei Kunst, welche die tradierte Rezeption von Musik und Popkultur neu interpretiere.

In der Sparte Literatur und Tanz ging der erste Werkbeitrag an die 45-jährige Eva Roth, die in Schwellbrunn aufgewachsen ist und heute in Zürich lebt. Laudator Rainer Stöckli betonte, er wolle zum einen «das loben, was schon vorliegt». Damit bezog er sich auf den Erstlingsroman «Blanko» (2015), dessen Poetisierung anhand geologischer Termini ihm unnachahmlich vorkomme und wohl nicht nur ihm selber den Atem verschlagen habe. Gleichzeitig will Stöckli aber auch «auf Vorrat dem trauen, was noch bevorsteht» – und hofft dabei insgeheim, dass Eva Roth in einigen Jahren einen «Zwilling» zum «Blanko» vorlegen möge.

Ein zweiter Werkbeitrag in dieser Sparte ging an die 54-jährige, in Teufen aufgewachsene Bettina Castaño-Sulzer. Ihre internationale Karriere verzeichnet bisher rund 50 eigene Bühnenprogramme, in denen sie die Flamenco-Tradition mit Musik aus anderen Kulturen in Dialog bringt. Peter Surber sagte in seiner Laudatio: «Bettina Castaños Weg zeigt, dass Kunst – und gerade der Tanz – eine hochästhetische Seite hat.» Aber nicht nur. Der Werkbeitrag honoriere auch ihren Mut, Kunst politisch zu denken.

Von Trogen in die Grossstadt

Parallel zu den Werkbeiträgen vergab die Kulturstiftung auch Artist-in-Residence-Stipendien. Sie fördert damit eine projektbezogene Auszeit an einem selbst gewählten Ort. Für die in Zürich lebende «Exil-Gaiserin» Caroline Ann Bauer geht die Reise nach Beirut. Ausgehend von der Malerin, Philosophin und Textilkünstlerin Etel Adnan will die 33-Jährige die gesellschaftlichen Verflechtungen und Potenziale der Stadt Beirut erforschen. Ziele sind ein Essayfilm und ein Künstlerbuch.

Auch für die 58-jährige Sonja Hugentobler geht es in die Grossstadt: Am 1. Januar reist die Trognerin nach Hamburg. Der Hamburger Hafen sei für sie das Szenario für eine Welt, die sie en miniature aus ihrer eigenen Biografie kenne. Sie will dem Schiffsverkehr und den Spuren des Schiffsthemas in der eigenen Familiengeschichte nachgehen und in ihre bildnerische Sprache umsetzen.