Eiszapfen – schön, aber gefährlich

Kälte und Wärme sind Voraussetzung, dass sich aus unzähligen Wassertropfen Eiszapfen bilden. Hängen diese über einem Weg oder einer Strasse, kann der Hauseigentümer bei einem möglichen Schaden haftbar gemacht werden.

Adi Lippuner
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TOGGENBURG. Eiszapfen sind zauberhafte Gebilde. Besonders wenn die Sonne darauf scheint, sind sie wahre Naturschönheiten. Doch was der Winterlandschaft einen besonderen Charakter gibt, ist nicht immer ganz ungefährlich. Thomas Döbeli, Präsident des Hauseigentümerverbands Neu- und Obertoggenburg erklärt auf Anfrage: «Der Hauseigentümer haftet für Schäden an Menschen und Sachen, die infolge mangelnden Unterhalts an der Liegenschaft entstehen. Diese Kausalhaftung ist zum Beispiel bei Eiszapfen oder auch wenn jemand auf dem Grundstück auf einer Eisplatte ausrutscht der Fall. In diesem Zusammenhang empfehlen wir den Hauseigentümern eine Gebäudehaftpflicht-Versicherung abzuschliessen».

Spitzer, hängender Eisdorn

Damit wäre die rechtliche Seite geklärt. Bleibt die Frage, wie Eiszapfen entstehen. Dazu gibt es im weltweiten Netz unzählige, oft schwierig zu verstehende Erklärungen. Einfach erklärt ist ein Eiszapfen ein spitzer, hängender Eisdorn. An der Kante eines geneigten Hausdachs entsteht das Gebilde aus gefrorenem Wasser wie folgt: Auf dem zugeschneiten Dach bildet sich, wegen der Abwärme vom Dach oder der Sonneneinstrahlung Schmelzwasser. Das Wasser rinnt Richtung Dachkante, wobei die Fliessgeschwindigkeit durch die Schwerkraft und die wasserspezifische Oberflächenspannung bestimmt wird. Je nach Oberflächenspannung bleibt das Wasser flach an der Unterlage haften. Wichtig auch, das Wasser fliesst nicht eben, sondern in feinen Rippen der geneigten Dachfläche entlang. So werden aus diesen Rippen an der Dachkante Wurzeln für junge Eiszapfen. Damit nun das junge Gebilde wachsen kann, ist es wichtig, dass es immer wieder zu Schmelz- und Gefriervorgängen kommt.

Wärme und Kälte

Oder anders ausgedrückt, damit ein Eiszapfen entsteht, braucht es Kälte und Wärme. Das Wasser muss sozusagen schichtweise gefrieren. Junge Eiszapfen sind meist kegelförmig, wenn sie grösser werden, bilden sich Zapfen, welche sowohl nach unten als auch in die Breite wachsen.

Liegt genügend Schnee auf einem Dach und es gibt Wärme, entweder von der Wintersonne oder wegen einer ungenügend isolierten Unterlage, können innerhalb kurzer Zeit wahre Kolosse von Eiszapfen, die auch ein beachtliches Gewicht aufweisen, entstehen.

Die Form der Eiszapfen wird immer wieder verändert, zum Beispiel durch die Verdunstung von Wasser. Generell können Eiszapfen mehrere Meter lang werden, allerdings gibt es einen Punkt, an dem der Zapfen sein Eigengewicht nicht mehr halten kann und abbricht. Deshalb die Warnung: Eisgebilde über Wegen und Strassen entfernen, bevor sie zu einer Gefahr für Menschen, Tiere und Gegenstände werden können.

Vor allem an Dachkenneln, aber auch an Strassenlaternen, entstehen derzeit kunstvolle Gebilde aus Eis. (Bilder: Adi Lippuner)

Vor allem an Dachkenneln, aber auch an Strassenlaternen, entstehen derzeit kunstvolle Gebilde aus Eis. (Bilder: Adi Lippuner)