Eishockey
Eingesperrt in einer Blase: Wie der Herisauer Dario Allenspach die Junioren-WM in Edmonton erlebt

Der Herisauer Dario Allenspach gehört zur Schweizer Delegation, die an der Junioren-WM in Edmonton teilnimmt. Die ersten beiden Partien gingen verloren. Zu reden gibt aber vor allem das Drumherum. Die Mannschaften sind von der Aussenwelt abgeschottet.

Lukas Pfiffner
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Dario Allenspach (links) im Duell mit dem Slowaken Martin Chromiak.

Dario Allenspach (links) im Duell mit dem Slowaken Martin Chromiak.

Bild: Andrea Cardin/Freshfocus

Eishockey ist nicht das einzige Spiel, dem sich die U20-Auswahl der Schweiz an der Junioren-WM intensiv hingibt. «Wir spielen oft UNO und Tischtennis», meldet Dario Allenspach, der 18-jährige Herisauer, aus dem kanadischen Edmonton. Fast mehr als die ersten Partien (0:1 gegen die Slowakei, 1:4 gegen Finnland) geben die Besonderheiten wegen Corona und der Kampf gegen die Langeweile zu reden: Die Mannschaften leben in einer Blase – eingesperrt in Hotel, Stadion und dem dazwischenliegenden Gang.

Allenspach ist 2018 in die Nachwuchsabteilung des EV Zug gestossen, zum Start der Saison 2020/21 spielte er für die EVZ-Academy in der zweithöchsten Schweizer Liga, und Anfang Dezember durfte er zweimal mit der ersten Mannschaft in der National League antreten.

Antikörper nachgewiesen

Auch die Vorbereitung auf die WM erfolgte alles andere als gewöhnlich. Schon das einwöchige Camp in Zug wurde ab 6. Dezember in einer «Bubble» absolviert, also ohne Kontakt zur Aussenwelt. Allenspach gehörte zu einer Gruppe von Spielern, die positiv getestet wurden, aber bereits zu einem früheren Zeitpunkt von Corona angesteckt gewesen waren. «Ich war zuerst schon nervös. Der Teammanager und der Teamarzt versicherten mir jedoch, dass sie alles daransetzen, mich nach Edmonton zu bringen.» In seinem Blut konnten dann Antikörper nachgewiesen werden. Er erhielt schliesslich grünes Licht für die Einreise nach Kanada und für die Teilnahme an der WM – für Allenspach besonders positiv, weil die U18-WM im vergangenen Frühling wegen Corona abgesagt worden war.

Nach der Ankunft in Kanada wurde die Delegation zuerst unter Quarantäne gesetzt. Zum Aufstehen gab es online die Nationalhymne und das Essen aufs Zimmer. Trainings und Besprechungen fanden während vier Tagen via Zoom online statt. Auch während der WM schwebt natürlich Corona stets über der Delegation. An einem anderen Ort als im Hotel, im Stadion und im Zwischengang dürfen sich Spieler und Funktionäre nicht aufhalten. Wer die Regel missachtet, muss nach Hause fliegen. «Diejenigen Spieler, die noch nicht positiv waren, werden täglich getestet.» Ein Aufenthaltsraum bietet fast die einzige Abwechslung zu Trainings, Spielen und Meetings. Immerhin finden die Essen nun gemeinsam in einem Saal statt. Die Schweizer haben es relativ gut getroffen. Bei den Schweden musste wegen positiver Tests ein Teil des Betreuerteams ausgewechselt werden; die Deutschen konnten in den ersten zwei Partien nur 14 Feldspieler einsetzen.

Die Söhne der zwei Väter

Gegen Finnland liessen sich Dario Allenspach und Ray Fust die Assistpunkte beim bisher einzigen Schweizer WM-Tor gutschreiben. Ihre Väter Stefan und John waren einst Teamkollegen beim SC Herisau in der NLB. «Er versteht Schweizerdeutsch, spricht aber nur Englisch.» So unterhalten sie sich in englischer Sprache. Die Schweizer haben als einziger WM-Teilnehmer keinen Draft der NHL in ihren Reihen. Bei Kanada, auf das die Schweiz in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch getroffen ist, sind es deren zwanzig.

Gerade für junge Spieler wie Allenspach geht es darum, Erfahrungen zu sammeln. «Wenn jeder mehr kämpft als der Gegner, können wir eine Überraschung schaffen.» Allenspach gehört zur Hälfte der Schweizer, die in der Heimat spielen. Die anderen sind in nordamerikanischen Juniorenligen unter Vertrag – wie Fust (bei den Chilliwack Chiefs in der British Columbia Hockey League). Einen Absteiger gibt es nicht. Von daher konnten die Schweizer weniger belastet als in früheren Jahren antreten. Das Minimalziel sind die Viertelfinals. Für deren Erreichen wird voraussichtlich ein Sieg gegen Deutschland nötig sein, in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag.