EISHOCKEY: Ein Präzisionswerk zum Jubel

Der SC Herisau kann zu Hause noch siegen: Er setzt sich gegen Bellinzona im Penaltyschiessen durch. Der Auftritt ist inkonstant, die Gefühlslage vor den Derbys hat sich aber verbessert.

Lukas Pfiffner
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Michell Speranzino hat im Penaltyschiessen getroffen und lässt sich von den Mitspielern feiern. (Bild: Mea McGhee)

Michell Speranzino hat im Penaltyschiessen getroffen und lässt sich von den Mitspielern feiern. (Bild: Mea McGhee)

Lukas Pfiffner

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Manchmal ist es gut, wenn man eine Idee verwirft. Als Michell Speranzino im Penaltyschiessen anläuft, bewegt sich Bellinzonas Torhüter Canepa «anders als ­gedacht», wie Herisaus Stürmer erzählt – und der zirkelt den Puck deshalb in die hohe linke Ecke.

Schon Marc Pace hat getroffen. Dass Homberger und Olbrecht zuvor und Bulach nachher vergeben und der Tessiner Schnüriger trifft, spielt schliesslich keine Rolle. Den letzten Versuch der Gäste durch Bianchi wehrt Klingler ab – der erste Heimsieg ist Tatsache.

Speranzino hätte den Match früher entscheiden können in einer Szene, die weniger schwierig aussah als sein Präzisionswerk in der Penaltyausmarchung: 20 Sekunden der Verlängerung waren gespielt, als Timo Koller an der offensiven blauen Linie den Puck eroberte und mit Speranzino alleine Richtung Gästetor lief. «Ich hatte das Querzuspiel einen Moment früher erwartet und deshalb zu wenig Druck auf dem Stock», berichtet er kopfschüttelnd. Speranzino schoss an den Schoner des Torhüters.

Klingler hält die Chancen aufrecht

Im ersten Drittel hatten die Ausserrhoder erst mit Verspätung Zugriff auf Gegner und Puck genommen: In der Startphase wurden sie ordentlich eingeschnürt. Überraschend gingen sie in Führung. Das 1:0, zustande gekommen durch Jeitziners sehenswertem Ablenker (11.), konnte nicht gehalten werden. Und der zweite Abschnitt verlief aus Herisauer Sicht schlecht. In der neutralen Zone gab es praktisch keine Erfolgserlebnisse. Die Abstimmung fehlte mehrheitlich. «Ja, wir hatten leider auch diesmal wieder eine Phase mit vielen unkon­trollierten Aktionen», meinte Speranzino. Dass der Gast da nur einen Treffer erzielte, war Klingler zu verdanken. Er schenkt seiner Mannschaft grundsätzlich immer die Chance auf einen Erfolg; im zweiten Drittel der Sonntags­partie zeigte er einige grossartige Paraden.

Besser und entschlossener stiegen die Herisauer in den ­dritten Abschnitt. Sie entwickelten Schwung und Momente des Drucks. Das 2:2 war verdient und schön herausgespielt: Popp leistete hinter dem Tor gute ­Arbeit, Speranzino bediente von der ­Seite Timo Koller. Der ist nach 13 Durchgängen mit 5 Toren und 9 Assists bester Herisauer Skorer.

Herisauer Moral für Wil und Uzwil

In der Endphase des dritten Drittels, als die Gastgeber vehementer den dritten Punkt suchten als die Tessiner, war sich bei den ­Tessinern mit dem 36-jährigen Vitali Lachmatov auch die Prominenz nicht zu schade für eine Rettungsaktion in Bauchlage. Der ­gebürtige Ukrainer hat eine lange NLA- und NLB-Karriere hinter sich bei Ambri, Langnau, den ZSC Lions, Fribourg und Martigny. Lachmatov war eine der auf­fälligsten Figuren Bellinzonas. Dieses hatte nach fünf Runden erst einen Sieg (gegen Herisau) verzeichnet, es war allerdings in den vergangenen Wochen eine der formstärksten und kons­tantesten Mannschaften der ­Ostschweizer 1.-Liga-Gruppe gewesen.

Der Erfolg des nach wie vor auf dem letzten Platz klassierten Aufsteigers ist deshalb bemerkenswert, dazu moralisch und tabellarisch gleichermassen wichtig – unmittelbar vor den Derbys in Wil (morgen Mittwoch) und gegen Uzwil (am Samstag zu Hause). «Wir wollen natürlich unbedingt den Anschluss an Platz acht wahren», sagt Speranzino. Den belegen aktuell die Pikes, mit vier Punkten Vorsprung auf den SCH.

Herisau – Bellinzona 3:2 (1:1, 0:1, 1:0, 1:0) n. P.

Sportzentrum. – 274 Zuschauer. – Sr. ­Maddaloni, Blatter/Halberstadt.

Tore: 11. Jeitziner (Homberger, Pace) 1:0. 17. Fratessa (Schnüriger, Spinetti, Ausschluss T. Koller) 1:1. 34. Schmid (Lachmatov, Schena) 1:2. 46. T. Koller (Speranzino, Popp) 2:2.

Herisau: Klingler; Homberger, Bulach; Bohlhalder, M. Koller; Olbrecht, Bleiker; Popp, T. Koller, Speranzino; Bommeli, Pace, Jeitziner; Studerus, Hausammann, Biefer; Grüter, Brügger, Heinrich.

Bellinzona: Canepa; Spinetti, Gianella; Rochat, Salerno; Fratessa, Bulgheroni; Masa, Lachmatov, Schena; D’Ambrogio, Bianchi, Schmid; Guidotti, Schnüriger, Rosselli.

Strafen: Herisau 5-mal 2 Minuten, Bellinzona 3-mal 2 Minuten.