EISHOCKEY: Bemüht, aber ausgedünnt

Herisau führt gegen Leader Arosa, muss beim 3:6 dessen Überlegenheit aber anerkennen. Die Absenzen bedeuten einen zu grossen Substanzverlust.

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Irgendwie fühlte man sich vorgestern aus verschiedenen Gründen in längst vergessene Zeiten zurückversetzt. Der Gast hatte einen Stand mit Fanartikeln aufgebaut, denn für manch einen Arosa-Anhänger aus dem Unterland kann ein Auswärtsspiel näher liegen als ein Heimspiel.

Herisau setzte kurz nach der zweiten Pause nur noch zwei Center ein (Timo Koller und Marc Pace), weil sich Philipp Aerni an der Schulter verletzt hatte. Die Partie zwischen dem Letzten und dem Ersten der 1. Liga verlief mit wenig Körpereinsatz und freundschaftlich. Entsprechend hatten die Schiedsrichter einen ruhigen Einsatz. Und einen familiären: Einer der Linesmen war mit Lars Nater ein Einheimischer und der andere sein Coucousin Pascal.

Das Trikot mit der Nummer 84 von Stammtorhüter Klingler trug Sandro Speck. Der gehört grundsätzlich der zweiten SCH-Mannschaft an und wurde zur Entdeckung der Partie. Er kam ab dem zweiten Drittel zum Einsatz. 1:4 stand es da bereits. Raganato hatte in der Schlussphase des ersten Abschnitts zwei Tore erhalten und einiges deutete auf eine ­deprimierende Fortsetzung hin. Speck wehrte aber allerhand ab und verzeichnete seine spektakulärsten Momente in der 38. Minute, als er innert zehn Sekunden viermal klärte. Eine einzige Scheibe liess er passieren. Das führte zum 2:5 kurz nach Spielmitte. Beim letzten Bündner Treffer hatte Speck das Feld für einen sechsten Feldspieler verlassen.

SCH liess sich nicht gehen

Die Voraussetzungen für die Gastgeber waren schlecht. Nebst Klingler weilten auch Marco Koller und Homberger im Militärdienst, die beiden wirkungsvollsten Verteidiger. Und drei weitere Spieler fehlten verletzungshalber. «Wir haben das Beste versucht und unsere guten Phasen gehabt», blickte Sportchef Matthias Popp zurück. Aber in der Zusammensetzung vom Mittwoch wies Herisau weniger Substanz auf als in der vergangenen 2.-Liga-Saison. Die Mannschaft versuchte, sich im Spiel zu halten, und sie liess sich nicht gehen. Pace schwang sich zum Doppeltorschützen hoch, und seine Mannschaft besass in der 54. Minute während des zweiten Powerplays plötzlich die Aussicht auf das Anschlusstor.

Trotz der Herisauer Führung (3., Jeitziner in Überzahl) gab es aber kaum jemals Zweifel daran, dass die Punkte ins Bündnerland gehen würden. Arosa war stärker besetzt, sein Auftritt deutlich strukturierter, tempofester und stilsicherer. Es kam in der siebten Partie zum siebten Sieg. Die Tatsache, dass die Ausserrhoder das zweite und das dritte Drittel unentschieden gestalten konnten, war angesichts der frühen Eindrücke erstaunlich. Sie liess sich damit erklären, dass es bei Arosa um die Konzentration und Motivation bald nicht mehr ums Beste bestellt war. (pf)

Herisau – Arosa 3:6 (1:4, 1:1, 1:1)

Sportzentrum. – 291 Zuschauer. – Sr. Baumann (L. Nater/P. Nater).

Tore: 3. Jeitziner (Aerni, Ausschluss Capaul) 1:0. 7. Bandiera (Pfranger, Hostettler) 1:1. 13. Agha (Bruderer, Ausschluss Jeitziner) 1:2. 19. (18:36) Dimasi (Holinger) 1:3. 20. (19:56) Hostettler (Pfosi) 1:4. 32. (31:56) Pace (Carrel, Popp) 2:4. 33. (32:29) Pfranger (Bandiera, Hostettler) 2:5. 42. Pace (Heinrich, Speranzino) 3:5. 58. Bandiera (Agha, ins leere Tor) 3:6.

Herisau: Raganato (21. Speck); Bohlhalder, Olbrecht; Bulach, Studerus; Bleiker, Hausammann; Bommeli, T. Koller, Jeitziner; Heinrich, Pace, Speranzino; Popp, Aerni, Carrel.

Arosa: Salis; Agha, Dimasi; Capaul, Klopfer; Pfosi, Steiner; Pfranger, Hostettler, Bandiera; Gruber, Weber, Webster; Bruderer, Roner, Cola; Holinger, Amstutz.

Strafen: Herisau 4-mal 2 Minuten, Arosa 2-mal 2 Minuten.

Bemerkungen: Herisau ohne Klingler, Homberger und M. Koller (Militär) sowie Widmer, Grüter und Biefer (verletzt). 9. Pfostenschuss Pfranger.