Einsatz in rauchiger Finsternis

Bei einer Einsatzübung befreit die Walzenhauser Feuerwehr elf im oberen Tunnel der Rheineck-Walzenhausen-Bahn eingeschlossene Bürger. Die grössten Herausforderungen sind die starke Rauchentwicklung und die nötige Schnelligkeit.

Timo Züst
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WALZENHAUSEN. Die Pager, Mobiltelefone und Festnetzanschlüsse der rund 60 Angehörigen der Feuerwehr Walzenhausen läuteten letzten Montag kurz vor 19 Uhr Sturm. «Einsatzübung Walzenhausen, Rauch im oberen Bahntunnel»: Diese erste Information konnten die Feuerwehrmänner und -frauen auf ihren Pagern lesen. Innert kürzester Zeit reagierte Feuerwehrkommandant Sven Gerig und schickte eine zweite Nachricht: «Zufahrt von unten via Grund.» Die Rettungsaktion war lanciert.

Rauch ist die grösste Gefahr

Das Übungsszenario geht von einem Maschinendefekt bei einem Zugfahrzeug der Rheineck-Walzenhausen-Bahn (RhW) aus. Ein Wagen bleibt im oberen, an die 70 Meter langen, Tunnel auf Walzenhauser Boden stecken. Die zwei grössten Probleme für die Retter: Es ist mit eingesperrten Fahrgästen zu rechnen, und der Tunnel hat sich bereits mit Rauch gefüllt. Feuerwehrkommandant Sven Gerig entscheidet sich für einen «Zangenangriff». Er schickt Einsatzkräfte an das obere sowie das untere Ende des Tunnels. Der Rauch tritt hauptsächlich am oberen Tunnelende aus, die Retter nähern sich deshalb von unten. Dieses Vorgehen war korrekt, sagt Roger Rüesch, Übungsleiter Feuerwehr, an der anschliessenden Übungsbesprechung: «Je nach Wetterlage kann der Rauch durchaus auch am unteren Ende austreten.»

Die Zeit ist ihr Feind

Der Übungsalarm erreichte den Rettungsdienst um 18.50 Uhr, die elf im Bähnli sowie die vier im Bahnhofsgebäude eingeschlossenen Passagiere befanden sich 32 Minuten später ausserhalb der Gefahrenzone. Roger Rüesch ist zufrieden mit dieser Leistung, gibt aber zu bedenken: «Es zählt nicht die Zeitdifferenz zwischen Rettung und Alarm, sondern jene zwischen dem Unglück und der Rettung.» Nicht nur die Feuerwehr Walzenhausen, auch die über die Notfallnummer 144 verständigte Sanitätstruppe erhielt gute Noten. «Im Ernstfall wäre ich mit dieser Leistung zufrieden», sagte der Leiter des Rettungswesens, René Frei. Nur das Informations- und Einsatz-System (IES) hat nicht funktioniert (siehe Kasten).

Gemeindeführungsstab leitet

Bei einem Unglück dieser Grössenordnung wird auch der Gemeindeführungsstab aufgeboten. In Walzenhausen steht er unter der Leitung von Kantons- und Gemeinderat Peter Gut. Von der Einsatzzentrale aus koordiniert der Gemeindeführungsstab die Rettungsarbeiten und übernimmt die Öffentlichkeitsarbeit. Auch Landammann Hans Diem liess sich die seltene Gelegenheit nicht entgehen, den Gemeindeführungsstab im Einsatz zu sehen.

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