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Einsatz für Flüchtlingspolitik

Die Herisauerin Clara Nef setzte sich zeitlebens für soziale Belange ein. 35 Jahre stand sie zudem als Präsidentin der Appenzellischen Frauenzentrale vor. Auch die Walzenhauser Carl Lutz und Jakob Künzler sind Persönlichkeiten mit grossen Verdiensten für bedrohte Menschen.
Hanspeter Strebel

AUSSERRHODEN. Ausserordentlich hoch ist der Beitrag von Persönlichkeiten mit engem Bezug zu Ausserrhoden, wenn die Rede von humanitärem Einsatz vor allem in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ist. Neben Paul Vogt und Gertrud Kurz gehören auch Clara Nef (1885– 1983), Carl Lutz (1885–1975) und Jakob Künzler (1871–1949) dazu. Meist wurden ihre Verdienste erst posthum gewürdigt. Clara Nef ist vor allem bekannt als Gründerin und langjährige Präsidentin der Ausserrhoder Frauenzentrale und Initiantin der Bubenhosen-Aktion als alternative Heimarbeit in der Zeit der grossen Arbeitslosigkeit. Aber auch in der Flüchtlingspolitik spielte sie eine wichtige Rolle.

Enkelin des Landammanns

Die ersten Jahre verbrachte sie in Bern, wo ihr Vater im Eidgenössischen Finanzdepartement tätig war. Im Alter von erst 35 Jahren verstarb er an Lungentuberkulose, und die junge Familie zog zum Vater der Mutter, Landammann und Ständerat Johann Jakob Hohl, nach Herisau. So wuchs Clara Nef in puritanisch-strengem, bürgerlichem Umfeld auf, konnte die Handelsschule in Neuenburg besuchen und sich danach zur Hotelsekretärin ausbilden. Eine Zeitlang war sie Hausdame bei einem steinreichen englischen Bankier in dessen Residenz auf der Riederalp und lernte das Leben in Luxus kennen und auch schätzen. Sie kam dabei mit illustren Gästen zusammen, unter anderem mit Winston Churchill.

Soziale Engagements

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges war diese Phase abrupt beendet. Clara Nef kehrte nach Herisau zurück, wo sie sich nun für soziale Engagements gewinnen liess. So gründete und führte sie zusammen mit ihrer Schwester ein Brockenhaus und stand später während 40 Jahren der Pro Juventute vor, die unter anderem Ferienaufenthalte für erholungsbedürftige Schulkinder ermöglichte und auch bei (in späteren Generationen kritisierten) Fremdplazierungen mitgewirkt hatte. Der Einblick in die Ursachen von Leid und Not führte sie in neue Arbeitsgebiete, wie dem Kampf gegen den Alkoholismus, dem sie sich in hohem Masse widmete. 1929 war sie Mitbegründerin der Appenzellischen Frauenzentrale, der sie nicht weniger als 35 Jahre vorstand. Die auf ihrer Initiative beruhende «Aktion der Bubenhosen», die in Heimarbeit hergestellt wurden und willkommenen Verdienst in der Zeit hoher Arbeitslosigkeit boten, machte sie schweizweit bekannt und brachte ihr auch Anerkennung der Behörde.

Vorsichtige Flüchtlingshilfe

1935 wurde Clara Nef zur Präsidentin des Bundes Schweizerischer Frauenvereine (BSF) gewählt. Dies führte sie auch in die nationale und internationale Flüchtlingshilfe, organisierte der BSF doch die erste grossangelegte Geldsammlung und verwandte sich für die Beschäftigung weiblicher Flüchtlinge im Hausdienst. Dabei blieb Clara Nef aber sehr vorsichtig und übte gemäss ihrer staatstreuen Erziehung nur sehr zurückhaltend Kritik an der offiziellen Flüchtlingspolitik. Sie wollte die in diesem Bereich bestehenden Spannungen im BSF nicht noch verschärfen, war doch zum Beispiel ihre Vizepräsidentin, die St. Gallerin Elsa Mettler-Specker (die Frau von «Hitler-Specker»), ganz anderer Ansicht, vor allem wenn es um jüdische Flüchtlinge ging. Clara Nef befürchtete, der latente Antisemitismus in der Bevölkerung könnte mit einer zu starken Hinwendung noch gestärkt werden. Als die Greuel der Naziherrschaft immer offensichtlicher waren, wurde ihre persönliche Haltung und diejenige des BSF klarer, und die Verdienste verdienen insgesamt durchaus Anerkennung.

Nach dem Krieg widmete sich Clara Nef wieder vermehrt Aufgaben in ihrer Heimat und der «Sonneblick», das von ihr zusammen mit Paul Vogt gegründete Evangelische Sozialheim in Walzenhausen, wurde ihre grosse Liebe. Sie wirkte hier unermüdlich weiter für Menschen auf der Schattenseite des Lebens.

Retter ungarischer Juden

Zwei Persönlichkeiten, beide mit Wurzeln in Walzenhausen, seien zum Abschluss dieser kleinen Artikelreihe zumindest noch kurz erwähnt. Sie legten beide im Ausland für die humanitäre Tradition der Schweiz grosse Ehre ein und sind unvergessen. Carl Lutz war im Verlaufe seiner Diplomatenkarriere in den Kriegsjahren Vizekonsul in Budapest und rettete durch seinen Einsatz über 60 000 Menschen – rund die Hälfte aller überlebenden ungarischen Juden – vor der Deportation und dem Holocaust, indem er ihnen nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Ausweitung seiner Kompetenzen Schutzpässe und Schutzbriefe ausstellte. Von jüdischen Organisationen erhielt er noch zu Lebzeiten hohe Anerkennung.

In der Schweiz musste er eine Administrativuntersuchung gegen die Arbeit der ungarischen Botschaft miterleben und lange auf diese warten. Walzenhausen verlieh ihm 1963 die Ehrenbürgerschaft.

Vater der armenischen Kinder

30 Jahre länger liegt der Einsatz des Hundwilers Jakob Künzler zurück. Der gelernte Zimmermann, Krankenpfleger, Diakon und spätere Arzt wirkte im Rahmen der Orientmission in einem Schweizer Spital in Armenien und wurde dort Augenzeuge des von den Jungtürken verübten Völkermordes. Unter Lebensgefahr gelang es ihm mit Hilfe seiner Frau und guten Beziehungen, etwa 2700 Armenier vor dem Tod zu bewahren.

1922 musste er unter türkischem Druck das Spital schliessen und zog mit seiner Familie und rund 8000 armenischen Waisen zu Fuss und mit Wagen ins Gebiet des französischen Völkerbundsmandats in Syrien und später nach Libanon. Dort eröffnete er Zentren und ermöglichte vielen Jugendlichen eine Ausbildung als Teppichknüpfer. Seine Erlebnisse verarbeitete er in mehreren Büchern und überlieferte sie der Nachwelt. Neben Ehrungen im Libanon erhielt Künzler 1947 die Ehrendoktorwürde der Universität Basel. In Hundwil und Walzenhausen erinnern Gedenksteine an seine Verdienste.

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