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Einmal pro Monat Schwänzen ist erlaubt: Kanti Trogen kommt streikenden Schülern entgegen

Auch die Appenzeller Jugend geht für das Klima auf die Strasse – und schwänzt dafür den Unterricht. Mit den Absenzen gehen die Schulen unterschiedlich um: Während es an der Kanti Trogen eine klare Regelung gibt, ist eine solche am Gymi Appenzell nicht von Nöten.
Claudio Weder
Für eine Teilnahme am Klimastreik vom 18. Januar in St. Gallen blieben auch rund 38 Jugendliche der Kantonsschule Trogen vom Unterricht fern. (Bild: Benjamin Manser)

Für eine Teilnahme am Klimastreik vom 18. Januar in St. Gallen blieben auch rund 38 Jugendliche der Kantonsschule Trogen vom Unterricht fern. (Bild: Benjamin Manser)

«Unsere Zukunft steht auf dem Spiel», «Reagieren statt Ignorieren» oder «Aufstehen, Hinsehen». Dies sind Beispiele von Parolen, wie sie auf den Bannern von Hunderten von protestierenden Jugendlichen prangten, die in den vergangenen Wochen für den Klimaschutz auf die Strasse gingen – und dafür meist die Schule schwänzten. Mit dabei war und wird auch in Zukunft eine Gruppe von Jugendlichen der Kantonsschule Trogen sein.

Ihr Privileg: Im Gegensatz zu ihren St. Galler Kolleginnen und Kollegen brauchen sich die streikenden Schülerinnen und Schüler der Kanti Trogen nicht vor Sanktionen zu fürchten, wenn sie wegen einer Klimademo vom Unterricht fernbleiben – sofern sie sich an die Rahmenbedingungen halten.

«Wozu sollten wir etwas für die Zukunft lernen, wenn es diese vielleicht bald gar nicht mehr geben wird?» So die Begründung der Klimaaktivisten der Kanti Trogen für das Schulschwänzen, das sie als das einzige Druckmittel sehen, das ihnen zur Verfügung steht, um Aufmerksamkeit zu bekommen. «Das Jahr 2019 soll zum Klimajahr werden. Es finden Wahlen statt und die Parteien sind gefordert, sich zum Thema Klimaschutz zu äussern und sich klar zu positionieren», sagt Dominic Tobler, Sprecher der «Klimagruppe Trogen».

Auf die wiederholten Absenzen der Lernenden reagierten viele Schweizer Gymnasien mit einer Verschärfung der Absenzenregelung. So hat etwa das St. Galler Bildungsdepartement vor rund einem Monat bekannt gegeben, dass jede weitere Teilnahme an den Streiks in Zukunft nicht mehr toleriert wird.

Wer ein Gesuch einreicht, darf streiken gehen

Die Kantonsschule Trogen hingegen hat sich für einen kulanteren Weg entschieden: «Die Streikteilnahme während der Unterrichtszeit von einmal pro Kalendermonat werden wir einstweilig billigen», heisst es in der Ende Januar verabschiedeten Regelung. Bedingung dafür sei ein individuelles, reguläres, vorgängig eingereichtes Urlaubsgesuch zuhanden der Prorektorate. Die Aufarbeitung des verpassten Schulstoffs bleibe selbstverständlich in der Verantwortung der Lernenden.

«Die Schule will damit Verständnis für das Anliegen ihrer Schüler signalisieren», sagt Rektor Marc Kummer. Im Rahmen der sich entwickelnden und formierenden Klimabewegung hat die Schulleitung das Gespräch mit einer Delegation der Schülerorganisation sowie einer Schülervertretung der «Klimagruppe Trogen» gesucht, um gemeinsam eine Lösung auszuarbeiten, wie man mit dem Thema in Zukunft umzugehen gedenkt.

«Die Schulleitung hat zunächst den Schülervertretungen klar gemacht, dass der Besuch einer Mittelschule ein Privileg ist, mit Kosten verbunden ist und dass ein längeres Fernbleiben vom Unterricht ein Rückstand im Stoff zur Folge hat, der längerfristig gesehen wieder auf die Schule zurückfällt», so Kummer. Nach zweimaligem Treffen habe man sich schliesslich auf die vorliegende Regelung geeinigt.

Bei den Lernenden kommt das Vorgehen der Schulleitung gut an: «Damit zeigt die Schule, dass sie unser Anliegen ernst nimmt» sagt Dominic Tobler. Auch Smilla Bühler wertet dieses Vorgehen als eine «sehr wohlwollende und grosszügige Geste seitens der Schulleitung». Schliesslich gehe es um ein Thema, das uns alle etwas angehe und allen am Herzen liegen solle.

Nichtsdestotrotz wünschen sich die Jugendlichen, dass die Themen Klimaschutz und Klimawandel noch mehr in den Unterricht integriert werden. «Einer meiner Mitschüler hat einst gesagt, dass ein wärmeres Klima – gerade in der Schweiz – doch zu begrüssen sei. Solche Aussagen von gebildeten Leuten zu hören, schmerzt sehr», so Dominic Tobler.

Gemäss den Aussagen von Marc Kummer unterstützt die Schulleitung die Besprechung von Klimathemen im Unterricht. «Allerdings ist dies abhängig vom Fach und liegt letztlich in der Verantwortung der entsprechenden Lehrperson.» Die Schulleitung hat sich zudem bereit erklärt, ihre Lernenden jederzeit zu unterstützen, wenn sie vor Ort Massnahmen oder Aktivitäten zum Thema Klimaschutz durchführen wollen, die auf Wissensvermittlung und individuelle Sensibilisierung zielen. Priorität hat für Marc Kummer jedoch, dass alle bei sich selber beginnen.

Schüler des Gymi Appenzell streiken nicht

Gemäss Statistik blieben im Januar 38 Schülerinnen und Schülern der Kantonsschule Trogen vom Unterricht fern. Anders sieht es beim Gymi Appenzell aus: Bislang hat keine Schülergruppe des Gymi Appenzells an einem solchen Streik teilgenommen, wie Marco Knechtle, Rektor des Gymnasiums St. Antonius, bestätigt. Folglich habe es für die Schulleitung keinen Grund gegeben, eine entsprechende Regelung, wie sie die Kanti Trogen ausgearbeitet hat, zu erlassen.

Dennoch sei es natürlich zu begrüssen, wenn sich Schülerinnen und Schüler über den Unterricht hinaus für den Klimaschutz engagieren. «Schliesslich ist die Heranbildung eines Verantwortungsbewusstseins gegenüber sich selbst, den Mitmenschen, der Gesellschaft und der Natur eines der Ziele der gymnasialen Maturität.»

Politisches Interesse zeigen ist wichtig

Dies betont auch Marc Kummer. Für ihn ist es wichtig, dass sich die heutige Generation aktiv an der Gesellschaft beteiligt. Der Bildungsauftrag der Mittelschulen beinhalte auch die Vorbereitung auf anspruchsvolle Aufgaben der Gesellschaft. «Um diese Reife zu erhalten, gehört es dazu, sich konkret mit den politischen Einflussmöglichkeiten auseinanderzusetzen – und diese auch kritisch zu hinterfragen.»

Am Klimastreik vom kommenden Freitag in St. Gallen wird die «Klimagruppe Trogen» nicht teilnehmen. Dafür aber am internationalen Streiktag vom 15. März, wie Smilla Bühler bestätigt. Ihr Urlaubsgesuch habe sie bereits vorbereitet.

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