Einmal im Bett des Schwingerkönigs übernachten

STARKENBACH. Es gibt Zeiten, in denen sind mehr Zimmer für das Angebot B&B gesucht. So sind auch Rosmarie und Jörg Abderhalden dazu animiert worden, ihr Haus Übernachtungsgästen zu öffnen. Die Bauern aus dem Weiler Starkenbach haben bisher fast keine negativen Erfahrungen damit gemacht.

Beatrice Bollhalder
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Das Bauernhaus im Weiler Starkenbach ist mit vielen Blumen geschmückt. Die Kinder zieht es in den Garten zu den Kaninchen.

Das Bauernhaus im Weiler Starkenbach ist mit vielen Blumen geschmückt. Die Kinder zieht es in den Garten zu den Kaninchen.

Da das Zimmer von Elisabeth Looser sporadisch hätte doppelt belegt werden können, hat sie auch andere Frauen mit leeren Zimmern auf die Idee von B&B angesprochen. Eine von ihnen ist Rosmarie Abderhalden aus dem Weiler Starkenbach. Die fünf Kinder der Familie haben längst eine eigene Wohnung und damit war Platz vorhanden. Rosmarie Abderhalden erkundigte sich vor vier Jahren bei Toggenburg Tourismus, welches die Bedingungen sind, um bei B&B mitmachen zu können. Ein separates Badezimmer wurde damals empfohlen. Aber auch wenn ein solches nicht vorhanden sei, sollte sie es doch einmal probieren, wurde ihr geraten.

Zwei ehemalige Kinderzimmer

Rosmarie und Jörg Abderhalden haben sich entschieden, zwei der ehemaligen Zimmer ihrer Kinder Fremden für eine Übernachtung mit Morgenessen anzubieten. Im Badezimmer gab es zwar keine Probleme, da die Bauersleute dieses ohnehin morgens schon vor den Gästen benutzten. «Aber es ist halt doch etwas seltsam, gerade das Badezimmer mit Fremden zu teilen», erklärt Rosmarie Abderhalden die anschliessende Bautätigkeit. Heute können sich die müden Wanderer in einem schönen Badezimmer, in dem Alt und Neu sehr ansprechend kombiniert worden sind, erfrischen. Auf den frisch bezogenen Betten in den beiden Zimmern liegen die Frottiertücher bereit. Mit einem herzigen Täfeli und einem Kägifretli werden die Gäste willkommen geheissen.

Im Bett des Schwingerkönigs

Häufig werden die Angebote gebucht, weil in der Gegend gerade ein Grossanlass, wie etwa das Klang-, das Countryfestival oder ein Schwingfest stattfindet. Wer sich aber nicht gerade wegen des Schwägalp-Schwingens im Tal aufhält, weiss oft nicht, bei wem er nächtigt. «Manchmal kommt dann am nächsten Morgen die Erleuchtung», lacht Rosmarie Abderhalden. Mit dem Betrachten von Fotos, die im Haus hängen, kombiniere der eine oder andere, dass Abderhaldens etwas mit dem Schwingerkönig zu tun haben könnten. «Ja, sie haben letzte Nacht in Jörgs Bett geschlafen», kann die Mutter des Schwingerkönigs manchmal erklären. Aber nur wenn Not am Mann ist, kommt es auch einmal vor, dass jemand im Bett der ehemaligen Skirennfahrerin Marianne Abderhalden schläft. Zimmer wären im Hause Abderhalden noch weitere vorhanden, aber schliesslich sind auch die sieben Enkelkinder froh, hie und da Ferien bei ihren Grosseltern auf dem Bauernhof verbringen zu können. Einen Besuch bei Jörg Abderhalden im Stall schätzen aber nicht nur die Enkel, sondern auch der Nachwuchs der B&B-Gäste. Manche Familie sucht sich dieses Angebot gerade deswegen aus, weil es hier verschiedene Tiere gibt, die gestreichelt werden können. Andere wählen es, weil sie sich gern abseits eines Dorfes aufhalten. Und für das Nachtessen in einem der beiden Restaurants im Weiler Starkenbach muss nicht unbedingt ein Auto vorhanden sein. Ein Fussmarsch lässt die Gäste dann noch wohliger einschlafen.

Töfffahrer aus Irland

Rosmarie Abderhalden bekommt Anfragen per Mail, hauptsächlich aber via Telefon. Oft auch von Leuten aus der Umgebung, bei denen jemand nach einer Übernachtungsmöglichkeit gefragt hat. Zwei irische Töfffahrer haben kürzlich an der Durchgangsstrasse das Blumentrögli mit Dach, auf dem in grossen Buchstaben B&B steht, gesehen und haben auf dem Hof nachgefragt. Abderhaldens waren für den ersten Kontakt mit den beiden Nordländern nicht unglücklich, dass gerade jemand auf Besuch war, der sich gut in Englisch verständigen konnte. Mehrheitlich hätten sie aber Gäste aus der Schweiz oder Deutschland. Für die unbedingt nötige Verständigung mit Franzosen reichten ihre Sprachkenntnisse aus, lacht Rosmarie Abderhalden, notfalls nehme sie halt Hände und Füsse dazu.

«Leben kann man von B&B nicht», erklärt die Bauersfrau, «dafür müsste man das Ganze professioneller aufziehen. Aber das wollen wir gar nicht. Wenn jemand fünf Nächte am Stück bei uns war, sind wir froh, die vier Wände auch wieder einmal nur für uns zu haben.». Die schönen Kontakte möchte sie jedoch nicht missen. Wenn die Gäste am «Zmorgetisch» sitzen, setzt sie sich häufig dazu. Ihr ist es wichtig, dass sie den Besuchern auch Tips auf den Weg mitgeben und damit das Toggenburg als Ferienregion anpreisen kann. Sie achtet ausserdem darauf, dass auf dem Frühstückstisch mindestens zwei verschiedene Brote und etwa vier Sorten einheimischer Käse liegen. Und nebst anderen Köstlichkeiten auch selbstgemachte Konfitüre.

Rosmarie Abderhalden präsentiert das schöne Badezimmer, das ausschliesslich den B&B-Gästen zur Verfügung steht.

Rosmarie Abderhalden präsentiert das schöne Badezimmer, das ausschliesslich den B&B-Gästen zur Verfügung steht.

So herzlich und mit einer Toggenburger Spezialität werden Gäste begrüsst. (Bilder: Beatrice Bollhalder)

So herzlich und mit einer Toggenburger Spezialität werden Gäste begrüsst. (Bilder: Beatrice Bollhalder)