Einmal auf einem 8000er stehen

EBNAT-KAPPEL/NESSLAU. Bauer Seth Abderhalden hat sich mit der Besteigung des 8013 Meter hohen Shisha Pagma einen Traum erfüllt. Doch fest steht: Heute verzichtet der Bauer auf das Bergsteigen und widmet sich seiner Familie.

Adi Lippuner
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Seth Abderhalden gibt mit seinem Vortag, «En Puur goht z'Berg» Einblick in seine Erlebnisse am 8013 Meter hohen Shisha Pagma in Tibet. (Bild: Adi Lippuner)

Seth Abderhalden gibt mit seinem Vortag, «En Puur goht z'Berg» Einblick in seine Erlebnisse am 8013 Meter hohen Shisha Pagma in Tibet. (Bild: Adi Lippuner)

Bei passender Gelegenheit erzählt Seth Abderhalden unter dem Titel «En Puur gohts z'Berg» von seinen Expeditionserlebnissen in Tibet. Schonungslos und ohne verklärten Blick auf das Gipfelerlebnis lässt er die Menschen an seinem Abenteuer teilhaben. Dies war auch letzten Freitag, auf Einladung der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Nesslau, beim gutbesuchten Vortragsabend im Büelensaal so.

Den Zuhörern, einige von ihnen gönnten sich das Vergnügen bereits zum zweiten Mal, wurde nicht nur die Reiseroute und der Aufstieg gezeigt, auch unangenehme Erlebnisse wie das Übernachten bei bis zu minus 35 Grad und die körperliche Belastung wurden thematisiert. «In dieser Höhe werden täglich rund 8000 Kalorien verbraucht, gegessen werden aber maximal deren 2000. Wen wundert's, dass alle Expeditionsteilnehmer massiv abgenommen haben?» Konkret waren es bei Seth Abderhalden, der auch heute noch kein Kilo zu viel auf den Rippen hat, deren zwölf, die er während der sechs Wochen dauernden Expedition verlor.

Landwirt am Wintersberg

Doch wer ist eigentlich der Bauer, der sich ohne technische Bergsteigerausbildung diesen Herausforderungen stellte? Auf den ersten Blick ein ganz normaler Toggenburger, der mit seinem Bruder Willi am Ebnat-Kappler Wintersberg einen Landwirtschaftsbetrieb als Betriebsgemeinschaft führt.

Doch die Biographie enthält einige Besonderheiten, die nicht unerwähnt bleiben sollen. Da ist einmal der Umbau des elterlichen Hauses, welcher im Jahr 2003 abgeschlossen wurde. Nicht einfach ein ganze gewöhnliche Renovation des Gebäudes mit der Jahrzahl 1783 , denn alles wurde so restauriert, dass es genau den alten Vorbildern entspricht. «Ich hatte schon immer Interesse an historischen Gebäuden und so reifte die Idee, alles möglichst originalgetreu zu restaurieren», so die Aussage. Moderne Gerätschaften in der Küche sind hinter alten Brettern versteckt, die Stube ist in den Originalzustand zurückversetzt worden und nach langem Suchen hat der Besitzer auch die passenden Lampen gefunden. Und wie es sich für ein Toggenburger Haus gehört, steht seit der Renovation im Firstzimmer eine Hausorgel. Mit der Familiengründung hat sich der 1964 geborene Mann ebenfalls viel Zeit gelassen. «Nach der Gründung der Betriebsgemeinschaft im Jahr 2001 wollte ich raus aus dem Tal und einmal etwas anderes sehen. So kam ich zum Bergsteigen und habe mir drei ganz unterschiedliche Expeditionen gegönnt.»

Familie im Mittelpunkt

Durch die Begegnung mit Jasmin wurde dem Toggenburger eine neue Perspektive des Lebens aufgezeigt. Im Jahr 2007 wurde geheiratet und drei Jahre später kam Tochter Lara und 2012 dann Sohn Gian zur Welt. Meine Familie ist mir nun das Wichtigste und die Kinder sorgen in Haus und Hof für Betrieb. Damit ist klar, dass ich die Herausforderungen am Berg nicht mehr benötige», sagt Seth Abderhalden. Nicht ganz alltäglich ist auch der Vorname Seth. «Der ist biblischen Ursprungs und in jeder Generation unserer Familie trägt einer diesen Namen.» Kommt dazu, dass sein berühmter Namensvetter, geboren 1926 in Nesslau, gestorben am 20. November 1960 in einem Schneebrett im Säntisgebiet, als Pionier des Extremklettterns in der Schweiz gilt. Mein Urgrossvater und der Grossvater des bekannten Bergsteigers waren Brüder», ist auf eine entsprechende Frage zu erfahren.

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