Coronakrise: Einkaufshilfe für Senioren ist bis jetzt noch wenig gefragt

Die Hilfsbereitschaft in Ausserrhoden ist gross, die Bedürftigkeit bis jetzt eher klein.

Karin Erni
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Die älteren Einwohner freuen sich über den kostenlosen Service.

Die älteren Einwohner freuen sich über den kostenlosen Service.

Bild: Karin Erni

Die Hilfsangebote für Personen, die das Haus nicht verlassen können oder sollen, werden im immer zahlreicher. Nebst Vereinen und Privaten haben auch viele Gemeinden entsprechende Initiativen ergriffen. Schwellbrunns Gemeinderat hat letzte Woche in Zusammenarbeit mit den örtlichen Detaillisten einen Lieferservice auf die Beine gestellt. Gemeindepräsident Ueli Frischknecht:

«Ein Fünftel unserer Einwohner gehört zur Risikogruppe. Zudem wohnen viele abgelegen und haben keine Möglichkeit, den öffentlichen Verkehr zum Einkaufen zu nutzen»

Dorfladen, Metzgerei und Bäckerei haben sich unkompliziert bereit erklärt, Bestellungen entgegenzunehmen und den Kunden direkt Rechnung zu stellen. Den Dienst können alle Einwohner von Schwellbrunn in Anspruch nehmen, es besteht keine Mindestbestellmenge.

Die Schulbusfahrerin Käthi Gantenbein übernimmt die bestellten Waren und liefert sie aus. Sie ist froh, trotz der Schulschliessung eine sinnvolle Beschäftigung zu haben. Die ursprüngliche Idee, für die Fahrten den Schulbus einzusetzen, habe sich als nicht praktikabel erwiesen, sagt Käthi Gantenbein. «Wir hätten sonst die Sitze demontieren müssen, um genug Platz für die Ladung zu haben.» Also hat sie den privaten Kleinbus entsprechend umgerüstet. Die Bestellungen würden zwar von Tag zu Tag mehr, bleiben aber bis jetzt überschaubar. Nach einer guten Stunde ist die Ware bei den Bestellern angekommen und auf sichere Distanz noch ein kleiner Schwatz gemacht.

Die Hilfsbereitschaft ist sehr gross

In Hundwil koordiniert Gemeindepräsidentin Margrit Müller mit dem Gemeindeführungsstab den Helferpool, der auch die Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten sicherstellen soll. «Auf unseren Aufruf hin haben sich bereits zahlreiche Freiwillige gemeldet.» Derzeit gebe es aber noch kaum Anfragen nach Hilfe. Das verwundert sie nicht. «Wir sind ein kleines Dorf, in dem man sich kennt und gegenseitig hilft.» Sie habe zusätzlich Mitarbeiter und Helfer angewiesen, im eigenen Umfeld die Augen offen zu halten und ihr Personen zu melden, die allenfalls Hilfe benötigen.

«Wir sind erst am Anfang des Marathons. Wichtig ist, dass wir parat sind, wenn es losgeht.»

In Teufen erledigt Thomas Ortlieb Beck, Leiter der Kinder- und Jugendarbeit, gemeinsam mit einem Mitarbeiter die Einkäufe für Einwohner über 65 Jahre. «Weil die meisten unserer Projekte sistiert sind, haben wir Kapazität dafür.» Der Service erfreue sich jetzt schon grosser Beliebtheit, so Ortlieb. «Vermutlich, weil er unkompliziert ist. Die Leute schreiben uns eine E-Mail oder rufen an. Die Rechnung erhalten sie direkt von der Gemeinde.»

Die meisten Gemeinden versuchen zu vermitteln

Fast alle Gemeinden geben auf der Website eine Telefonnummer an, unter der sich Personen melden können, die Unterstützung bei den Einkäufen oder Botengängen benötigen. Die Gemeinde Bühler bietet per sofort eine Anlaufstelle, die Anliegen und Angebote zusammenzubringen versucht. Auch die Gemeindeverwaltungen von Gais oder Grub versprechen dies. Bei Letzterer koordiniert Gemeindemitarbeiterin Nadine Germann die Einkaufshilfe für Risikogruppen oder Beschäftigte des Gesundheitsbereichs. Sie kann sich über zahlreiche Freiwillige freuen, die ihre Hilfe anbieten wollen. «Doch das Angebot wurde bis jetzt noch nicht in Anspruch genommen.»

Auf der Website der Gemeinde Heiden finden sich zahlreiche Hilfsangebote verschiedener Anbieter von Pro Senectute bis hin zu einer WhatsApp-Gruppe. Auf der Website von Herisau findet sich ein eigener Link, der zu einer grossen Anzahl lokalen Organisationen und Firmen führt, die Hilfe anbieten. Lutzenberg hat das Angebot des Frauenvereins aufgeschaltet. Die Gemeindeverwaltung von Rehetobel nimmt während der ordentlichen Öffnungszeiten per Telefon Unterstützungsangebote entgegen und vermittelt diese weiter. Reute prüft einen Hauslieferdienst für Nahrungsmittel und ob dafür eine Nachfrage besteht. In Schönengrund finden sich zahlreiche Hinweise auf Lieferdienste im Dorf. Speicher verfügt über eine Hotline für Senioren. In Stein verspricht die Gemeindekanzlei, Hilfe zu vermitteln, und sucht noch Helfer. In Trogen läuft bereits seit Mitte März die Aktion «Wir posten für Sie». Waldstatt verweist auf den Frauenverein. Und Walzenhausen listet zahlreiche Angebote von Lieferservices, bietet aber auch telefonische Unterstützung an. Wolfhalden koordiniert die Einkaufshilfe mit den Landfrauen.