Ab Montag werden in den Ausserrhoder Spitälern wieder alle Eingriffe gemacht ++ Coronakrise reisst beim Sptialverbund AR ein Loch in die Kasse

Der Spitalverbund AR stellt auf Normalbetrieb um. Noch unklar sind die finanziellen Auswirkungen der Coronakrise.

Jesko Calderara
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Mit der Lockerung der Coronamassnahmen dürfen Spitäler wieder alle Eingriffe machen.

Mit der Lockerung der Coronamassnahmen dürfen Spitäler wieder alle Eingriffe machen.

Bild: Jil Lohse

Darauf warten viele sehnlichst: Am Montag dürfen unter anderem Coiffeurbetriebe und Gärtnereien öffnen. Auswirkungen haben die ersten Lockerungen des Lockdowns auch auf die Spitäler. Sie können das zuletzt eingeschränkte Leistungsangebot hochfahren. Beim Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden (Svar) begrüsst man den Entscheid des Bundesrates. «Es ist gut, dass es nach Wochen des Ausnahmezustandes allmählich wieder Richtung Normalität geht», sagt Svar-Mediensprecher Alain Kohler. Corona werde die Spitäler allerdings noch lange beschäftigen. Umso notwendiger sei es, all jene nicht zu vergessen, die unabhängig davon auf medizinische Versorgung angewiesen sind. Für die Gesundheit dieser Patienten sei es wichtig, sich behandeln lassen zu können, sagt Kohler. «Ansonsten sind negative Folgen für die Betroffenen nicht ausgeschlossen.»

Konkret darf der Svar, wie alle Spitäler in der Schweiz, nebst akuten auch wieder planbare medizinische sowie chirurgische Behandlungen und Eingriffe durchführen. Dies trifft auch auf die Sprechstunden an den Standorten in Herisau und Heiden zu.

Ansteckungsgefahr im Spital kleiner als üblich

Die Zahl der hospitalisierten Covid-Patienten hat sich in Appenzell Ausserrhoden wie andernorts auf tiefem Niveau eingependelt. Sie werden im Spital Herisau behandelt. Dringend benötigte medizinische Behandlungen wurden während der vergangenen Wochen jedoch sowohl in der Hinterländer Gemeinde als auch in Heiden durchgeführt. Ebenso liefen die Notfallstationen, Geburtsabteilungen und andere Bereiche regulär.

Ab Montag gilt nun wieder der Normalbetrieb. Aus Angst vor dem Coronavirus verzichteten zuletzt viele auf den Gang ins Spital. Für Kohler sind solche Bedenken unbegründet. Die Gefahr, sich im Spital mit dem Virus zu infizieren, sei deutlich niedriger als im Alltag. «Dank der strikten Einhaltung der hygienischen Massnahmen und der zusätzlichen Präventionsmassnahmen im Spital werden die Patienten sicher durch ihren ambulanten oder stationären Spitalaufenthalt begleitet.» Zur Sicherheit trägt unter anderem die Vortriage beim Spitaleintritt bei. Dadurch sind die Patientenwege räumlich vollständig voneinander getrennt. Isolierzimmer, wie sie für Covid-19-Kranke benötigt werden, sind abgesehen davon gemäss Kohler in einem Spital nichts Neues. Sie werden bei jeder Grippewelle oder anderen ansteckenden Krankheiten benötigt.

Kurzarbeit wurde vorsorglich beantragt

Allen Vorsichtsmassnahmen zum Trotz ist der Svar nach eigenen Angaben vorbereitet, sollte eine zweite Welle der Coronapandemie kommen. Kohler betont auch, dass die Lockerung nur aufrechterhalten werden kann, wenn Hygienemassnahmen und das Social Distancing im Alltag weiterhin strikte eingehalten werden.

Die Coronakrise hat für den Spitalverbund wirtschaftliche Auswirkungen. So mussten Kapazitäten freigespielt werden, um für einen Ansturm von Coronapatienten gewappnet zu sein. Die befürchtete Überbelastung blieb jedoch aus – gleichzeitig auch die Patienten. Die Bettenauslastung sank auf 30 bis 50 Prozent. Die Massnahmen reissen beim Svar ein Loch in die Kasse, wie CEO Paola Giuliani kürzlich gegenüber dieser Zeitung bestätigte. Wie hoch dieses ausfällt, lässt sich zurzeit noch nicht abschätzen. Trotzdem wurde an den drei Standorten in Herisau und Heiden noch keine Kurzarbeit eingeführt. Eine entsprechende Voranmeldung hat der Svar jedoch vorsorglich gemacht.