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Einfamilienhaus für 11 982 Franken

WATTWIL. Erbaut wurde die Brendi-Siedlung in den Jahren 1940/ 1941 nach den Ideen von Rudolf Heberlein. Er hatte bei Reisen in die USA das Konzept ringförmig angelegter Bungalowsiedlungen kennen gelernt und verpflanzte es nach Wattwil.
Martin Knoepfel

WATTWIL. Erbaut wurde die Brendi-Siedlung in den Jahren 1940/ 1941 nach den Ideen von Rudolf Heberlein. Er hatte bei Reisen in die USA das Konzept ringförmig angelegter Bungalowsiedlungen kennen gelernt und verpflanzte es nach Wattwil. Das Land in der Brendi gehörte der Firma Heberlein, war aber für industrielle Zwecke nicht gut nutzbar, da es geneigt und zudem feucht war. Das kann man der Broschüre zum 50-Jahr-Jubiläum der Siedlung entnehmen.

50 Rappen pro Quadratmeter

Die Firma Heberlein verkaufte das Bauland für einen symbolischen Preis von 50 Rappen pro Quadratmeter. Ein Einfamilienhaus in der Brendi kostete 1941 lediglich 11 982 Franken. Um die Teuerung seit dem April 1941 zu berücksichtigen, muss man die Zahlen versechsfachen, wenn man sich am Landesindex der Konsumentenpreise orientiert. Das Bauland kostete also nach heutigem Geldwert drei Franken pro Quadratmeter, während ein Haus für etwas weniger als 72 000 Franken erhältlich war.

Die Häuser der Brendi-Siedlung wurden 1941 von der Ersparnisanstalt Lichtensteig zu 100 Prozent belehnt. Die Firma Heberlein bürgte im Hintergrund für den Fall, dass ein Hausbesitzer zahlungsunfähig wurde. Arbeiterfamilien konnten so ohne Eigenkapital ein Haus mit Umschwung kaufen. Dieser Umstand und die Konzeption der Siedlung stiessen damals landesweit auf Interesse.

Als Käufer der Häuser kamen jedoch nur Arbeiter und Angestellte des Heberlein-Konzerns in Frage, die eine Familie hatten. Personen, die in einer anderen Firma arbeiteten, Kaderleute von Heberlein oder kinderlose Heberlein-Arbeiter durften nicht kaufen. Diese Bedingungen konnte man stellen, da die Nachfrage die Zahl verfügbarer Häuser – es waren 26 – übertraf. Wer welches Haus auswählen durfte, wurde mit einem zweistufigen Losverfahren ermittelt. Nur der Bauführer, Paul Bollinger, konnte wegen seiner Verdienste um die Siedlung sein Haus selber auswählen.

Rückkaufsrecht der Firma

Die Firma Heberlein behielt sich das im Grundbuch eingetragene Recht vor, die Häuser der Brendi-Siedlung jederzeit zurückzukaufen. Wenn ein Hausbesitzer bei Heberlein kündigte, musste er das Haus an die Firma verkaufen. Diese wählte aus den Interessenten den neuen Käufer aus. Bis 1983 musste man bei Heberlein arbeiten, um ein Haus in der Brendi-Siedlung kaufen zu können. Um 1980 bot die Firma den Hausbesitzern an, das Vorkaufsrecht abzulösen, und diese nutzten die Chance. Dass die Firma aufs Vorkaufsrecht verzichtete und in jener Zeit auch Häuser mit Mietwohnungen verkaufte, hatte zwei Gründe: die finanziellen Probleme der Firma und der Renovationsbedarf, der sich abzeichnete. Heute sind alle Brendi-Häuser in Privatbesitz.

«Es gibt nur wenige Handwechsel in der Brendi-Siedlung. Es herrscht ein guter Quartiergeist. Jeder kennt jeden», sagen Simon Seiler, Thomas Rüegg und Simon Schlumpf vom Organisationskomitee für das Jubiläumsfest der Brendi-Siedlung. Und sie verhehlen nicht, dass es Glück braucht, um eines der Häuser erwerben zu können.

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