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Einer ohne «Liichemaatel»

APPENZELL. Während sieben Jahren präsidierte Landammann Roland Inauen die Rhode Lehn. Zu seinem Nachfolger wurde an der Rhodsgemeinde 2014 Erich Koller gewählt. Der Pöstler und Laienschauspieler hatte noch nie ein politisches Amt inne.
Rosalie Manser
Die Rhodskommission der Lehner Rhode lud 2013 erstmals zu einem Abendspaziergang entlang einem Teil der Rhodsgrenze ein. (Bild: Monica Dörig)

Die Rhodskommission der Lehner Rhode lud 2013 erstmals zu einem Abendspaziergang entlang einem Teil der Rhodsgrenze ein. (Bild: Monica Dörig)

«Ich kam zu meinem Amt wie die Jungfrau zum Kinde», beschreibt Erich Koller seine letztjährige Wahl zum Hauptmann der Rhode Lehn. Sieben Kandidatennamen wurden aus der Menge gerufen, und letztlich erhielt der 46jährige Postangestellte am meisten Stimmen. «Die Fussstapfen, in die ich damit trat, sind gross. Es kann schliesslich nicht jeder von sich behaupten, Amtsnachfolger des Landammanns zu sein», sagt Erich Koller und lacht. Roland Inauen hat sein Amt schweren Herzens niedergelegt. «Rhodshauptmann zu sein war für mich immer eine Herzensangelegenheit. Aber mit meiner Funktion als Landammann lässt sich dies leider Gottes nicht mehr vereinbaren, zumal die Rhodsgemeinde gleich im Anschluss an die ordentliche Landsgemeinde stattfindet.» Mit Erich Koller steht der Rhode damit seit langem jemand vor, der kein politisches Amt innehat. Es existierte früher deshalb das geflügelte Wort «en Hopme sött en Liichemaatel aa haa», was so viel bedeutet wie ein Rhodshauptmann sollte Kantonsrichter oder Standeskommissionsmitglied sein. Vertreter dieser Gremien tragen an der Landsgemeinde traditionell schwarze Ratsmäntel, umgangssprachlich «Liichemeentel» genannt.

Erste Rhodswanderung

Worüber Erich Koller an seiner ersten Rhodsgemeinde als Hauptmann sprechen wird, weiss er noch nicht. Er werde sicherlich etwas aus der jahrhundertealten Geschichte der Rhoden pflücken. Er warte erst einmal die Kommissionssitzung ab, die immer Ende März stattfindet. Zu dieser einmaligen jährlichen Sitzung gehört jeweils auch das sogenannte «Liichemöhli». Ansonsten ist das Jahresprogramm einer Rhode nicht gerade reich befrachtet. Höhepunkt ist die Rhodsgemeindeversammlung. Vor zwei Jahren führten die Lehner Rhodsangehörigen erstmals eine Rhodswanderung durch. Ziel dieses Ausflugs war es, den Mitgliedern den ehemaligen Grenzverlauf der eigenen Rhode aufzuzeigen. «Sehr schön zu beobachten ist, dass vermehrt auch wieder junge Appenzellerinnen und Appenzeller Interesse an der Geschichte ihrer Vorfahren haben und Traditionen zusehends ins Bewusstsein gelangen», freut sich Roland Inauen.

Die Reichsten und Grössten

Rund dreihundert Angehörige der Rhode Lehn treffen sich jedes Jahr gleich im Anschluss an die Landsgemeinde vor dem Bezirksgebäude Appenzell am Marktplatz zur «Rhodsgmeend». Die Lehner Rhode ist denn auch die eigentliche «Hofer» Rhode, die Rhode des Hauptortes. Im Gegensatz zu den Rhoden Schwende, Rüte und Gonten, deren Territorium identisch ist mit den heutigen Bezirken gleichen Namens, deckt sich der Grenzverlauf der Rhode Lehn nicht mit demjenigen des heutigen Bezirks Appenzell. Dem Umstand, dass der Lehner Rhode früher viele finanzkräftige Geschäftsleute angehörten, ist es zu verdanken, dass der Vorstand auch heute noch mit rund 160 000 Franken eine stattliche Summe zu verwalten hat. Seit jeher gelten die «Lehner» als die Reichen. «Me hend halt all e chli ghuused», erklärt Erich Koller das Rhodsvermögen. Auch hat die Rhode mit 37 verschiedenen Familiennamen, die im Rhodsbüchlein aufgeführt sind, die meisten Genossinnen und Genossen. Der Lehner Rhode zugehörig sind alle mit dem Nachnamen Bischofberger, Fritsche, Graf, Haas, Inauen, Knechtle, Koch, Kölbener, Oertle, Rusch, Speck oder Sutter. Bei anderen Nachnamen wie Neff, Büchler oder Koller ist je nach Spitznamen auch eine andere Rhodszugehörigkeit möglich.

Rhodsfünfliber für Jungbürger

Das Rhodsvermögen wird jeweils geringfügig geschmälert, wenn der sogenannte Rhodsfünfliber oder das Rekrutengeld ausbezahlt werden. Den Rhodsfünfliber dürfen sich alle Jungbürger nach dem Besuch der Rhodsgemeinde beim Kassier abholen. Genaugenommen sind es zwei «Backnasli» – auch bei den Rhoden wird der Teuerung Rechnung getragen. Anspruch auf das Rekrutengeld, das bei den «Lehnern» 80 Franken beträgt, haben alle Frauen und Männer, die der Rhode angehören und die Rekrutenschule oder den Zivildienst abgeschlossen haben. Das Geld muss persönlich und mit Vorweisen der entsprechenden Belege eingefordert werden. «Viele wissen nicht mehr um dieses Recht. Ich selbst holte mir den Rhodsfünfliber und das Rekrutengeld auch nur deshalb ab, weil mich damals mein Vater darauf hingewiesen hat», erinnert sich Erich Koller. Manche besinnen sich auch erst spät auf ihr Recht: «Als ich Rhodshauptmann war, kam einmal ein älterer Herr nach der Rhodsgemeinde zu mir und erklärte mir im geschliffensten Hochdeutsch, er sei an seiner ersten Rhodsgemeinde und frage sich, ob er auch Anrecht auf den Rhodsfünfliber habe. Obwohl er in Bremen aufgewachsen sei und lange dort gewohnt habe, sei er ein waschechter <Böhli>», gibt Roland Inauen eine Anekdote preis.

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