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Ein 1.August-Redner, der viel zu erzählen hat

Die Bundesfeier in Weissbad wartet dieses Jahr mit einem besonderen Festredner auf. Am Mikrofon wird mit Usama Al Shahmani ein irakischer Flüchtling stehen. Seine Geschichte ist ungewöhnlich.
Karin Erni
Autor Usama Al Shahmani ist viel mit dem Zug unterwegs. (Bild: Karin Erni)

Autor Usama Al Shahmani ist viel mit dem Zug unterwegs. (Bild: Karin Erni)

Usama Al Shahmani erwartet die Schreibende für den Interviewtermin am Bahnhof Frauenfeld. In modischen Jeans, salopper Umhängetasche und kariertem Wanderhemd ginge er problemlos als Durchschnittschweizer durch, wären da nicht der etwas dunklere Teint und der krause Haarschopf. Die bildhaften Sätze kommen in nahezu perfektem Deutsch aus seinem Mund. Man merkt, die Sprache ist sein Werkzeug. Usama Al Shahmani hat in seinem Heimatland Irak arabische Sprache und moderne arabische Literatur studiert und mehrere Bücher darüber publiziert. Mit einem Theaterstück fiel er beim Regime von Saddam Hussein in Ungnade und musste 2002 fliehen.

Die Flucht führte ihn in die Schweiz. Hier habe er sich erst einmal nur fremd gefühlt, so der 47-Jährige. «Ich kam mir vor wie ein kleines Kind, das in eine Welt hineingeboren wurde, von der es nichts weiss. Alles war neu für mich. Die unverständliche Sprache, wie man sich im Alltag verhält, die Kinder erzieht oder wie man ein Gespräch beginnt.» Er habe sich entschieden, so gut Deutsch zu lernen, dass er Bücher schreiben und seine Gefühle in dieser Sprache ausdrücken könne. Die Sprachkurse habe er selber bezahlt, sagt Al Shahmani. «Das meiste habe ich mir aber durch das Lesen von Büchern beigebracht.» Heute versteht er auch problemlos Schweizerdeutsch, denn er wohnt mit seiner Frau und zwei Kindern in Frauenfeld.

Mit Büchern die Lebensgeschichte verarbeiten

Usama Al Shahmani arbeitet als Autor, Kulturvermittler und Dolmetscher. Daneben ist er in einem 50-Prozent als Mensa-Mitarbeiter in der PMS Kreuzlingen tätig. Er übersetzte deutsche Literatur wie «Fräulein Stark» von Thomas Hürlimann, «Der Dichter am Bahnhof» von Ivo Zanoni oder «Der Islam» von Peter Heine ins Arabische. Zwei Bücher hat er auf Deutsch geschrieben. «Die Fremde – ein seltsamer Lehrmeister» hat er zusammen mit der Autorin Bernadette Conrad verfasst. Es handelt vom Spagat zwischen Terror dort und Sicherheit und Frieden hier. Aber auch von Krieg, Flucht, Fremdheit und seinem neuen Leben in Frauenfeld. Im neuen Buch «In der Fremde sprechen die Bäume arabisch», das im August im Limmat-Verlag erscheint, thematisiert er die Zeit nach seiner Flucht in die Schweiz, als sein Bruder Ali in Bagdad spurlos verschwand. Bis heute konnte der Fall nicht aufgeklärt werden.

Usama Al Shahmani möchte bald die Schweizer Staatsbürgerschaft erlangen. «Das gäbe mir und meiner Familie Sicherheit.» Eine Rückkehr in den Irak kann er sich nicht mehr vorstellen. Die Person Saddam Hussein wurde zwar gestürzt, doch das System sei totalitär geblieben. Die Mitglieder der Partei seien noch immer in wichtigen Positionen. Vor einem Jahr habe er seine Familie in Bagdad besucht. «Ich habe mich fremd gefühlt und wurde wie ein Fremder behandelt.» Er durfte sich nicht zu politischen Themen äussern. «Du warst damals nicht da», habe es jeweils geheissen.

Leben zwischen zwei Kulturen

In seiner Festrede will Usama Al Shahmani das Leben zwischen den zwei Kulturen beschreiben. Er vergleicht sie mit zwei Lungen, durch die er ein- und ausatme. Die arabische Literatur sei reich an schönen Texten, sagt Shahmani. «Wenn ich den Tag mit einem arabischen Gedicht anfange, hilft mir das über schwierige Momente hinweg.» Er verhehlt nicht, unter welcher Lunge sein Herz schlägt: Es ist die Schweiz. Hier schätzt er insbesondere die Freiheit, sich zu äussern. In der Schweiz werde ein guter Umgang mit Minderheiten und Andersgläubigen gepflegt. Er bezeichnet sich als gläubig, aber nicht religiös. «Die Zeit ist reif, um den Islam, der seine Wurzeln im Frieden hat, zu reformieren. Der Koran sollte befreit werden von Texten, welche die Leute radikalisieren.»

Hinweis: Ab 18 Uhr Bundesfeier mit Apéro im Garten des Hotels Hof Weissbad. Festrede von Usama Al Shahmani. Musikalische Umrahmung mit dem Appenzeller Echo. Schluss um 19 Uhr.

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