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Einen Monat lang fremdessen

Brosmete
Karin Erni

Den älteren unter Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dürfte das Wort «Broochmoned» noch geläufig sein. Die Appenzeller Bezeichnung für den Monat Juni kommt von der mittelalterlichen Dreifelderwirtschaft, die wohl früher auch hierzulande praktiziert wurde. In einem dreijährigen Zyklus bauten die Bauern nacheinander Wintergetreide und Sommergetreide an. Danach herrschte ein Jahr lang Brache. In dieser Zeit konnte sich der Boden erholen. Die Wiederbearbeitung des brach liegenden Feldes geschah dann meist im Juni. Wenn ich den Blick über die grünen Appenzeller Hügel schweifen lasse, ist von «brach liegen» gar nichts zu sehen. Da wird gheuet, was das Zeug hält. Kaum ist die letzte Siloballe gewickelt, wird Gülle ausgespritzt, die dem Grillabend und der aufgehängten Wäsche eine feine landwirtschaftliche Note verleiht.

Brach liegt heutzutage im Juni ohnehin nichts mehr. Privat und geschäftlich häufen sich diese unsäglichen Stehanlässe, an denen zu einem Gläschen Weissen oder Prosecco mehr oder weniger üppige Kost gereicht wird. Das ist ja für einmal ganz nett, doch jeden Abend so zu verbringen, wird relativ anstrengend. Es drohen Krampfadern vom langen Stehen und die Kalorien des Alkohols und der Häppchen lagern sich bevorzugt auf den Hüften ab. Ich bin schon versucht gewesen, meinen Kühlschrank im Juni gar nicht mehr zu füllen, sondern einfach die nächste Einladung abzuwarten.

Dass all diese gesellschaftlichen Anlässe praktisch gleichzeitig stattfinden, hat wohl mit den bevorstehenden Sommerferien und der erwarteten Flaute zu tun. Dieses Verhalten scheint mir nicht mehr zeitgemäss. Der Trend geht ja heute eher dazu, den Sommer in heimischen Gefilden zu verbringen und im Herbst zu verreisen. Die vielen Daheimgebliebenen würden es sicher schätzen, auch mal im Juli oder August in den Genuss eines feinen Apérölis zu kommen!

Karin Erni

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