Einen Doppelgänger, bitteschön

Treffen zwei Freundinnen in einer Bar auf Walter Andreas Müller. Nicht den Echten. Nur auf einen Mann, der ihm ähnlich sieht. Er ist wohl älter. Verbrauchter. Eine aussergewöhnliche Mimik verleiht ihm jedoch den jungenhaften Schalk des «Fascht e Familie»-Lieblings.

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Treffen zwei Freundinnen in einer Bar auf Walter Andreas Müller. Nicht den Echten. Nur auf einen Mann, der ihm ähnlich sieht. Er ist wohl älter. Verbrauchter. Eine aussergewöhnliche Mimik verleiht ihm jedoch den jungenhaften Schalk des «Fascht e Familie»-Lieblings. Ein Liebling ist auch dessen Doppelgänger, darüber werden die zwei Freundinnen schnell einig. Und das sorgsam zurückgekämmte Haar, die vermeintlich klar-blauen Augen lassen sie bald den Atem seines einsamen Tages vergessen. Die Hände hinter dem Rücken gefaltet, kommt nun Walter Andreas Müllers Doppelgänger auf die zwei Freundinnen zu. «Entschuldigen Sie bitte, die Damen. Wo ist denn hier die Toilette, bitteschön?» Die Freundinnen deuten auf die Tür geradeaus. «Ah», erwidert er, «Dankeschön, die Damen. Und entschuldigen Sie mich. Bitteschön.» Die Freundinnen nicken lächelnd. Er lächelt zurück. Wird ernst. «Entschuldigen Sie bitte, die Damen», fährt er gegen die eine gerichtet fort, «Sie sind eine Frau Pfarrer, nicht wahr?» Die Freundinnen sind verblüfft. Tatsächlich: Die eine studiert Theologie. «Woher wissen Sie das?», fragt sie. Er lacht. Wird ernst. «Das sehe ich an Ihrer Physogo… Physiogo… Phy-si-o-gno-mie.» Die Freundinnen lachen. Er lacht mit. Wird ernst. «Die Damen lachen mich doch nicht etwa aus?» «Nein, nein», wehrt die andere ab, «Sie sind bloss so… so herzig.» Er errötet. Lächelt. Wird ernst. Da fügt die andere hinzu: «Sie haben im übrigen ebenfalls eine bemerkenswerte Physo… Phy-si-o-gno-mie. An irgendjemanden erinnern Sie mich... Ein Schauspieler…» «Doch nicht etwa an WAM?», fährt er ein. «An wen?», fragen die zwei Freundinnen. «Na, an Walter Andreas Müller», erklärt er. «Ja, genau!», ruft die andere, «Sie haben etwas von Walter Andreas Müller.» «Ach was», winkt er errötend ab. Alle drei lachen. Er wird ernst. «Es freut mich ungemein, mit zwei jungen Damen plaudern zu dürfen.» «Die Freude ist ganz unsererseits», entgegnen sie lächelnd. Er lächelt zurück. Wird ernst. «Entschuldigen Sie bitte, die Damen. Wo ist denn hier die Toilette? Bitteschön.» Die zwei Freundinnen deuten auf die Tür geradeaus. «Ah», erwidert er, «Dankeschön, die Damen. Und entschuldigen Sie mich. Bitteschön. Dankeschön.»

Susanna Schoch

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