«Eine unerfreuliche Situation»

Über 30 Interpellanten im Kantonsrat sorgen sich um die Zukunft der Toggenburger Bergbahnen. Auch der Regierungsrat ist der Ansicht, der Konflikt könne den Tourismus negativ beeinflussen.

Martin Knoepfel
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ST. GALLEN. Das Ausscheren der Toggenburger Bergbahnen aus der gemeinsamen Sommer- und Wanderkarte hat auch zu einem Vorstoss im Kantonsrat geführt. In einer Interpellation vom 2. Juni 2015 hatten Christoph Thurnherr (SP/Wattwil) und Maria Huber (SP/Rorschach) dem Regierungsrat verschiedene Fragen gestellt.

So wollten sie unter anderem wissen, ob die Toggenburger Bergbahnen mit ihrem Verhalten die Voraussetzungen der Investitionshilfen von 2003 unterlaufen hätten. Weiter fragen sie, ob der Regierungsrat bei den Verhandlungen über die Leistungsvereinbarung Tourismus Druck für eine engere Zusammenarbeit der Leistungsträger im Toggenburg ausüben könne.

Schliesslich sorgen sich die über 30 Interpellanten, dass der Streit unter den Bergbahnen die Chance der Vorlage für das Klanghaus in Unterwasser verringern könnte. Zu den Interpellanten zählen alle Toggenburger Kantonsräte.

«Möglichst bald bereinigen»

Nun liegt die Antwort des Regierungsrats vor. Darin schreibt die Regierung, dass der aktuelle Konflikt um Tarife negative Auswirkung auf den Tourismus im Toggenburg haben können. Die Regierung spricht von einer unerfreulichen Situation, die man möglichst bald bereinigen solle. Die enge Zusammenarbeit der regionalen Leistungsträger sei nötig, damit sich eine touristische Destination erfolgreich entwickeln könne. Gerade in ländlichen Regionen spiele die Zusammenarbeit zwischen Bergbahnen, Hotels und weiteren Leistungsträgern eine zentrale Rolle.

Im Toggenburg seien Logos und Auftritt nun koordiniert. Weitere Schritte müssten folgen, vor allem eine gemeinsame Strategie, schreibt der Regierungsrat in der Interpellationsantwort. Wenn das nicht gelinge, habe das Nachteile fürs Toggenburg im Wettbewerb mit koordiniert auftretenden Regionen zur Folge.

«Politik hat Druck aufgebaut»

Der Regierungsrat will deshalb im ganzen Kanton, nicht nur im Toggenburg, darauf hinwirken, dass die touristischen Anbieter enger zusammenarbeiten. Er will konkret weitere Darlehen für Investitionen an eine noch engere Zusammenarbeit der Bergbahnen im Toggenburg knüpfen, eventuell bis hin zur Fusion.

Der Interpellant, Christoph Thurnherr (SP/Ulisbach), lobt die Antwort des Regierungsrats als klar. Es sei aber erst ein Silberstreifen am Horizont. Die Politik habe nun so viel Druck für eine Einigung aufgebaut wie sie aufbauen könne.

Der Regierungsrat mache in der Interpellationsantwort klar, dass es künftig keine Fördergelder für die Bergbahnen im Toggenburg mehr geben werde, wenn die Bergbahnen Toggenburg und die Bergbahnen Wildhaus sich nicht einigten. Das heisse nicht unbedingt, dass die Bergbahnen fusionieren müssten. Materiell gebe es zwar keinen Zusammenhang zwischen dem Bergbahnen-Streit und dem Klanghaus im Toggenburg, räumt Christoph Thurnherr ein. In der Bevölkerung werde dieser Zusammenhang aber sehr wohl hergestellt, wenn ein Klanghaus auf der Grenze zwischen den Gebieten der Bergbahnen Wildhaus und Toggenburg erstellt werden solle. Davon ist der Interpellant überzeugt. Wenn sich die Bergbahnen nicht einigten, drohe dem Toggenburg ein Imageschaden.

Bedingungen von 2003 erfüllt

Mit der Fusion von zwei der drei Bergbahnen sind nach Ansicht des Regierungsrats die Bedingungen erfüllt, die ans Darlehen aus dem Jahr 2003 geknüpft wurden. Das Klanghaus in Unterwasser sei dagegen eine kulturpolitische Initiative. Man sollte diese nicht mit dem Streit zwischen den Bergbahnen vermischen, hält der Regierungsrat abschliessend fest.