Eine TV-Journalistin baut Gärten

Acht Jahre lang war sie Produzentin beim Schweizer Fernsehen. Nun steigt Monika Waldburger ins Gartenbauunternehmen ihrer Familie ein. Ihre Eltern haben den Betrieb vor 40 Jahren in Herisau gegründet.

Michael Genova
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Bereit für den Generationenwechsel: Monika Waldburger mit ihren Eltern Christian und Sybille Waldburger. (Bild: mge)

Bereit für den Generationenwechsel: Monika Waldburger mit ihren Eltern Christian und Sybille Waldburger. (Bild: mge)

HERISAU. Im Sommer 2013 leitete Monika Waldburger in Herisau als Produzentin für das Schweizer Fernsehen die Übertragung von «SRF bi de Lüt». Wenige Monate und einige Livesendungen später war sie zurück in Herisau. Ihren Job beim Fernsehen hatte sie an den Nagel gehängt und ihren Eltern eröffnet, dass sie in den elterlichen Gartenbaubetrieb einsteigen wollte. An diesem Dienstagmorgen sitzen sich Tochter und Eltern im Herisauer Schochenberg gegenüber. Wahrscheinlich stehen die drei für eine neue Art, wie Familienunternehmen ihre Nachfolge heute regeln. Ohne Zwang, doch mit einer leisen Hoffnung: Erst den Kindern ermöglichen, sich selbst zu verwirklichen, und vielleicht finden sie nach einigen Wanderjahren von alleine zurück in die Heimat. Bei Monika Waldburger, die zwei jüngere Brüder hat, hat sich diese Hoffnung erfüllt. Vater Christian sagt: «Es ist im richtigen Moment das Richtige eingetreten.»

Ein kompromissloser Weg

Nach dem Studium kam Monika Waldburger als Redaktorin zum Schweizer Fernsehen. «Ich habe meinen Job zu 150 Prozent und mit jeder Faser gemacht», sagt sie. Warum der plötzliche Wechsel? Über Nacht sei der Entschluss nicht gekommen, eher gereift. Der Vater hakte immer mal wieder nach und versuchte, die Tochter zum Einstieg ins Familienunternehmen zu bewegen. Lange war dies für Monika Waldburger kein Thema, doch unterbewusst beschäftigte sie die Frage weiter. Dass der erfüllende, aber stressige Job als Fernsehproduzentin zuletzt an ihr zehrte, muss ihre Entscheidung beschleunigt haben. Sie sei in den vergangenen 15 Jahren ihren Weg ohne Kompromisse gegangen, sagt sie. «Ich habe im Moment gelebt und bin nun bereit für etwas Neues, ohne das Alte zu vermissen.» Im Mai 2014 stand Monika Waldburger zum erstenmal wieder im elterlichen Betrieb. «Es fühlte sich an wie das Normalste der Welt», sagt sie rückblickend. Letztlich könne sie ihre Entscheidung rational nicht erklären.

Mit zwei Mitarbeitern gestartet

Im Besprechungszimmer erzählt Christian Waldburger, wie er 1975 mit seiner Frau Sybille und zwei Mitarbeitern am ursprünglichen Standort im Heinrichsbad startete. Der 66-Jährige hatte damals gerade seine Meisterprüfung als Gärtnermeister abgelegt. Das Umfeld sei schwierig gewesen, die Immobilienkrise gerade abgeklungen, sagt er. «Doch schon nach einem Jahr hatten wir zehn Mitarbeiter.» In grossen Schritten ging es weiter: 1981 wurden im Schochenberg ein Werkhof und ein Pflanzencenter eröffnet. Drei Jahre später hatte das junge Unternehmen bereits 30 Angestellte. Seit 2000 befindet sich der Betrieb an der St. Gallerstrasse und beschäftigt heute rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Christian Waldburger ist ein leutseliger Unternehmer und ein begnadeter Verkäufer. Auch nach 40 Jahren brennt er noch für seinen Beruf. Warum seine Gärten so begehrt sind? «Leute mit einem schönen Garten haben viel mehr Erfolg im Leben», behauptet er vergnügt.

Mit dem Loslassen klappt es

Während ihr Ehemann den Betrieb gegen aussen vertrat, kümmerte sich Sybille Waldburger um die Finanzen und die Administration. Zur Entscheidung ihrer Tochter sagt sie knapp: «Mutig!» Dass es Vater und Tochter im Ablösungsprozess so weit gebracht hätten, sei erstaunlich. «Mein Ehemann ist sonst eher der dominante Typ.» Der Angesprochene hebt die Augenbrauen und sagt mit einem Schmunzeln: «Ich bin plötzlich in einer Situation, in der mir jemand die Stirn bietet.»

Zurzeit wohnt Monika Waldburger in Winterthur und pendelt drei Mal pro Woche nach Herisau. Mittelfristig wird sie mit ihrem Lebenspartner in die Nähe ziehen, der sich im Betrieb ums Finanzielle kümmern wird. Angst, dass ihr die Welt in Herisau zu klein werden könnte, hat sie nicht. Im Gegenteil: Im Moment sei die Herausforderung eher noch etwas zu gross.

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