«Eine Spur mehr brahmsen bitte»

Seit einigen Jahren feiert der Kirchberger Musiker Otto Horsch seinen Geburtstag jeweils mit einem öffentlichen Konzert. Am Sonntag, 9. November, ist es wieder so weit. Auf dem Programm im Konzert in der Alten Zwirnerei in Bazenheid stehen Brahms und Beethoven.

Peter Küpfer
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Probearbeit für das Konzert in Bazenheid. Thomas Fele (Klarinette, Solist), Otto Horsch (1. Violine und Leitung), Johannes Pfister, Philip Horsch sowie Hansruedi Nick (von links). (Bild: Peter Küpfer)

Probearbeit für das Konzert in Bazenheid. Thomas Fele (Klarinette, Solist), Otto Horsch (1. Violine und Leitung), Johannes Pfister, Philip Horsch sowie Hansruedi Nick (von links). (Bild: Peter Küpfer)

KIRCHBERG. Auf dem schmalen Weg vor dem stattlichen Haus im Rücken des Kirchberger Kaiserhügels stehen einige Autos: Die Hausherrin geleitet den Besuch über die Terrasse vor das Musikzimmer, aus dem schon verheissungsvolle Saiten- und Klarinettenklänge ertönen. Otto Horsch ist mit seinen Musikerfreunden am Üben. Für den Sonntagnachmittag, 9. November, 16 Uhr, ist in der Alten Zwirnerei Mühlau Bazenheid wieder sein «Geburtstagskonzert» angesagt. Es ist dort seit einigen Jahren zur Tradition geworden.

Intensives Proben

Im Innern des Raumes sitzen die fünf Musiker im Kreis, umstellt von ihren Instrumentenkästen, vor ihnen die eng bedruckten Notenblätter. Es herrscht volle Konzentration, nur hin und wieder unterbrochen von Altmeister Otto Horsch, der im geprobten Brahms-Klarinettenquintett die erste Violine übernimmt. Das Ensemble mit Thomas Fele im Solistenpart kann sich nur wenige Male zu den Proben treffen. In dieser kurzen Zeit geht es vor allem um Tempi und Modulationen. «Hier», sagt Otto Horsch, und setzt den Bogen ab, «muss es noch etwas mehr ziehen in der Seele, halt ein bisschen mehr brahmsen.» Sofort wird wiederholt, der Unterschied ist mit Händen zu greifen. An anderer Stelle hätte es der langjährige Konzertmeister und Lehrer der Musikschule gerne ein bisschen «più dolce». Das alles in zugleich aufmerksamer und gelöster Stimmung – hier spielen nicht nur Musiker, die seit vielen Jahren gemeinsam auftreten, es spielen langjährige Freunde.

Der Musik ergeben

Alles, was Otto Horsch heute musikalisch leistet und gibt, hat er sich erkämpfen müssen. Das war schon in den ersten Anfängen der Fall, als der Spross der Kirchberger Drogistenfamilie seine Eltern ein Jahr lang bekniete, sie möchten ihn doch um alles in der Welt Violine lernen lassen, was schliesslich geschah. Dann gab es für den jungen Musikanten kein Halten mehr. Schon mit 14 Jahren spielte er im Kirchberger Orchester mit. Mit 16 begann er sein Musikstudium in Lausanne, das er als 20-Jähriger mit dem Diplom abschloss. Da schon damals junge Musiker nicht auf Rosen gebettet waren, schloss Otto Horsch die Drogistenlehre ab und übernahm später das elterliche Geschäft im Zentrum von Kirchberg, das er bis wenige Jahre vor der Pensionierung innehatte. Dabei hat Otto Horsch das Musizieren nicht nur weiter gepflegt, sondern aktiv mitentwickelt. So gründete er 1976 zusammen mit Remo Besion das Kirchberger Kammerorchester, bei dem er als Konzertmeister mitwirkte. Unzählige Konzerte, auch in anderen Kammermusikensembles und als Solist, zeugen von Otto Horschs persönlichem Engagement. Ganze Generationen von jugendlichen Solisten haben bei ihm, im Rahmen der Musikschule Wil und Toggenburg, ihr Instrument gelernt. Kein Wunder, dass die Wahl bei der Ausmarchung des «Kirchbergers des Jahres» schon im Gründungsjahr dieser Auszeichnung auf Otto Horsch fiel. Bei Tisch, wo Ehefrau Antoinette den Musikern ein Mittagsmahl serviert, ist auch Raum für Persönliches. Da sitzt auch Sohn Philip, talentierter Bratschist, der schon unzählige Male zusammen mit seinem Vater aufgetreten ist, bei den häufigen Konzerten im grossen Familienkreis oder auch öffentlich. Auch am 9. November ist Philip wieder dabei. Schon als Vierjähriger, so erzählt der Vater, sei Philip bei Proben in seinem Haus jeweils unter den Tisch gekrochen und habe zugehört. Warum Otto Horsch nicht nur die Violine meistere, sondern auch das ganz anders geartete Violoncello? Am Anfang habe sich seine Hingabe und seine Disziplin beim Musizieren zeitweise auch in schmerzhaften Schulterverkrampfungen ausgewirkt, erklärt er. Da habe er sich gedacht, dass das Cello rein körperlich geeigneter sein könnte. Es habe sich dann aber gezeigt, dass erst das Angehen des Problems auch von seiner seelisch-mentalen Seite her Abhilfe schaffen konnte. In dieser Hinsicht verdanke er dem Zen-Buddhismus und der Alexander-Technik viel, erklärt Horsch.

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