Eine Schule im digitalen Zeitalter

Von Donnerstag bis Samstag öffnet die Schule für Gestaltung in St. Gallen ihre Türen, um ihre Angebote zu präsentieren. Seit diesem Sommer gibt es zwei neue Lehrgänge, die als Anpassung an den digitalen Wandel lanciert wurden.

Elina Grünert
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Schülerinnen und Schüler entwickeln im neuen Lehrgang «Interactive Media Designer» der Schule für Gestaltung interaktive Medienformate. (Bild: pd)

Schülerinnen und Schüler entwickeln im neuen Lehrgang «Interactive Media Designer» der Schule für Gestaltung interaktive Medienformate. (Bild: pd)

Wer kreativ ist und sich gerne ausdrückt, ist richtig an der Schule für Gestaltung. Sie bietet elf Lehrgänge an fünf Standorten an. Dabei steht nicht nur das Kreativ-Sein im Vordergrund, sondern auch, wie Gestalter auf dem Markt bestehen können. Ausserdem können Berufsleute hier die Höhere Fachschule besuchen und sich so weiterbilden.

Von Steinmetz bis Polygraph

Die Schule für Gestaltung, die zum Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen GBS gehört, baut auf Lehre und berufsbegleitender Weiterbildung auf. In der Grundbildung gibt es 13 Lehrberufe, welche in die thematischen Bereiche Kunsthandwerk, Mediengestaltung und Medienproduktion aufgeteilt werden. Die Lehre wird mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis abgeschlossen. Darauf aufgebaut ist die Höhere Fachschule, die unter der Leitung von Kathrin Lettner steht. Als Alternative zu Fachhochschule und Universität könne ihre Schule gut mithalten, sagt Lettner. Man habe «hochwertige» Dozenten. «Sie arbeiten alle in der Praxis. Was sie erzählen, ist praxisnah und relevant.» Wer die höhere Fachschule absolviere, gehe für drei Jahre immer freitags und samstags in die Schule, sagt Lettner. «Die Höhere Fachschule ist für Personen gedacht, die sich weiterbilden und zum Beispiel eine Agentur leiten möchten.» Dabei spiele das Alter keine Rolle, deshalb seien die «Schüler» zum Teil bis 60 Jahre alt.

In Stadtgeschichte verwurzelt

Die Schule für Gestaltung hat eine lange Geschichte. Die Ursprünge gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück. «An der Kugelgasse 19, wo heute das Couture-Lehratelier ist, war damals eine reformierte Mädchenschule», berichtet Daniel Kehl, Abteilungsleiter der Grundbildung an der Schule für Gestaltung.

«Um 1800 wurde eine Sonntagsschule für Zeichner aus dem Textilgewerbe daraus.» Lange Zeit war die Schule einfach die gestalterische Abteilung der GBS. Erst in den 1990er-Jahren wurde die Abteilung zur Schule für Gestaltung, erklärt Kehl. Seitdem wurden laufend Ausbildungsgänge hinzugefügt. Deshalb ist die Schule auch mittlerweile auf fünf verschiedene Standorte verteilt.

Den Trends anpassen

Besonders stolz sind die beiden Abteilungsleiter auf zwei neue Lehrgänge, die im Sommer erstmals durchgeführt wurden. Studieren kann man jetzt nämlich auch «Interactive Media Design». Dabei lernt man zum Beispiel, eine Website oder interaktive Benutzeroberflächen zu entwickeln. Der zweite neue Lehrgang heisst «Industrial Design». Ein Industrial Designer entwirft Produkte, die ästhetisch sind und auch den Bedürfnissen der Benutzer entsprechen.

Kehl sagt, dass beide Lehrgänge eine Antwort auf den digitalen Wandel seien. «Wenn immer mehr online gemacht wird, dann sind dort eben auch ausgebildete Leute gefragt.» Generell verändere sich die Schule für Gestaltung ständig, sagt Kehl. Deshalb werde Flexibilität auch von den Lernenden erwartet. «Wer in die Gestaltung geht, liebt die Veränderung.»

Standort St. Gallen als Nachteil

Über den Ruf ihrer Schule sind sich die Abteilungsleiter einig: Die Schule für Gestaltung sei eher unbekannt. Aber sie könne weit mehr, als die meisten meinen. Kehl sagt: «Wir müssen noch Aufklärungsarbeit leisten, um zu zeigen, wie vielfältig unser Angebot ist.» Im schweizweiten Vergleich könne sich die Schule beweisen. «Aber wir müssen viel mehr tun, einfach weil wir nicht in Zürich oder Bern sind.» Jedoch sei man international gut vernetzt: In den europäischen Metropolen kenne man die «School of Design» aus St. Gallen.

Kathrin Lettner Abteilungsleiterin Weiterbildung Schule für Gestaltung St. Gallen (Bild: Elina Grünert)

Kathrin Lettner Abteilungsleiterin Weiterbildung Schule für Gestaltung St. Gallen (Bild: Elina Grünert)

Daniel Kehl Abteilungsleiter Grundbildung Schule für Gestaltung St. Gallen (Bild: Elina Grünert)

Daniel Kehl Abteilungsleiter Grundbildung Schule für Gestaltung St. Gallen (Bild: Elina Grünert)