Eine Rückkehr in die Heimat

GÄHWIL. Seit nun knapp einem Monat, seit dem 1. August, ist Pater Walter Strassmann als Wallfahrtspriester auf der Iddaburg tätig. Mit ihm ist nach Joseph Bernhard Heule wiederum ein weltoffener Priester auf die Iddaburg gezogen. Und ein Mensch mit viel Humor, der gerne lacht.

Martina Signer
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Der neue Wallfahrtspriester Walter Strassmann hat sich auf der Iddaburg eingelebt. (Bild: Martina Signer)

Der neue Wallfahrtspriester Walter Strassmann hat sich auf der Iddaburg eingelebt. (Bild: Martina Signer)

Es ist ruhig auf der Iddaburg. Wie fast immer, wenn man hier oben eintrifft. Ausser es findet gerade eine Hochzeit oder ein anderer Anlass statt. Fast ungewohnt ruhig für den neuen Wallfahrtspriester Walter Strassmann, der die letzten Jahre in einer Gemeinschaft verbracht hat. Und sich dabei wohl fühlte. «Ich hätte für mich selbst keine Stelle an einem solch ruhigen Ort ausgesucht», sagt der 72-Jährige. Als die Anfrage der Stiftung, welche die Iddaburg unterhält, aber kam, wollte er nicht ablehnen, obwohl er sich etwas schwer damit getan hat, künftig allein zu leben. Schon als Kind war er das selten, ist er doch in einer Grossfamilie aufgewachsen. «Als ich aber hierher gekommen bin und gesehen habe, was Joseph Heule alles geleistet hat, wurde mir klar: Es wäre schade, wenn seine Arbeit nicht weitergeführt werden könnte.»

Wallfahrtsort mit Atmosphäre

Das Angebot des Stiftungsrats kam zu einem Zeitpunkt, als er gerade dabei war, seinen noch relativ frischen Ruhestand zu geniessen. Doch wenn Walter Strassmann nicht ja gesagt hätte, wären auf der Iddaburg die Messen nur noch mit Aushilfspriestern möglich gewesen. Ausserdem sei die Iddaburg ein Wallfahrtsort mit Atmosphäre, und fremd ist Walter Strassmann im Toggenburg auch nicht. «Etwas unterhalb der Iddaburg sieht man das Mosliger Birg, wo ich aufgewachsen bin.» Walter Strassmann hat nun auch hier – wie er es in seinem Ruhestand genossen hat – begonnen, die Wanderwege zu erkunden. «Es ist für mich ein neues Gebiet, auch wenn ich in der Nähe aufgewachsen bin. Früher sind wir immer zu Fuss von Mosnang zur Iddaburg und wieder zurück gelaufen.»

Das restliche Gebiet rund um den Wallfahrtsort lernt er nun auf dem Velo oder zu Fuss kennen. Mit vor Schalk glänzenden Augen erinnert sich Walter Strassmann ausserdem daran, dass er in seiner Kindheit auch einmal mit dem Velo auf der Iddaburg war. «Beim Runterfahren bin ich aber auf die Nase geflogen. Die hinteren Bremsen meines Velos haben nicht funktioniert.»

Immer wieder Neues gelernt

Walter Strassmanns Werdegang als Priester ist geprägt von Veränderungen. Nie war er seinen Schilderungen zufolge lange an einem Ort. Und wenn er irgendwo länger war, gab es innerhalb seiner Tätigkeit immer wieder neue Erfahrungen. Er lernt gerne dazu und hat sein Wissen unter anderem auch als Lehrer weitergegeben. Eine Konstante gibt es aber: Die Tätigkeit als Steyler Missionar. Diese hat ihn auch nach Paraguay geführt, wo er von einem Tag auf den anderen die Verantwortung für eine ganze Pfarrei zu tragen hatte. «Ich wurde damals etwas ins kalte Wasser geworfen, aber es war eine Erfahrung, die mein Leben sehr bereichert hat.» Dort hat er auch Spanisch gelernt. Und das erste, was er im Pfarrhaus auf der Iddaburg gemacht hat, war, die Flagge von Paraguay aufzuhängen.

Ebenfalls konstant ist im Leben von Walter Strassmann die Verbindung zum Toggenburg. Schon seit etlichen Jahren hält er die Bergmessen auf der Meiersalp und der Ergeten. Das will er auch weiterhin tun. «Bergmessen in meiner Heimat sind immer ein ganz besonderes Erlebnis.» Und auf der Iddaburg habe er ja sozusagen ständig Bergmessen, sagt Walter Strassmann, auf die exponierte Lage der Iddaburg angesprochen, lachend. Auch in der Seelsorgeeinheit unteres Toggenburg, speziell in den Kirchen von Mosnang, Libingen und Mühlrüti, ist er ein gern gesehener Gast. Während seiner Tätigkeit als Lehrer, als er sonntags ziemlich frei war, konnte er an einigen Sonntagen in seiner alten Heimat die Messe abhalten.

Weltoffenheit beibehalten

Bei seinen Predigten legt Walter Strassmann Wert darauf, die Bibel mit einzubeziehen. «Die Bibel ist ein reichhaltiger Schatz, den vor allem wir Katholiken besser kennenlernen sollten.» Er orientiere sich bei seinen Predigten gerne an Stellen aus dem alten Testament, die er mit dem Evangelium in Verbindung bringe. «Wenn die Leute sich zu fragen beginnen, was die Bibel mit ihrem Leben zu tun hat, habe ich schon etwas erreicht.» Der Vorteil der Iddaburg sei dabei, dass er durch seine Predigten einen roten Faden ziehen könne. Als Aushilfe sei dies nicht möglich gewesen. «Einen Wallfahrtsort habe ich so noch nie betreut», sagt er. Aber es sei auch in seinem Alter gut, sich immer wieder auf Neues einzulassen.

Das heute nicht mehr so viele Leute wie früher die Kirche besuchen, sieht Walter Strassmann nicht als Problem oder gar als Zeichen des Untergangs. «Das muss doch heissen, dass es den Menschen gut geht. Und, dass wir mit unserer Arbeit etwas erreicht, etwas verbessert haben.» Die Kirche müsse aber ihre Funktion neu überdenken. «Wir müssen die Menschen nach wie vor für das christliche Ideengut begeistern können.» Die Weltoffenheit, welche er auf Mission in Paraguay und auch während seiner Zeit als Steyler Missionar erfahren hat, möchte Walter Strassmann auch auf der Iddaburg mit einbeziehen. Er könnte sich gut vorstellen, dass ein Pfarrer aus Afrika oder Südamerika am Sonntag die Messe auf der Iddaburg abhält, sollte er selber eine Aushilfe brauchen. «Mir ist es wichtig, dass nicht nur wir im Ausland auf Mission gehen, sondern dass auch Missionare zu uns kommen.»

Voraussetzung für die Missionare, selber eine Messe abzuhalten, ist laut Walter Strassmann, dass sie die deutsche Sprache beherrschen. Nicht nur bruchstückhaft, sondern schriftlich und mündlich. Walter Strassmann freut sich auch auf die Aufgabe, Pilger auf der Durchreise zu betreuen, möchte sich aber nicht aufdrängen. «Wenn jemand kommt, bin ich einfach da.»