Eine Revolution für den Motorradsport: ETH-Student aus Wolfhalden entwickelt Töffrahmen aus Carbon

Mit dem Ziel, den Motorradsport zu revolutionieren, haben zehn angehende Ingenieure der ETH Zürich einen neuartigen Töffrahmen aus Carbon entwickelt. Einer von ihnen ist Max Widmer aus Wolfhalden.

Claudio Weder
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Mit dem Motorradsport habe er eigentlich nichts am Hut, sagt Max Widmer. Trotzdem hat sich der Maschinenbaustudent aus Wolfhalden im vergangenen Jahr für ein Fokus-Projekt an der ETH Zürich beworben, das sich zum Ziel gesetzt hatte, die Motorradwelt zu revolutionieren. Fast ein ganzes Jahr lang tüftelte der 25-Jährige – gemeinsam mit neun weiteren angehenden Ingenieuren – an einem fahrtüchtigen Prototyp, dessen Rahmen vollständig aus Carbon besteht.

Eine Innovation. Denn bis anhin war Carbon im Motorradrennsport ein heikles Thema. Der Grund:

«Das Material ist trotz seiner Leichtigkeit relativ steif, was zu fehlendem ‹Flex›, mehr Federwirkung und somit zu schlechterem Handling führt.»

Dass es auch anders geht, haben die ETH-Studenten an der letztjährigen «Moto Student Competition» bewiesen. An diesem internationalen Wettbewerb traten sie – als erstes Schweizer Team – gegen 71 Teams von Universitäten aus 17 Ländern an. Ziel des Wettbewerbs war, innerhalb von 18 Monaten ein Motorrad zu konstruieren, das sich auf der Rennstrecke gegen die Konkurrenz behaupten konnte.

Max Widmer, ETH-Student aus Wolfhalden. (Bild: Claudio Weder)

Max Widmer, ETH-Student aus Wolfhalden. (Bild: Claudio Weder)

Aufwendige Herstellung

Das ist den angehenden Ingenieuren gelungen: Für den Motorrad-Rahmen aus Carbon gab es Lob von allen Seiten. Der neuartige Rahmen besticht durch den Vorteil, dass er sich in Schräglage beim Überfahren von Bodenwellen weniger verdreht, sodass sich dem Fahrer ein besseres Fahrgefühl bietet und man intuitiver lenken kann. Widmer erklärt:

«Das führt letztlich nicht nur zu einer besseren Performance, sondern erhöht gleichzeitig die Fahrsicherheit.»

Der Weg zum Endprodukt war allerdings ein steiniger: Denn «Carbon ist kein Metall, das man einfach vorpressen kann». Carbon ist ein Gewebe aus Fasern und einer Kunststoffmatrix, dessen Verarbeitung mühsam und zeitintensiv ist –weshalb Max Widmer einen grossen Teil seiner Freizeit opfern musste:

«Ein ganzes Semester lang arbeitete ich von morgens um sechs bis nachts um zwei Uhr.»

Max Widmer, der sich selbst eher als Praktiker denn als Theoretiker sieht, war gemeinsam mit einem Teamkollegen für die Fertigung der Carbonteile und den Bau des Töffs verantwortlich. «Bis auf wenige Ausnahmen haben wir jedes Einzelteil selbst hergestellt», erzählt er. Teile wie den Motor, die Felgen oder auch das Fahrwerk haben sie bereits als fixfertige Teile gekauft oder gestellt bekommen.

Beim Bauen waren die Studenten jedoch nicht völlig auf sich allein gestellt: Sie arbeiteten mit einem Industriepartner zusammen, der ihnen mit dem nötigen Know-how zur Seite stand und half, als es darum ging, den Töff zum Laufen zu bringen. «Zu unserer Überraschung gelang dies gleich aufs erste Mal – gerade noch rechtzeitig vor dem Wettbewerb.»

Nun beginnt die Testphase

Das Feedback der Jury war positiv. In der Kategorie «Rookies» reichte es für den dritten Platz. Doch allzu lange wolle man sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen: «Nun geht es darum, noch mehr Erfahrungswerte zu sammeln», sagt Widmer. Dazu sei ein weiteres Projekt an der ETH geplant.

Bei diesem wird Widmer allerdings nicht mehr teilnehmen, für ihn geht das Studium wieder normal weiter. Klar ist aber, dass er sich auch in Zukunft mit Carbon beschäftigen wird. Schliesslich sei es ein für die Industrie spannendes Material, da es leichtes, steifes und lastfallorientiertes Bauen ermögliche. Nur wisse man noch zu wenig darüber. Auch der Herstellungsprozess liesse sich noch optimieren, ist der Student überzeugt.

Von Donnerstag bis Sonntag findet die Motorrad-Messe «Swiss-Moto» in Zürich statt. Dort wird das Motorrad der ETH-Studenten ausgestellt sein.