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Zeitungsjubiläums-Serie: So nutzen die Jungen die Printmedien

Die Informationsquellen sind vielfältiger als früher. Die digitale Welt prägt den Alltag der Jugendlichen. Eine Zeitung aus Papier lesen? Eine Annäherung an Ansichten und Untersuchungsresultate.
Lukas Pfiffner
Die Szene in der Herisauer Sekundarschule ist gestellt; manche der Jugendlichen lesen aber tatsächlich Zeitung. (Bild: PF)

Die Szene in der Herisauer Sekundarschule ist gestellt; manche der Jugendlichen lesen aber tatsächlich Zeitung. (Bild: PF)

Schulreise einer 3. Primarklasse. In den Abteilen des Zugs Richtung St. Gallen liegen mehrere Gratisblätter auf. Kaum haben die Kinder Platz genommen, greifen sie ..... nein, (noch) nicht zu Pommes Chips oder Süssigkeiten, sondern zu den Zeitungen. Einige beginnen in ihnen zu blättern. Lest ihr die Texte, oder betrachtet ihr nur die Bilder? Die Antworten in zusammengefasster Form: «Ich lese nur die Titel.» «Wenn es etwas Spannendes ist, schaue ich auch unten im Text weiter.» «Ich habe zu Hause keine Zeitung, es ist cool, sie hier durchzusehen.» «Ich sehe das an, was unter den Fotos steht.» Ein paar Kinder beginnen über einen abgebildeten Fussballspieler zu reden; ein Autounfall in der Zentralschweiz ist das Thema eines anderen Gesprächs.

Nein, es ist also nicht so, dass im Jahre 2018 Knaben und Mädchen gedruckte Zeitungen einzig noch in Form einer schützenden Unterlage für das Werken und Zeichnen im Schulzimmer kennen und benutzen.

In zehn Jahren von knapp 50 Prozent auf 21 Prozent

«Allen Unkenrufen zum Trotz lesen die Jugendlichen in der Schweiz regelmässig Zeitung, vor allem die Pendlerzeitungen», hat die AG für Werbemittelforschung (Wemf) nach einer breit angelegten Untersuchung im Herbst 2016 festgestellt. Die Studie kommt allgemein zum Schluss: «Das Papier lebt.» Das «Leben» fällt aber offenbar immer schwerer. «Zeitungen bei Jugendlichen im freien Fall», titelte ein deutsches Statistikportal kürzlich. Eine vom Medienpädagogischen Forschungsverband Südwest (mpfs) lancierte Untersuchung zeigt die Nutzungsentwicklung von Printmedien bei Jugendlichen in unserem nördlichen Nachbarland. Im Jahr 2017 gaben 21 Prozent der befragten Jugendlichen an, täglich oder mehrmals in der Woche eine Printausgabe einer Tageszeitung zu nutzen. Zehn Jahre zuvor waren es noch knapp die Hälfte der 12- bis 19-Jährigen.

Kurz vor den Sommerferien. Ein Besuch im Herisauer Sekundarschulhaus Ebnet Ost, zweite Oberstufe. Ein Dutzend Schülerinnen und Schüler sitzt in einem Zimmer. Was lest ihr? Romane, Biografien, Schulbücher, Illustrierte, Meldungen im Internet, Botschaften in sozialen Netzwerken. «Und auch Zeitungen aus Papier.» Natürlich hat die Befragung durch den Journalisten der Lokalzeitung keinen repräsentativen Charakter. Zu gering ist die Zahl der Personen, die Auskunft geben. Aber die Schülerinnen und Schüler liefern immerhin einen Einblick in Sichtweisen und Argumente.

«20 Minuten», «Blick am Abend», «Appenzeller Zeitung»: Die deutliche Mehrheit dieser Jugendlichen sagt, sie würden gelegentlich oder mehrmals pro Woche in gedruckten Ausgaben blättern. Neun der zwölf Anwesenden erzählen, dass in ihrem Haushalt die «Appenzeller Zeitung» abonniert sei. Dieser grosse Anteil kann Zufall sein, sie mag auch mit der Zusammensetzung der Gruppe zu tun haben.

«Ich greife manchmal zur Zeitung, wenn sie bei uns zu Hause auf dem Tisch liegt», sagt eine Schülerin. Experten sind sich darüber einig, dass das familiäre Umfeld den Nachwuchs beeinflussen kann. Das Vorbild der Zeitung lesenden Eltern bewirkt in manchen Fällen, dass sich die Jugendlichen ebenfalls dem Printmedium zuwenden – aber nicht immer. Und wer sich schon als sehr junger Mensch mit Zeitungstexten beschäftigt (zum Beispiel mit speziellen Kinderseiten), wird im Teenageralter mit grösserer Wahrscheinlichkeit Printmedien nutzen.

«Da stehen vor allem Sachen für Erwachsene»

Zu viele lange Text besitze die gedruckte Zeitung, zu umfangreich sei sie, meist zu wenig reizvoll punkto Aufmachung, wird in der Gruppe der Jugendlichen gesagt. «Man muss in der Zeitung häufig zuerst suchen, was man überhaupt lesen will», meint ein Schüler. Für junge Leute interessante Themen seien in der Zeitung eben nicht sofort sichtbar. «Da stehen vor allem Sachen für Erwachsene.» Langsamer und weniger spektakulär als ein Online-Medium ist eine Printausgabe einer Zeitung auch. «Ein Vorteil, wenn ich mich im Internet informiere: Manche Meldungen werden mit Filmen unterstützt, sind so attraktiver.»

Diesbezüglich holen die Tageszeitungen auf. Aus der erwähnten Schweizer Studie geht nämlich hervor: «Zahlreichen Printtiteln gelingt es sehr gut, parallel zur Zeitungsleserschaft digitale Angebote im Markt zu verankern. Stark wächst die Nachfrage nach journalistisch aufbereiteten Informationen auf Smartphones. Das spiegelt sich in den Zahlen zur Nutzung von Pressetiteln und Webangeboten wider.»

Auch die Eltern machen auf Sachen aufmerksam

Als Informationsquellen sprechen die Herisauer Jugendlichen nebst den Möglichkeiten des Internets und den sozialen Medien auch dem Fernsehen und Radio eine wichtige Rolle zu. Und den Eltern. «Sie machen mich oft auf Sachen aufmerksam, die in der Gemeinde oder in der Welt passieren», sagt ein Schüler. «Wenn mich etwas sehr interessiert, google ich dann manchmal. So bin ich ab und zu auch schon auf der Website der ‹Appenzeller Zeitung› gelandet.»

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