Eine Mauer bauen statt Bäume fällen

Leserbrief

Cile Mühlethaler, Howartstrasse 2, 9643 Ebnat-Kappel
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Vor etwa zwei Wochen veröffentlichte das «Toggenburger Tagblatt» einen Leserbrief mit dem Anliegen, die Allee von Prachtsbäumen der Thur entlang zu erhalten. Das hat mich sehr erfreut! Es folgte ein weiterer Leserbrief, von Herrn Thomas Appius. Darin plädiert er für die Vergrösserung der Abwasserkapazität, für die Verbreiterung des Thurweges, für die Abtretung von Boden Zu Gunsten dieser Vergrösserung und «attraktiverer Naherholungsgebiete ... in einer naturnahen Umwelt».

Ich frage mich: Was soll «naturnäher» werden, wenn die Böschung (die aus einer Vielfalt von Sträuchern besteht) wegrasiert wird, wenn diese bis zu 120 Jahre alten Bäume entfernt werden, die zu jeder Jahreszeit eine andere Pracht ausstrahlen: im Frühling das durchsichtige Grün, im Sommer den wohltuenden Schatten, im Herbst diese leuchtende Farbenvielfalt und im Winter dieses eindrückliche, markante «Knochengerüst».

Zum Glück sind es hauptsächlich Ahorne und Winterlinden, beides noch(!) gesunde Arten, während wir ja alle (alle?) bedauern, wie Ulmen fast ganz und Rosskastanien und Eschen bald auch wegen Krankheit verschwunden sein werden aus der Landschaft! Was soll naturnäher werden, wenn diese Bäume entfernt werden und dieser Thurweg um 70 Zentimer verbreitert wird?

Ich fahre seit gut einem Jahr alle paar Tage mit dem Velo diesen Weg von Ebnat-Kappel nach Wattwil oder auch weiter. Noch nie hatte ich Mühe mit dem «Verkehr»: ein kleines Zeichen mit dem Veloglöckli und Spaziergänger gehen auf die Seite, Hundehalter nehmen ihren Hund beim Halsband oder an die Leine und Velofahrer weichen sich gegenseitig aus.

Ausserdem gibt es ja noch einen zweiten Wanderweg auf der anderen Seite der Thur, der vermehrt zu benutzen wäre! Was bis jetzt möglich war, um den Thurweg zu unterhalten, muss doch wohl nicht unbedingt mit «breiteren und schwereren» (und teueren, nehme ich an) Maschinen in Zukunft ausgeführt werden. Natürlich ist gesündigt worden, indem zu nahe am Wasser gebaut worden ist. Holland, von wo ich komme, kann davon ein Liedchen singen. Wie wäre es aber, wenn links und rechts von der Thur eine kleine Betonmauer von einem halben Meter direkt ausserhalb vom Weg gebaut würde, sodass im Notfall mehr Wasser in diesem Flussbett Platz hätte?

Vielleicht seid ihr Herren, die mit diesem Projekt betreut seid, gewillt, doch noch einmal über die Bücher zu gehen!

Cile Mühlethaler, Howartstrasse 2, 9643 Ebnat-Kappel