Eine lustvolle Kämpfernatur

Köbi Frei hat sich vom Maschinenmechaniker zum Finanzdirektor hochgearbeitet. Der Bauernsohn hätte als junger Mann gerne studiert, doch das konnte sich seine Familie nicht leisten. Später habe er viele andere Chancen ergriffen.

Michael Genova
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Der Spaziergang zum Kaienspitz ist für Regierungsrat Köbi Frei ein wichtiges Ritual: «Zum Auslüften», wie er sagt. (Bild: mge)

Der Spaziergang zum Kaienspitz ist für Regierungsrat Köbi Frei ein wichtiges Ritual: «Zum Auslüften», wie er sagt. (Bild: mge)

HEIDEN. Regierungsrat Köbi Frei schaut aus dem Fenster seines Hauses im Oberen Werdbüchel und fragt: «Wollen wir gleich los oder zuerst einen Kaffee trinken?» Frei hat zu einem Spaziergang zum Kaienspitz eingeladen. Das ist sein Ritual nach einem voll gepackten Arbeitstag. Ein Freiraum, der nur ihm und seiner Frau gehört. «Zum Auslüften», wie er sagt. Schon nach wenigen Schritten auf einem steilen Nebensträsschen überblickt man Heiden, das in blaues Abendlicht getaucht ist. Der Weg führt weiter in die verschneite Ebene bei der Schwarzenegg. Hier ist Köbi Frei im Sommer zu Fuss und im Winter mit den Tourenskis unterwegs. «Dann spreche ich mit meiner Frau über den vergangenen Tag.»

Familie als Stütze

Ski- und Bergtouren sind eine Leidenschaft von Köbi Frei, seit Jahren ist er Präsident des Bergsportclubs St. Gallen. Die ausgedehnten Spaziergänge dienen ihm auch dazu, fit zu bleiben. «Normalerweise laufe ich doppelt so schnell», bemerkt er scherzhaft. Demnächst fährt er in die Ferien nach Saas Fee, wo er in einer Woche vier 4000er besteigen will. Kürzlich machte er mit seiner Frau und den beiden erwachsenen Töchtern Ferien in einer Blockhütte in Lappland. Frei sagt: «Die Stütze der Familie ist mir sehr wichtig.» Sie ist Rückzugsort für den gelernten Maschinenmechaniker, der beruflich immer viel unterwegs war. Frei wurde früh Teilhaber in einem Maschinenbaubetrieb. Er habe viel investiert und Risiken auf sich genommen, sagt er.

Zurück von der Wanderung im Wohnzimmer seines Hauses serviert der Regierungsrat einen Espresso. In der Mitte des Raums sitzt in einem Körbchen Katze Mio. Das andere Tigerli, der Mocken, ist gerade abwesend. Auf die Frage nach seinem Lieblingsgegenstand zögert Frei kurz und sagt: «Mein Mountainbike.» Seine Ehefrau ruft lachend dazwischen: «Nein, es ist sein Wecker, damit er am Morgen aufstehen kann.» Die beiden sind Morgenmenschen, ihr Tag beginnt oft bereits um halb fünf Uhr.

Studium lag nicht drin

Köbi Frei wuchs in einer Bauernfamilie in Heiden als eines von sieben Kindern auf. Gerne wäre er an die Kanti, ein Geschichtsstudium hätte ihn interessiert. «Doch das lag damals einfach nicht drin.» Der 55-Jährige hegt deswegen keinen Groll. Er habe später so viele andere Chancen erhalten. Mit 25 Jahren war Frei bei den Flug- und Fahrzeugwerken Altenrhein bereits für 200 Mitarbeiter verantwortlich. «Es gab immer Leute, die mein Talent sahen und mich gefördert haben.» Später habe er auch in seinem Unternehmen versucht, die Talente seiner Mitarbeiter zu erkennen. «Es geht darum, jede und jeden am richtigen Ort einzusetzen.»

Freude an der Debatte

Der Finanzdirektor ist von kleiner Statur, doch in seinen Augen blitzt die Entschlossenheit, die sich wie ein roter Faden durch seine Karriere zieht. Frei sagt: «Erfolg ist mir wichtig – ich setze mir immer neue Ziele.» Schon als Kantonsrat trat er als debattierfreudiger Politiker in Erscheinung, der den politischen Schlagabtausch nicht scheute. «Auf einen Angriff gibt es ein Gegenargument.» Rhetorische Angriffe lässt er jeweils fast ohne Rührung über sich ergehen. Dazu Frei: «Ich bin jemand, der gut vorbereitet ist und gut antizipieren kann.» Demnächst wird er für die Finanzdirektorenkonferenz die Nehmerkantone im Bundesparlament vertreten. Und was sagen seine Eltern zum Erfolg des Sohnes? «In ihrer Bescheidenheit sind sie stolz», so Frei.