Eine Leidenschaft für Panflöten

Weitgereist, im Toggenburg sesshaft geworden und geprägt von einer grossen Leidenschaft für klingende Bambusrohre: Roman Akermann hat sich – nebst seinem Beruf – dem Bau von Panflöten verschrieben und damit eine sinnvolle Beschäftigung für die Zeit nach der Pensionierung gefunden.

Adi Lippuner
Drucken
Teilen

EBNAT-KAPPEL. Der Besuch in der Panflötenwerkstatt an der Schmittlistrasse wird zu einer Reise in die Musikwelt, verbunden mit einem Schnellkurs im Panflötenbau. Was sich der gelernte Konstruktionsschlosser in langjähriger Arbeit aneignete, erklärt er in einer guten Stunde. Dabei bleibt der Blick immer wieder an den Bambusrohren «das sind eigentlich Gräser» hängen. Diese unscheinbaren Stecken, welche in vielen Gärten zur Stabilisierung von Pflanzen verwendet werden, bilden das Ausgangsmaterial für die wohlklingenden Soloinstrumente.

Begonnen hat die Leidenschaft für Panflöten im Jahre 1985. «Musik hat mich schon immer fasziniert, aber die Klarinette wurde schon früh beiseite gelegt, ich hatte, obwohl aktiv in der Knabenmusik, in jungen Jahren andere Interessen.» Mit dem Erlernen des Panflötenspiels wurde aber ein ganz besonderer Ehrgeiz geweckt, wie Roman Akermann rückblickend mit feinem Lächeln erklärt. «Ich wollte ein grösseres Instrument und versuchte, dies selbst zu bauen.»

Sechs Jahre Lehrgeld

Dass der Bau einer Panflöte nicht so einfach ist, musste Roman Akermann rasch feststellen. «Die ersten Instrumente waren maximal für den Hausgebrauch, es dauerte einige Jahre, bis ich damit an die Öffentlichkeit gehen konnte.» Konkret hat er sechs Jahre getüftelt, verbessert und sich weiter gebildet, bis seine Instrumente professionell gebaut waren. Sein reiches Fachwissen fliesst heute in den Bau ein und die Panflöten – jede ein Unikat – sind weit über die Region hinaus bekannt und beliebt. Nicht umsonst heisst sein Werbespruch in eigener Sache: «Auch Panflöten kommen aus dem Toggenburg», aufgedruckt ist diese Botschaft auf die bekannten, mit Schokolade überzogenen Waffeln, «Made in Lichtensteig.»

Für den Bau der Instrumente konnte Roman Akermann auf sein Wissen als Konstruktionsschlosser zurückgreifen. Seine Werkzeuge und Hilfsmittel sind Eigenkonstruktionen und heute läuft der Bau einer Panflöte nach genau festgelegten Schritten ab. Bis allerdings aus den verschieden dicken Bambusstäben ein spielbares Instrument wird, sind rund 45 Arbeitsstunden nötig. Zudem muss das Werk immer wieder ruhen und trocknen, «Bambus ist sehr anfällig auf Feuchtigkeit, es braucht deshalb Ruhephasen», so die Erklärung. Deshalb verlasse eine neue Panflöte die Werkstatt erst nach drei bis vier Monaten.

Sinnvolle Beschäftigung

Noch arbeitet der 1951 geborene Wahltoggenburger 80 Prozent in der Metallbranche, der Freitag ist sein «Panflötentag». Dann dreht sich alles um die Tonkinbambusröhren und die daraus gefertigten Instrumente. «In einigen Jahren wird die Pensionierung Tatsache, dann habe ich mir mit dem Instrumentenbau eine Beschäftigung aufgebaut, die Freude bereitet», so Roman Akermann. Erstmals nahm er dieses Jahr am Panflötenfestival teil und konnte, zusammen mit vier anderen Instrumentenbauern, sein Handwerk präsentieren. «Es war eine spannende Erfahrung, und ich konnte mir einen neuen Interessentenkreis erschliessen.» Bisher verkaufe er seine Panflöten über Musiklehrer und teilweise auch an Private. Wie sich das Ganze weiter entwickle, darauf sei er selbst gespannt. Wichtig sei ihm ganz einfach, bereits heute einen Ausgleich zum Beruf zu haben und damit verbunden eine Option, nach der Pensionierung etwas zu tun, das Sinn mache. «Es ist mir aber auch wichtig, Zeit mit meiner Frau Margrit und mit unseren beiden Enkelkindern verbringen zu können.»

Bereits als Kind ist Roman Akermann mit seiner Familie mehrmals umgezogen. Geboren in Schinznach, dann wohnen in der Stadt St. Gallen, in Arbon und Frauenfeld lernte er früh was es heisst, sich immer wieder neu anzupassen. «Am schwierigsten war der Wechsel von Frauenfeld nach Luzern, ich war damals im ersten Lehrjahr und musste meine Kollegen zurücklassen und auch die Lehrstelle wechseln.»

Doch der Wechsel in die Stadt Luzern erwies sich als Glücksfall, lernte er doch dort seine spätere Ehefrau kennen. «Wir haben 1974 geheiratet, lebten ein paar Jahre in der Stadt und zogen dann nach Ennetbürgen.» Zusammen mit zwei Kleinkindern wagte die Familie dann ein besonderes Abenteuer: «Wir lebten eineinhalb Jahre in Algerien, dort war ich als Experte für ein Schweizer Unternehmen tätig.»

Zurück in der Schweiz wurde eine neue Arbeitsstelle gesucht, «gefunden habe ich sie in Ebnat-Kappel». So hiess es, erneut Koffer packen und sich in einer neuen Region einleben. Die Familie fand zuerst eine Wohnung und 1986 konnte das Haus zuoberst an der Schmittlistrasse gekauft werden.

www.panfloetenbau-akermann.ch