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Eine kritische Stimme ist verstummt

Hans Ulrich Steger ist tot. Der bekannte Zeichner mit Heimatort Lichtensteig veröffentlichte über 50 Jahre lang politische Karikaturen, unter anderem auch für den «Nebelspalter» und die «Weltwoche».
Serge Hediger/Martin Knoepfel
Der Bundesrat mit Adolf Ogi, Kaspar Villiger, Jean-Pascal Delamuraz, Moritz Leuenberger, Ruth Dreifuss, Arnold Koller und Flavio Cotti (von links). (Bild: Archiv für Zeitgeschichte an der ETHZ)

Der Bundesrat mit Adolf Ogi, Kaspar Villiger, Jean-Pascal Delamuraz, Moritz Leuenberger, Ruth Dreifuss, Arnold Koller und Flavio Cotti (von links). (Bild: Archiv für Zeitgeschichte an der ETHZ)

MASCHWANDEN/LICHTENSTEIG. Hans Ulrich Steger, Jahrgang 1923, wuchs in Küsnacht auf und absolvierte die Kunstgewerbeschule in Zürich. 1943 veröffentlichte er erste Karikaturen im «Nebelspalter», für den er von 1972 bis 1987 regelmässig arbeitete. Von 1945 bis 1961 war Hans-Ulrich Steger Mitarbeiter der «Weltwoche», wo er die Karikaturen für die Titelseite zeichnete. Später arbeitete er für die «Zürcher Woche», und während 30 Jahren, bis 1997, karikierte er als kritische Stimme Politiker und Ereignisse für den «Tages-Anzeiger». Besonders lagen dem Künstler dabei die Themenkreise Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit am Herzen. 1989 schliesslich publizierte er sein politisches Buch «Die Unschlachtbaren» über das Militär und die heiligen Kühe der Schweiz. Bereits 2011 hat Steger dem Archiv für Zeitgeschichte an der ETH Zürich seine fast 2000 Originale politischer Karikaturen überlassen.

Beliebt selbst in Japan

Ebenso bekannt wie als kritischer Geist, der das Zeitgeschehen mit dem Zeichenstift kommentierte, war Hans Ulrich Steger als Kinderbuchautor: Nunmehr drei Generationen Kinder sind mit «Reise nach Tripiti» (1967) oder «Wenn Kubaki kommt» (1976) gross geworden. Als das Toggenburger Tagblatt den Künstler mit Lichtensteiger Bürgerort vergangenen Herbst zu Hause im zürcherischen Maschwanden besuchte, zeigte Hans Ulrich Steger dem Redaktor stolz das Belegexemplar von «Wenn Kubaki kommt», das allein in der japanischen Übersetzung mittlerweile in der 17. Auflage erscheint.

Weil er keine Freude am Rechnen gehabt habe, sagte der Künstler anlässlich des Besuchs aus dem Toggenburg, habe er nicht als Architekt in die Fussstapfen seines Vaters treten können. Seinen Lebensunterhalt habe er als Lehrer an den Kunstgewerbeschulen in Luzern und Zürich verdient. Karikaturen habe er zwar schon als Sekundarschüler gezeichnet, dennoch sei er durch Zufall zum Beruf des Karikaturisten gekommen: «In der Ausbildung zum Grafiker lernt man alles, ausser wie man eine Stelle findet und Geld verdient.» Aus purer Verzweiflung, so der Zeichner weiter, habe er dem «Nebelspalter» seine erste Karikatur geschickt. Bekanntlich mit Erfolg. Später kamen weitere Auftraggeber bei Zeitungen und für Gebrauchsgrafik sowie Ausstellungen in Basel, Olten, Zürich und in Affoltern am Albis hinzu. Dennoch: Vom Karikaturenzeichnen allein konnte Steger nicht leben.

Toggenburger Familientradition

Als Bürger von Lichtensteig überliess er 2007 dem Toggenburger Museum zahlreiche Dokumente und Bilder seiner Familie. Der Stammbaum geht zurück auf einen Ulrich Steger, der vor 1595 starb. Levi Steger, ein Sohn von Ulrich Steger, war Bürger von Lichtensteig und lebte von 1570 bis um 1632. Vier Generationen später trifft man auf Johann Heinrich Steger, der 1802 Toggenburger Landammann und später 18 Jahre Bezirksstatthalter im Obertoggenburg war. 1830 wurde Johann Heinrich Steger Verfassungsrat und 1831 Grossratspräsident. Und weitere fünf Generationen später findet man den Karikaturisten im Stegerschen Stammbaum. «Über Jahrzehnte sind die Stegers Chirurgen oder Ärzte gewesen», sagte Hans-Ulrich Steger vergangenen November zum Toggenburger Tagblatt. «Später kamen Geistliche dazu.»

Und mit Hans-Ulrich Steger ein Karikaturist, der – einem Chirurgen gleich – ganz in der Tradition der Familie den Dingen mit dem gespitzten Bleistift auf den Grund geht.

Wie gestern bekannt wurde, starb Hans Ulrich Steger am 18. Juni.

Hans Ulrich Steger (1923–2016) mit einigen seiner Figuren. (Bild: Martin Knoepfel)

Hans Ulrich Steger (1923–2016) mit einigen seiner Figuren. (Bild: Martin Knoepfel)

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