Eine Kirche zum Wohlfühlen

Seit seinem Stellenantritt in Waldstatt vor 21 Jahren hat sich für Pfarrer Johannes Stäubli in «seiner» Kirche nur wenig verändert. Die umfassende Innenrenovation wurde 1987, drei Jahre bevor Stäubli nach Waldstatt zog, vorgenommen.

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Seit seinem Stellenantritt in Waldstatt vor 21 Jahren hat sich für Pfarrer Johannes Stäubli in «seiner» Kirche nur wenig verändert. Die umfassende Innenrenovation wurde 1987, drei Jahre bevor Stäubli nach Waldstatt zog, vorgenommen. Stäubli verdeutlicht die Veränderungen in der reformierten Kirche Waldstatt anhand einer alten Fotografie: «Die Änderungen, die damals vorgenommen wurden, waren ziemlich grundlegend.»

Bestuhlung bringt Flexibilität

An der Stelle, wo früher die Kanzel thronte, befindet sich nun ein massives Sandsteinrelief, an dem sich laut Stäubli anfänglich die Geister schieden: Einigen Kirchenbesuchern war das Relief zu wuchtig. Die Kirchenbänke wurden entfernt und durch Stühle ersetzt – zur Freude des späteren Pfarrers: «Ich bin sehr glücklich über die Bestuhlung», so Stäubli. Sie biete viele Möglichkeiten, beispielsweise beim Kinderabendmahl am vergangenen Gründonnerstag, wo mit den Stühlen um einen improvisierten Abendmahlstisch ein Kreis gebildet wurde. Eine weitere Änderung war, dass die bunten Bleiglasfenster durch normale Fenster ersetzt wurden. Einzig die Porträts der Reformatoren Zwingli und Luther blieben erhalten und zieren nun ein Seitenfenster. «Von den Proportionen her ist diese Kirche ein schöner Raum, ich fühle mich hier wohl», sagt der Pfarrer.

Nicht autoritätsgläubig

Eine der optischen Neuerungen in der Kirche, die von Stäubli initiiert wurden, sind die Tauftrauben an den Kirchenwänden: Sie bestehen aus je einer «Weinbeere» pro getauftes Kind in einem Kirchenjahr. «Die Idee ist, dass diese Trauben bis zur Konfirmation des entsprechenden Jahrgangs hängenbleiben», so Stäubli, dessen Vater bereits Pfarrer war.

Er selbst absolvierte erst eine kaufmännische Lehre auf einer Gemeindekanzlei, ehe er sich entschied, Theologie zu studieren. Bevor er nach Waldstatt kam, arbeitete er in Pfarrteams der Kirchgemeinden in Weinfelden und Amriswil. Schnell seien ihm nach dem Wechsel Unterschiede in der Mentalität aufgefallen: «Hier muss ich niemandem sagen wollen, wie er leben soll», so Stäubli. In Ausserrhoden sei man weniger autoritätsgläubig, es gehe in erster Linie darum, dass ein Amtsträger seine Arbeit gut erledige. «Das sagt mir eher zu», sagt Stäubli. So wurde er in Waldstatt auch relativ schnell akzeptiert – «obwohl ich kein <Ösrige> bin.»

Eine andere Perspektive

Stäublis liebster Platz in der Kirche befindet sich, wie es sich für den Pfarrer gehört, hinter dem Abendmahlstisch. Allerdings meint der bald 60-Jährige damit nicht den Standort, von wo er predigt, sondern den unscheinbaren Holzkubus, auf den er sich setzt, wenn er schweigt. Mit dem Rücken lehnt er am Sandsteinrelief, sein Blick ist in den Saal gerichtet. «Von hier habe ich eine andere Perspektive als die Gemeinde», sagt Stäubli. Er mag den Blick auf die Orgel, die hölzerne Kassettendecke und das Gegenstück zum Relief, welches die Empore ziert.

Johannes Wey